Einjähriger Probebetrieb

Deutsche Bahn testet Wasserstoffzug in Tübingen

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Mo, 23. November 2020 um 18:58 Uhr

Wirtschaft

Die Deutsche Bahn will bis 2050 klimaneutral fahren. Ein wichtiger Baustein könnten Wasserstoff- anstelle von Dieselantrieben sein. Ein erster Testlauf ist für 2024 in Baden-Württemberg geplant.

Die Deutsche Bahn (DB) will bis 2050 klimaneutral fahren. Dafür bleibt noch viel zu tun. Die Zugflotte wird erst zu einem Teil mit Ökostrom versorgt und ein Drittel des Schienennetzes ist nicht elektrifiziert und muss daher mit Dieselzügen befahren werden. Eine klimaschonende Alternative könnte der Wasserstoffantrieb sein. In Tübingen will die Bahn 2024 ein Jahr lang einen Wasserstoffzug testen.

Der Zug soll einen Dieseltriebwagen ersetzen, der zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim verkehrt. Dadurch sollen nach DB-Angaben in einem Jahr bei 120 000 Kilometern im Probebetrieb rund 330 Tonnen CO2 eingespart werden. "Wir müssen den Verbrauch fossiler Kraftstoffe auf null bringen", sagte DB-Technikvorstand Sabina Jeschke.

Der Wasserstoff soll mit Ökostrom erzeugt werden

Der Hauslieferant des Staatskonzerns, Siemens Mobility, entwickelt dafür einen neuen zweiteiligen Regionalzug auf der Basis seines Modells Mireo. Der Zug soll Tempo 160 fahren können und 600 Kilometer Reichweite haben, so leistungsfähig wie elektrische Triebzüge sein und in nur 15 Minuten so schnell wie ein Dieselzug betankt werden können. Dafür soll eine mobile Tankstelle entwickelt werden. Der Wasserstoff werde in Tübingen von DB Energie mit Ökostrom produziert, kündigte der Konzern an. Für die Wartung des Zugs werde das Instandhaltungswerk in Ulm ausgerüstet.

Das Landesverkehrsministerium unterstützt das Projekt

Wasserstoff gilt als wegweisende Zukunftstechnologie, benötigt allerdings eine aufwändige Infrastruktur zur Produktion und Versorgung. Das Projekt mit dem Namen "H2goesRail" wird vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg unterstützt. "Vor allem auf nicht elektrifizierten Strecken kann der Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff eine klimafreundliche Alternative zum Dieselantrieb werden", sagte Minister Winfried Hermann (Grüne). Entscheidend sei, dass die Energie aus regenerativen Quellen stamme.

Im eng getakteten Regionalverkehr muss das Tanken schnell gehen

DB Energie will den Wasserstoff in einer mobilen Tankstelle im DB Regio-Werk Tübingen durch Elektrolyse erzeugen. Zunächst wird Wasser mit Hilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten, dann der Wasserstoff verdichtet und in einem mobilen Speicher gelagert. Das schnelle Betanken soll den Einsatz im eng getakteten Regionalverkehr ermöglichen. Damit werde die Technologie im Betriebsalltag konkurrenzfähig zum bisher verwendeten Dieselkraftstoff, betonte der Konzern.

Auch die Bundesregierung hat nach Bahnangaben eine Förderung in Aussicht gestellt. Das Geld könnte aus dem nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie kommen, das von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) koordiniert wird.
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Schneller als die Deutsche Bahn war ein niedersächsisches Regionalverkehrsunternehmen, das bereits seit Oktober 2018 zwei Wasserstoffzüge im Probebetrieb fährt. Im Januar 2019 war einer davon zwischen Offenburg und Freudenstadt unterwegs.