Pilzbefall

Das Augustinermuseum bleibt noch zwei Jahre länger Baustelle

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Do, 23. Mai 2019 um 18:45 Uhr

Freiburg

Die ersten Gutachten zum Pilzbefall liegen vor. Nun steht fest: Die Fertigstellung des dritten Bauabschnitts wird sich wohl um zwei Jahre verzögern, die Gemäldegalerie bleibt geschlossen. Die Jubiläumsausstellung soll aber trotz allem stattfinden.

Ein Wahrzeichen mit Stockflecken

Der Leiter der Städtischen Museen Freiburgs, Tilmann von Stockhausen, hatte an der Pressekonferenz am Donnerstag einen Stapel aus 16 Ausstellungskatalogen vor sich aufgebaut. "Das soll keine Schutzwand sein, sondern zeigen, was wir während der Bauzeit schon alles gemacht haben", sagte er. Schutzwall oder Trophäensammlung – der Stapel zeigt zweierlei: Die Nerven aller am Museum Beteiligten liegen blank. Und gleichzeitig wollen alle das Museum so gut wie möglich unterstützen und den Betrieb trotz aller Widrigkeiten aufrechterhalten. Das war dann auch die politische Botschaft, die Stadtverwaltung und Museumsleitung präsentieren wollten. Das Museum soll geöffnet bleiben. Schließlich handele es sich um ein "kleines Wahrzeichen Freiburgs", wie der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach sagte.

Der Anlass der Konferenz war allerdings weniger erfreulich: Die ersten Gutachten über den Pilzbefall liegen nun vor und haben die Hoffnung, den gesamten Umbau bis zum Stadtjubiläum doch noch zu bewerkstelligen, zerschlagen. Die Gemäldegalerie muss weiterhin geschlossen bleiben. Die Fertigstellung des aktuellen dritten Bauabschnitts wird sich in die Länge ziehen.

Die Leiterin des Amts für Gebäudemanagement, Andrea Katzer-Hug, schätzt die Verzögerung auf zwei Jahre. Seriös lasse sich das allerdings noch nicht sagen. Alles soll dafür getan werden, zumindest die Archäologie-Ausstellung zum Stadtjubiläum stattfinden zu lassen.

Ursprung und Beseitigung des Pilzes

Wie genau die Sanierung ablaufen wird, ist noch offen. Die Verwaltung möchte bis Ende des Jahres ein "Schadenskataster" und ein Sanierungskonzept vorlegen. Pilzschäden gibt es in allen drei Bauabschnitten. Besonders ärgerlich sind die Schäden in den ersten beiden eigentlich schon fertiggestellten Abschnitten. Dort ist an mehreren Stellen Wasser eingetreten. Unter anderem war eine Gaube nicht dicht, im Technikraum gab es eine Havarie, dazu kommen mehrere kleinere Stellen, an denen Wasser eingetreten ist.

"Schuldzuweisungen sind in der jetzigen Phase unangebracht" Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach
Die bekannten Fehlerquellen sind inzwischen behoben, nun muss gesichert werden, dass das Wasser streng aus dem Haus herausgehalten wird. Selbst die Reinigung des Gebäudes wird dahingehend überdacht.

Relativ sicher sei, dass Wasser durch Ausführungsmängel eingetreten ist, sagte Katzer-Hug. Allerdings sollen die Ergebnisse des Gutachtens hierzu nochmals von anderer Stelle überprüft werden. "Schuldzuweisungen sind in der jetzigen Phase aber unangebracht", sagte von Kirchbach. Schließlich sei die Priorität, das Museum fertigzustellen. "Wir wollen nicht die Baustelle dichtmachen, um Beweissicherungsgutachten zu erstellen." Auch seien für den ersten Bauabschnitt die Verjährungsfristen schon abgelaufen und eindeutige Kausalbeziehungen schwer festzustellen.

Wichtig sei, die Bauarbeiten nun zügig fertigzustellen und dabei den Museumsbetrieb so gut wie möglich aufrecht zu erhalten.

Schwieriges Kulturdenkmal

Von Kirchbach betonte, dass die Stadt verpflichtet sei, das Gebäude des Augustinerklosters zu erhalten – unabhängig ob dort nun ein Museum ist oder nicht. "Es ist schließlich ein 700 Jahre altes Kulturdenkmal." Und das ist auch der Kern des Problems. Die historische Bausubstanz ist teilweise enorm schlecht, das Pilzproblem scheint es auch schon in den 30er-Jahren gegeben zu haben, als bereits Pilzbekämpfungsmittel eingebracht wurden. Das macht den Ausbau aufwändig und unvorhersehbar. Unwägbarkeiten, die jeder Altbau mit sich bringe.

Nun müssen Teile im ersten Bauabschnitt wieder ausgebaut werden, da Balken vom Pilz befallen sind. Wie aufwändig das wird, ist noch nicht klar. "Wir sanieren nun punktuell", sagte Katzer-Hug, "aber wir brauchen einfach noch mehr Wissen." Deshalb sieht sich die Verwaltung derzeit noch nicht in der Lage, die Kosten der Sanierungen anzugeben. Bislang rechnet sie mit einem niedrigen bis mittleren siebenstelligen Betrag. Auch die Planungen des Museums sind nun durcheinandergewirbelt. "Wir waren mit der Einrichtung des dritten Bauabschnitts im Plan", sagte von Stockhausen. "Nun müssen wir neu justieren."