Ehemalige feiern am Kant-Gymnasium das erste Abi vor 50 Jahren

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Mo, 04. Juli 2022

Weil am Rhein

"Weisch no?" war am Samstag wohl die am häufigsten gestellte Frage / Rektor Haas und OB Dietz hoffen auf einen Auftakt zu einer neuen Tradition.

. Das Kant-Gymnasium hatte geladen und weit über 350 Ehemaligen waren am Samstag gekommen, um das Jubiläum der Schule zu feiern. Vor 50 Jahren hatte der erste Jahrgang sein Abitur an der Schule absolviert.

Eine kleine Gruppe von Ehemaligen hatte die Idee, das besondere Jubiläum zu feiern – nicht im kleinen Kreis der damals nur zehn Abiturienten, sondern mit all ihren Nachfolgern, den rund 3000 bis 4000 Ehemaligen, die am Kant-Gymnasium ihr Abitur abgelegt haben. In geradezu detektivischer Kleinarbeit hätten Heide Walker sowie Ulrich Obrist und Nicolaus Lorenz Adressen zusammengetragen und Schüler wie Lehrer eingeladen. Im besten Geiste der damals neuen SMV, der Schülermitverwaltung, so lobte OB Dietz, haben sie die Organisation selbst in die Hand genommen, nachdem die Schule ihrerseits von der Idee begeistert war.

OB Wolfgang Dietz und Rektor Martin Haas wünschten sich, dass mit dem Treffen der Grundstein für eine neue Tradition am Kant gelegt würde. Immerhin war es bemerkenswert, wie viele ehemalige Schüler und Lehrer der Einladung gefolgt sind und mit welcher Herzlichkeit die Begegnungen stattgefunden haben. Nicht zuletzt sei der Austausch von Ehemaligen mit den heutigen Schülern etwas, das die Schulgemeinschaft beflügeln könne.

In seiner Begrüßung bezeichnete Haas die Begegnung und das Miteinander von Mensch zu Mensch als den eigentlichen Kern der Schule. Das, was die Schüler dabei lernten, sei das Rüstzeug, das dann auch in der Zeit nach der Schule wichtig werde.

Ulrich Obrist hatte es übernommen, die Geschichte der ersten Kant-Abiturienten nachzuzeichnen, und verschwieg dabei nicht, wie sehr sich der Umgang damals doch von dem unterschied, der heute zwischen Schülern, Eltern und Lehrern gepflegt werde. Der Umgangston sei deutlich rüder gewesen, aber er und sein früherer Klassenkamerad Wolfgang Dietz freuten sich, dass aus den damaligen Abiturienten trotz mancher anders lautender Prophezeiungen ihrer Lehrer "etwas Anständiges" geworden sei.

OB Dietz nutze seine Festrede, um unter anderem die Veränderungen aufzuzeigen, die das Schulsystem in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat. Dass früher nur 15 Prozent aller Schüler auf Gymnasien wechselten, heute, nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung aber über 44 Prozent der Eltern ihre Kinder auf ein Gymnasium schickten, sei zwar bemerkenswert, werfe in seinen Augen aber auch Fragen nach dem pädagogischen Sinn auf.

"Die Stadt hat viel Glück mit den Rektoren gehabt", dankte Dietz den Schulleitern und stellte vor allem die Leistungen von Martin Haas heraus. Immerhin ist der heutige Rektor der Schulleiter, der mit 20 Amtsjahren unter alle seinen Kollegen am längsten die Verantwortung für die Schule und die Schulgemeinschaft getragen habe. Dabei sei Haas ein sehr kompetenter und verlässlicher Partner gewesen "bei dem 2 + 2 immer 4 waren", wie Dietz hervorhob – eine Rechnung, die in der Kommunalpolitik bisweilen zu ganz anderen Ergebnissen führe, wie er zum Besten gab.

Egbert Nitzsche vom Förderverein des Kant-Gymnasiums hatte in seiner kurzen Ansprache auf die Möglichkeiten der Mitwirkung der Ehemaligen und Förderung der Schulgemeinschaft hingewiesen. Mit einer Überraschung endete die Feierstunde, die von der Big Band der Schule musikalisch aufgelockert wurde. Fünf Ehemalige, die vor über 40 Jahren die Dreigroschenoper an der Schule aufgeführt hatten, setzten mit Brechts Moritat von Mackie Messer ein besonderes Glanzlicht. Karin Mörgelin, Barbara Sauer, Reinhard Bombsch sowie Elmar Bollin und Rainer Fribolin zeigten singend, dass die Schulzeit eine Bereicherung fürs ganze Leben sein kann. Sie habe am Kant gelernt, dass jedes Thema mindestens zwei Seiten habe, die man anhören und gegeneinander abwägen müsse, erklärte Karin Mörgelin.

Mit einem Stehempfang auf dem Schulhof und vielen Gesprächen, die oft mit der Frage "Weisch no?" – so die Vermutung von OB Dietz – begannen, klang der Empfang aus.