Mundart

Die deutschen Dialekte entwickeln sich weiter – und das hat auch mit Christian Streich zu tun

Marius Buhl

Von Marius Buhl

So, 25. August 2019 um 11:48 Uhr

Südwest

BZ-Plus Lange glaubten Dialektsprecher, sich ihrer Mundart schämen zu müssen. Heute können sie stolz darauf sein. Kehrt der Dialekt zurück, weil er unsere kalte globalisierte Welt ein bisschen wärmer macht?

Von den vielen rhetorischen Glanzleistungen des Christian Streich ragt eine heraus. Es handelt sich um jene Weisheit, die er 2014 zum Besten gab. Zum wiederholten Mal war es dem SC in jener Saison nicht gelungen, einen Vorsprung in einen Sieg zu verwandeln, der Ausgleich für Hannover fiel kurz vor Schluss. Der SC stand auf dem letzten Tabellenplatz. Streich sollte erklären, was das mit ihm mache – und setzte zu folgender Rede an:
"Lautern gege Köln – denksch: Unentschiede wär gut. Beim Nulleins denksch: au nit schlecht, Lautern null Punkte – oh, aber scheiße: Köln het drei! Dann gehsch zur Toilette, schon führe d’Mainzer in Schalke. Am beschte: Machsch de Fernseher aus, schausch Tabelle nit an, bringt eh alles nix. Spielsch! Übsch!"
Das Bonmot, besonders sein Finale – "Spielsch! Übsch!" – ging hinaus in die Fußballrepublik und schuf Belustigung bis Unverständnis. Schuld war vor allem Streichs Dialekt. Kann’s der nicht besser?, dachten sie in Dortmund. Will er sein Image stärken als Exot?, fragten die Berliner. Es ging eine Weile, bis Streich selbst einmal Stellung nahm. In einem Interview sagte er, dass Standarddeutsch für ihn gar nicht in Frage komme. Nur im Dialekt könne er sprechen, ohne nachzudenken. Unverstellt, authentisch.
Sowohl Heimatkrimis als auch Landlustmagazine sind der Renner
Warum aber löst Streichs Dialekt im Rest Deutschlands bis heute so viel aus? Könnte es daran liegen, dass Streich mit seiner Mundart ein Sonderling geworden ist in einer Republik voller Standarddeutsch parlierender Performer? Oder liegt die Sache genau anders herum, und die deutschen Dialekte erleben gerade eine Renaissance, weshalb Christian Streich voll auf der Höhe des Zeitgeists ist?
Für beide Thesen gibt es Anzeichen. Für erstere seit Ewigkeiten. Die deutschen Dialekte sterben, so kann man es seit den 1930er Jahren in den deutschen Zeitungen lesen, ob in Baden, Berlin oder sogar in Bayern. 1988 sagte der Kabarettkünstler Gerhard Polt dem Magazin Tempo: "Ein Münchner Kind ist heute praktisch vom Dialekt entsorgt." Die ...

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