Da fließt viel Abwasser rein

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 15. November 2019

Weil am Rhein

Regenüberlaufbecken muss größer werden / Zweifel an der Notwendigkeit.

WEIL AM RHEIN. Wie groß muss das Regenüberlaufbecken in Haltingen sein, in dem quasi das gesamte Abwasser des Oberdorfs und sogar Teile aus Ötlingen zusammenfließen? Diese Frage beschäftigte die Mitglieder des Finanzausschusses, als sie die Mittel von 2,3 Millionen Euro für den Umbau freigeben sollten. Zweifel an der Notwendigkeit hegt vor allem Stadtrat Harms, zumal kaum noch neues Regenwasser in die Kanalisation eingeleitet werde.

Selbst das Landratsamt war sich wohl lange nicht sicher, wie groß das Becken denn tatsächlich sein müsse, wunderte sich Stadtrat Andreas Rühle. Zunächst war es nämlich viel größer geplant worden, dann habe man sich mit einem wesentlich kleineren Fassungsvermögen zufriedengegeben und zuletzt sei entschieden worden, dass sich die Größe des Beckens etwas mehr als verdoppeln müsse, von heute 1200 auf 2500 Kubikmeter.

Machten schon die Änderungen während der Planung stutzig, so kann Stadtrat Harms keine weiteren Zuwächse bei der Einleitung in das Kanalnetz ausmachen. "Fast alle neuen Gebäude versickern ihr Regenwasser", wunderte er sich und fragte, was denn überhaupt den Ausschlag gegeben habe, dass das Regenüberlaufbecken, das geplant wurde, als bereits die Zahl der Anschlüsse und die zu erwartenden Baugebiete bekannt waren, nun nicht mehr ausreichen solle.

Siegfried Pflüger, der technische Werksleiter der Stadtwerke, konnte dazu erläutern, dass die Flächennutzungspläne wenig Aufschluss darüber geben, wie die Flächen am Ende genutzt werden und mit welchen Wassermengen man in der Kanalisation rechnen müsse. Das ändere sich mit dem Anteil an Straßen und öffentlichen Flächen sowie mit der Zahl der Gebäude und dem Zuschnitt der Grundstücke. Der Anlass für die Neuberechnung sei gewesen, dass festgestellt wurde, dass überdurchschnittlich häufig Wasser aus dem Regenüberlaufbecken direkt in den Rhein fließt. In dem Becken kommen häusliche Abwässer ebenso wie Industrieabwässer und das Regenwasser zusammen und werden bei Überlastung eben direkt in den Rhein abgeleitet.

Offen ist vorerst, wann das Bauwerk realisiert wird. In der Ausschreibung wollen die Stadtwerke das den bietenden Unternehmen frei stellen – in der Hoffnung, dass das Angebot etwas günstiger ausfallen könnte, wenn die Firma keinen Termindruck hat und der Auftrag in einer Zeit abgewickelt werden kann, in der noch freie Kapazitäten vorhanden sind. Als Zeitraum sind die Jahre 2020 und 2021 vorgegeben. Die Finanzierung sei gesichert – das Geld könne von anderen Bauprojekten, die noch nicht realisiert wurden, umgeleitet werden, erklärte Bürgermeister Koger. Dabei sei die Summe so kalkuliert, dass auch ein Puffer für eine gewisse Teuerung vorhanden sei. Am Ende fand das Projekt die Zustimmung der Mitglieder des Finanzausschusses.