Hugsweier

Die letzte Wirtschaft im Ort schließt − und wird wieder zum Treffpunkt

Alfred Arbandt

Von Alfred Arbandt

Sa, 15. Juni 2019 um 07:05 Uhr

Lahr

Das Café Edelweiß wird am 30. Juni zum letzten Mal geöffnet sein – danach zieht das Dorv-Zentrum in die Räume ein. Es soll in Zukunft zu einem neuen Treffpunkt im Dorf werden.

Als Carmen Wöhrlin im Jahr 1996 von ihren Eltern Albert und Ruth Puntel das Café Edelweiß übernahm, schrieb Ortsvorsteher Hansjakob Schweickhardt zur Wiedereröffnung: "Das Café ist als gastliche Stätte mit vielen zufriedenen Gästen ein Aushängeschild und Markenzeichen unseres Stadtteils. Würde es verloren gehen, wäre Hugsweier nicht mehr das, was es ist."

Die Vorahnung des in Kürze nach 27 Jahren aus seinem Dienst scheidende Ortsoberhaupt wird nun Wirklichkeit: Am 30. Juni wird die einzige übrig gebliebene Hugsweierer Gastwirtschaft seine Türen schließen. Bis 2002 gab es noch das Gasthaus Sonne, zuvor den "Löwen", die "Krone" und früher noch den "Ochsen". Ab Juli wird es für eine geraume Zeit erstmals keine Einkehrmöglichkeit in dem Lahrer Ortsteil geben - bis das bis geplante Dorv-Zentrum dort eröffnet wird.
Dorv-Zentrum

Die Abkürzung Dorv steht für Dienstleistung und Ortsnahe Rundum-Versorgung. Die Initiative Dorv Leben Hugsweier GbR mit ihrem Geschäftsführer Peter Winkels will auch einen Treffpunkt für Kommunikation und geselligen Kontakten in den Räumen im Café Edelweiß schaffen. Über Konzeption und Ausgestaltung wird man sich dann mit einem noch zu findenden Investor einigen müssen. Die Stadt Lahr hat mit dem Kauf des Cafés und der dazugehörigen Flächen einen Beitrag für eine mögliche Realisierung dieses Dorv-Projekts geleistet. Jetzt ist die Bevölkerung gefragt, die mit Anteilscheinen in Höhe von jeweils 100 Euro die finanzielle Basis für die ersten Schritte des Projekts sichern kann. Ohne das Engagement der Bevölkerung wird es kein Dorv-Zentrum geben. Wie in der Gesellschaftersitzung berichtet wurde, sind Anteilscheine im Wert von 10 000 Euro bereits erworben worden. Im kommenden Monat werden die Mitglieder der um weitere Unterstützer werben.

Albert und Ruth Puntel errichteten in den 1960er-Jahren im Mittelweg ein geräumiges Wohnhaus und richteten 1967 das Café Edelweiß ein. Obwohl es im Ort noch traditionelle Gasthäuser gab, fand die neue Einkehrstätte ihr Publikum und ihre Gäste. Nach zehn Jahren entschloss sich das Ehepaar zu einem Neubau mit einer zwei modernen Kegelbahnen in der Hauptstraße. Eine richtige Entscheidung, wie sich bald herausstellte. Dazu kam, dass die örtlichen Gasthäuser im Laufe der Jahre ihre Betriebe einstellten und letztlich nur das auch von vielen Auswärtigen stark frequentierte Café übrigblieb.

1996 übernahm die älteste Tochter Carmen das Lokal. Das Restaurant mit badischer Küche fand immer mehr Freunde. Bei guter Witterung lud die schattige Terrasse zum Verweilen ein. Viele Kegelfreunde gehörten ebenfalls zu den Gästen. Auf zwei vollautomatischen Kegelbahnen suchten viele Freizeitkegler in geselliger Runde ihr sportliches Vergnügen.

So können die Wirtin und Besitzerin Carmen Wöhrlin und ihr Lebensgefährte Ralf zum Ende eine durchaus positive Bilanz ziehen. Dabei ist es ihr ein besonderes Anliegen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den oft außergewöhnlichen Einsatz zu danken.

Beim Flohmarkt wird die Einrichtung verkauft

Am 30. Juni wird der Betrieb letztmals geöffnet haben. Dabei soll gegen 19 Uhr die Schlussrunde eingeläutet werden und die Bestände "leergetrunken" werden. Am Tag darauf ist noch ein Flohmarkt geplant, bei dem Interieur und Gegenstände erworben werden können. Danach steht Urlaub auf dem Programm.