Coronavirus hat die Arbeit verändert

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 08. Juli 2020

Kenzingen

Der Kenzinger Verein Zarok hat therapeutische Angebote umstrukturiert.

(BZ). Die Corona-Krise hat die Lebensumstände jesidischer Binnenflüchtlinge im Nordirak erheblich verschlechtert. Etwas mehr als fünf Jahre nach der Gründung des Kenzinger Vereins fließt auch weiterhin Hilfe in den Nordirak. Wegen der Corona-Pandemie kann diese momentan aber nur eingeschränkt stattfinden.

Seit knapp sechs Jahren leben nach dem Überfall der IS-Terrormiliz noch immer rund 300 000 vertriebene Jesidinnen und Jesiden in Zelten und Lagern im Nordirak. Durch die Kontaktsperren würden die Menschen aktuell selbst kleinste Einnahmequellen verlieren, berichtet der Kenzinger Verein Zarok, Unterstützungsangebote fallen weg. Der Preisverfall des Öls verschlechterte die wirtschaftliche Lage im Irak erheblich. Hinzu kämen Sicherheitslücken, da mehr Ressourcen für die Überwindung der Corona-Pandemie genutzt würden.

Fünf Jahre ist es her, dass der Verein Zarok gegründet wurde. Großes Engagement zeigte damals die kurdischstämmige Dolmetscherin Zeynep Akay, die Sachgütertransporte in nordirakische Flüchtlingslager organisierte. Akay zog sich später aus dem Vorstandsteam zurück. Seitdem führen Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther die rund 50 Mitglieder. 2020 erhielt der Verein für sein Engagement den SPD-Frauenpreis.

Nach einem groß angelegten Aufklärungs- und Prophylaxeprojekt zum Coronavirus in verschiedenen Flüchtlingscamps (die BZ berichtete) hat Zarok nun seine therapeutischen und pädagogischen Angebote komplett umstrukturiert. Zum einen konzentriert sich die therapeutische Arbeit mit IS-Überlebenden in Shariya (Nordirak) derzeit auf aufsuchende Einzelkontakte. Die Psychologin oder der Psychologe der Panaga Organization for Education, einer Partnerorganisation vor Ort, besuchen betroffene Familien zweimal pro Woche.

Zur Arbeit gehört ein stabiler Beziehungsaufbau, die Schaffung eines sicheren und Geborgenheit gebenden Umfeldes, psychosoziale Unterstützung, spieltherapeutische Maßnahmen, Familienberatung und Elemente der Traumatherapie. Ergänzend gibt es Hilfe in Notfällen, zum Beispiel bei Medikamentenbedarf oder Bekleidung sowie grundlegende Lernangebote zu Hygiene, Kinderpflege und -erziehung. Zarok und die Schweizer Organisation Khaima teilen sich die Kosten dieses dreimonatigen Therapieprogrammes von Mai bis Juli in Höhe von 4500 Dollar (4000 Euro).

In Kooperation mit der Frauenorganisation The Lotusflower bietet Zarok neue Unterstützungsangebote für Flüchtlingsfrauen in vier verschiedenen Camps im Nordirak, in den Flüchtlingslagern Bardarash und Domiz mit syrischen Flüchtlingen sowie in Essyan und Rwanga für jesidische Binnenflüchtlinge. Eine Psychologin gibt therapeutische Hilfen und berät in regelmäßigen Telefonsprechstunden. Vor Ort halten zwei pädagogische Kräfte Kontakt zu den Frauen in den Camps. Sie organisieren WhatsApp-Gruppen und fördern gegenseitige Unterstützungsangebote. Regelmäßig werden Videos gedreht und verschickt. Zarok stellt für das viermonatige Programm insgesamt 5800 Dollar (5100 Euro) zur Verfügung.

Mehr Informationen im Internet unter http://www.zarok.de