Das Psychosoziale Zentrum in Lörrach heißt jetzt Nadia Murat Zentrum

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Fr, 02. August 2019 um 09:31 Uhr

Lörrach

Das Psychosoziale Zentrum des Diakonischen Werkes ist jetzt nach der jesidischen Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murat benannt. Den Namen erhielt es im Beisein von Sozialminister Manne Lucha.

Das Psychosoziale Zentrum des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach heißt jetzt Nadia Murat Zentrum. Gestern erhielt es den Namen der jesidischen Friedensnobelpreisträgerin im Beisein von Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha, der auch nochmals zum ersten Platz beim Integrationspreis des Landes Baden-Württemberg gratulierte.

Das Nadia Murat Zentrum bietet Gruppentherapien für traumatisierte Kinder und Jugendliche an, schwerpunktmäßig für Geflüchtete, aber nicht nur. Im Oktober 2017 wurde damit begonnen, 60 Traumahelfer und -helferinnen auszubilden, die bis heute in acht Gruppen 48 Kindern und Jugendlichen eine Therapie ermöglichten, sagte die Leiterin Nazmije Mahmutaj. Die Rückmeldungen von Erziehern, Lehrern, Eltern und Schulsozialarbeitern seien durchweg positiv.

Ein Schwerpunkt ist die Behandlung von Frauen und Kindern

Ein Schwerpunkt ist die Behandlung schwersttraumatisierter jesidischer Kinder und Frauen. So kam man auf die Idee, dem Zentrum den Namen der 1993 geborenen Jesidin Nadia Murat zu geben, die 2018 den Friedensnobelpreis erhielt und sich für die Opfer von sexueller Gewalt und Menschenhandel einsetzt. Ulrike Kreis, die als Psychotherapeutin das Zentrum fachlich begleitet, verlas ein Grußwort von Nadia Murat, die sich über die Namensgebung freut und es wichtig findet, dass sich Menschen kümmern, dass traumatisierte Kinder und Jugendliche ein gesundes und glückliches Leben führen können. Zur Namensgebung konnte sie nicht kommen, versprach aber, den Besuch nachzuholen und rief alle dazu auf, ihre Stimme für Frieden und Menschenrechte zu erheben.

Am 21. Mai hatte das Psychosoziale Zentrum unter 400 Bewerbern den ersten Platz beim Integrationspreis des Landes gewonnen. Sozialminister Manne Lucha sagte gestern in Lörrach, besonders beeindruckt habe die psychotherapeutische Professionalität und die Ausbildung ehrenamtlicher Traumhelfer wie auch die intensiven Paarbeziehungen, die zwischen den Kindern und Jugendlichen und den Helfern entstanden sind. "Ich möchte Ihnen im Namen der Landesregierung herzlich danken, dass Sie sich in dieser Weise für das gesellschaftliche Miteinander einsetzen, damit keiner ausgeschlossen wird, und weiß Gott geht es hier nicht nur um Menschen mit Fluchterfahrung." Er erinnerte an die Unantastbarkeit der Menschenwürde, daran, dass niemand ausgeschlossen werden darf und betonte, solches Engagement, nämlich Sorge zu tragen für die, denen es schlechter geht, sei eine Garantie für eine freie und offene Gesellschaft. "Sie geben mit ihrer Arbeit ein Zeichen der Mitmenschlichkeit", sagte Manne Lucha. Er versprach, nach Fördermöglichkeiten zu schauen, "denn wir wollen, dass Sie Ihre Arbeit fortführen können", sagte der Minister.

Der Dank galt allen Ehrenamtlichen

Auch Landrätin Marion Dammann betonte, wie froh sie ist über das vielfältige und nahezu unerschöpfliche ehrenamtliche Engagement, das es im Landkreis Lörrach gibt. Gerade bei Kriegsflüchtlingen ist das Risiko der Traumatisierung besonders hoch. Die Arbeit, Kinder und Jugendliche zu Selbstbestimmung anzuleiten, sei besonders wichtig: "Das ist die Basis unseres Zusammenlebens." Früher musste man traumatisierte Menschen nach Villingen-Schwenningen schicken, nun aber gibt es hier eine Anlaufstelle für Familien aus dem ganzen Landkreis.

Auch Oberbürgermeister Jörg Lutz dankte allen Ehrenamtlichen, deren Einsatz unspektakulär und unverzichtbar sei. Er erinnerte auch daran, dass das Nadia Murat Zentrum im Markgräfler Hof untergebracht ist, der früher ein Gewerkschaftshaus war, in dem 1908 Rosa Luxemburg eine Rede für die Rechte von Frauen gehalten hat. Kinder und Jugendliche mit Traumaerfahrungen seien seit Jahren ein Thema gewesen, nicht erst seit der Flüchtlingszuwanderung, sagte Michael Schmitt-Mittermeier, Geschäftsführer des Diakonischen Werks. Neben den stationären Einrichtung sei der Ausbau des ambulanten Angebots nötig, was das Nadia Murat Zentrum für Kinder und Jugendliche anbietet. Um die Erwachsenen kümmert sich der Caritasverband. Nazmije Mahmutaj kündigte an, das Angebot auf Gesundheitspaten und therapeutische Arbeit mit Familien auszuweiten.