Der Pflegebereich am Klinikum gewinnt an Bedeutung

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 04. Juli 2020

Offenburg

Ortenauer Klinikverbund richtet neuen Geschäftsbereich ein / "Geringe Fluktuation" / Rick Pieger ist Leitender Pflegedirektor.

(BZ). Um die Rolle der Pflege im Krankenhausbetrieb stärker zu betonen und den Pflegebereich im Klinikverbund weiter zu bündeln, hat das Ortenau -Klinikum auf oberster Leitungsebene einen Geschäftsbereich Pflege eingerichtet. Anfang Mai hat Rick Pieger als Leitender Pflegedirektor die Führung des neuen Geschäftsbereichs übernommen, wie das Klinikum am Donnerstag mitteilte.

"Wir wollen der Bedeutung der Pflege auch unter künftigen Herausforderungen gerecht werden und unsere interne Organisation hausübergreifend optimieren", betonte Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller. Mit der Schaffung des neuen Geschäftsbereiches, der neben dem Geschäftsbereich Medizinstrategie eingerichtet wurde, stärke der Klinikverbund seine Organisationsstruktur.

Der 51-jährige Rick Pieger hat den Pflegeberuf von der Pike auf gelernt und seitdem langjährige Erfahrung in Führungspositionen bei großen deutschen Krankenhäusern und Uni-Kliniken erworben. Seine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte der in Halle geborene Pieger am Universitätsklinikum seiner Heimatstadt. Hier arbeitete er zunächst als Krankenpfleger und übernahm nachfolgend Führungsaufgaben im Pflegedienst verschiedener Abteilungen der Klinik. 2011 wechselte er an das Universitätsklinikum Ulm. Seit 2016 war er Pflegedirektor des Uni-Klinikums Magdeburg. Berufsbegleitend hat sich Pieger zum Fachpfleger in der Intensivpflege und Anästhesie sowie für Leitungsfunktionen weitergebildet. Darüber hinaus absolvierte er ein berufsbegleitendes Studium Pflege/Pflegemanagement an der Fachhochschule Jena. "Als eine meiner wichtigsten Aufgaben sehe ich die strategische Ausrichtung der Pflege am Ortenau-Klinikum an. Der bundesweite Fachkräftemangel, die zunehmenden gesetzlichen Qualitätsanforderungen als auch die Herausnahme der Pflege aus dem Fallpauschalensystem machen in der Pflege ein koordiniertes Handeln im Klinikverbund notwendig", so Pieger. Einen Schwerpunkt sieht erbei der Personalgewinnung und -bindung.

"Exzellente Bildungszentren"

Das Ortenau-Klinikum verfüge über exzellente Bildungszentren für Pflegeberufe. Deshalb habe es bei der Gewinnung von Nachwuchs Vorteile gegenüber anderen Häusern. Zudem schaffe es das Ortenau-Klinikum, mehr Personal an seine Häuser zu binden. Die Fluktuationsquote im Pflegedienst sei mit 5,4 Prozent deutlich niedriger als der Bundesschnitt. Das Deutsche Krankenhausinstitut weise bundesweit eine Fluktuationsquote von 8,5 Prozent aus. Dennoch sei der Fachkräftemangel in der Pflege auch für das Klinikum eine Herausforderung. "Aus diesem Grund ist neben der Gewinnung von Fachkräften besonderes Augenmerk auf die Bindung unserer eigenen Pflegekräfte zu richten." Grundsätzlich sieht der neue Pflegemanager in der Einrichtung des Geschäftsbereiches eine weitere Aufwertung der Pflege. Besonders motiviere ihn die Zukunftsplanung. "Die Agenda 2030 bietet große Entwicklungschancen." Der Leitende Pflegedirektor arbeitet eng mit den drei regionalen Pflegedirektoren der einzelnen Standorte zusammen. Mit mehr als 2000 Beschäftigten stellen Pflegekräfte die größte Berufsgruppe der rund 5800 Mitarbeiter dar.

Das Ortenau-Klinikum weist damit auch eine Kritik der Linken Liste Ortenau (LiLO) von Anfang Juni zurück. Diese hatte die Behauptung aufgestellt, dass im Ortenau-Klinikum gerade im Pflegebereich eine enorm hohe Fluktuation festzustellen sei. LiLO-Sprecher Yannik Hinzmann beteuerte, dass die vom Ortenau-Klinikum genannte geringe Fluktuationsquote eine Verschleierungstaktik sei, um das Image des Ortenau-Klinikums als "guter" Arbeitgeber aufzupolieren. Hingegen seien in den letzten Monaten immer mehr kritische Stimmen zum "Arbeitsklima" laut geworden. Auch "der hohe Kündigungsstand von Auszubildenden" bereitete der LiLO seinerzeit "große Sorgen".