Beten auf zwei Ebenen

Die Moschee in Lahr ist fast fertig – ein Blick in den Neubau

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Do, 14. März 2019 um 15:03 Uhr

Lahr

Die Ditib-Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Lahr steht kurz vor der Fertigstellung. Die Badische Zeitung hat einen Rundgang mit dem Vorsitzenden der Gemeinde, Hasan Babur, gemacht.

Hasan Babur könnte hier fast schon einen Zweitwohnsitz anmelden. Seit Jahren folgt für den Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Gemeinde Lahr Schicht auf Schicht. Die eine beruflich bei Nestler, die andere auf der Baustelle. Beim Besuch am Dienstag wirkt er etwas erschöpft, aber auch erleichtert. Wenig Schlaf mischt sich mit viel Vorfreude. Nach drei Jahren ist ein Ende der Bauzeit in Sicht: Am 12. Oktober wird die Ditib-Moschee in der Weststadt eingeweiht.

Marmor, Gold und viel Handarbeit im Inneren

Als Babur das Herzstück des Neubaus betritt, sind die Strapazen vergessen. Der Blick in den 13 Meter hohen Gebetsraum beeindruckt: die Predigtkanzel und Gebetsnische aus Marmor, die goldenen Verzierungen in arabischer Schrift, die bunte Beleuchtung. "18 Tonnen Marmor wurden letzte Woche geliefert", sagt Babur mit Blick in Richtung Kanzel, "Sonderanfertigungen aus der Türkei".

Viele kleine Details fügen sich zu einem großen Bild: Namen der Propheten zieren die Wände, die 99 Namen Allahs den Innenbereich der Kuppel an der Decke. "Alles Pinselarbeit", sagt Babur. Eine aufwendige Arbeit von fünf Monaten. Noch steht ein Gerüst, noch fehlt der Teppich. Das soll sich in Kürze ändern. Und bis zur Eröffnung wird die Bedeutung der arabischen Inschriften auch auf Deutsch hinterlegt.

Derzeit wird noch im Mehrzweck gebetet

Im Mehrzweckraum im Erdgeschoss liegt schon ein Teppich. Seit dem Umzug aus dem "Hinterhof" in der Friedrichstraße im April wird er provisorisch als Gebetsraum genutzt. Angrenzend befinden sich die Küchen und der Waschraum für die Männer.

Neben den Sanitärräumen für Frauen gibt es im ersten Obergeschoss Büros, eine Imam-Wohnung und Gästezimmer. Im zweiten Obergeschoss finden sich Räume mit Balkonen für Frauen, Kinder und Jugendliche sowie ein Schulungsraum. Von der zweiten Etage aus erreichen die Frauen auch den Gebetsraum. Der Clou: Männer und Frauen sind nicht mehr räumlich getrennt, sie beten zukünftig im selben Raum auf zwei Ebenen.

Der Neubau kostet fast drei Millionen Euro

"Die Leute sind stolz, wenn sie all das sehen", sagt der Vorsitzende. Mit vielen Spenden von Mitgliedern und Firmen und nicht zuletzt mit viel Eigenleistung hat die Gemeinde den knapp drei Millionen Euro teuren Umbau finanziert. Sanitär und Elektrik haben die Gläubigen komplett selbst übernommen. Seit März werde der Bankenkredit über 1,2 Millionen Euro abgezahlt, sagt Babur.

Mit gut drei Jahren Bauzeit ist Babur zufrieden. "Das ist ja keine gewöhnliche Baustelle." Allein der Bau der Schalung für die Kuppel sei ein Riesenaufwand gewesen. Der feuchte Untergrund hatte den Bau eines Kellers zur Folge. Jetzt geht’s auf die Zielgerade: Brandschutz-Abnahme, Einbau der Türen und des Aufzugs. Nur eine Baustelle bleibt: Die Verhandlungen mit zwei Interessenten für das türkische Restaurant im Erdgeschoss waren nicht erfolgreich. Babur will abwarten, spricht aber bereits von einem Plan B: "Es gibt einen Interessenten für eine türkische Bäckerei."