Kulinarische Tour

Einmal um die Welt geht’s bei einer Stadtführung durch Freiburg

Reinhold Wagner

Von Reinhold Wagner

So, 04. Oktober 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Geschichtshäppchen in Cafés und Gasthäusern serviert: Auf kulinarischer Stadtführung mit "Eat the World" geht’s gemeinsam durch die Freiburger Wiehre.

"In der Wiehri gibt’s Backsteinkäs’ um Vieri", hieß es um das Jahr 1900 in dem geschäftigen und von neu angesiedeltem Großbürgertum geprägten Stadtteil. Doch dessen Entstehungsgeschichte reicht noch viel weiter zurück in die Vergangenheit. Kulinarisch-kulturelle Führungen knüpfen daran an.
Die Tour beginnt an einem Platz, der eine zentrale Bedeutung in der Geschichte des Stadtteils innehat: an der Johanneskirche. Zu deren Einweihung im Jahr 1899 soll der damalige OB Otto Winterer gesagt haben: "Dörfer haben Kirchen, Städte haben Türme." Deshalb, so erfährt die kleine Gruppe zum Einstieg, seien die Türme von Freiburgs zweitgrößter Kirche (nach dem Münster) auch so markant. Anhand eines historischen Drucks wird deutlich, wie es an Ort und Stelle früher einmal ausgesehen hat.

Kleine kulinarische Pause

Dann wechselt das Grüppchen die Straßenseite und taucht ein in ein Labyrinth aus engen Gassen und gepflegten Häusern mit üppig blühenden Gärten. Die weitere Route bestimmt die sechs Lokale, an denen während der dreistündigen Führung je eine kleine kulinarische Pause eingelegt wird. Dazwischen erwartet die Teilnehmer stets ein neuer, spannender Exkurs mit historisch interessanten Einblicken und schmackhaften Entdeckungen.

Da jeder der Gästeführer Freiburg aus seiner eigenen, individuellen Perspektive kennt, wechseln historische Einblicke in die Vergangenheit immer wieder ab mit verblüffend Unbekanntem aus der Gegenwart des Freiburger Stadtteils. Und hinter mancher Ecke fallen die Blicke auf Details, die selbst Einheimischen wenig geläufig sind. Und so landet die Gruppe mit Gästen aus zu der Gäste aus Berlin, Bonn und Frankreich, bald in einem versteckten Innenhof, der von Ortsfremden leicht übersehen werden könnte.

Französische Galette

Der erste kulinarischen Stopp ist dort anberaumt. Im "Beb & Bene", das Anfang des Jahres noch "Biokeller Bistro" hieß, bietet ein französisch-stämmiges Team mit Koch Benedikt "Bene" Obermann und Betreiberin Bérangère "Beb" Pouchin verlockend Neues: Seit kurzem gibt es original französische Galette und selbst gebrauten Kombucha-Grüntee. Ein Wiederkommen lohnt sich – die Häppchen, die es zu Probieren gibt, munden jedenfalls vielversprechend.

Wie reiche Hamburger Freiburg prägten

Eine Ecke weiter unterhalten sich die Tourteilnehmer angeregt über Judith Stein, die deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin mit jüdischen Wurzeln, die einst in der Goethestraße wohnte. Typisch für diese Straße sind die Klinkerbauten. "Ein Zeichen dafür, dass hier früher viele Reiche aus Hamburg lebten", erläutert der Tour-Guide. "Alle Backsteinhäuser wurden von derselben Freiburger Firma speziell mit dem Ziel erbaut, betuchte Leute aus Norddeutschland hier anzusiedeln."

Auch am "Chalet Widmer", dem sogenannten Schweizer Haus, führt kein Weg und Blick vorbei, wenn es mit offenen Augen durch die Wiehre geht. Dieses soll ursprünglich im Stadtgarten gestanden haben und gar nicht aus der Schweiz kommen, wie der Name eigentlich suggeriert.

Italienische Einflüsse

Aus Italien, genau genommen, Sizilien, stammt hingegen ein Großteil des Angebots an frischem Obst und Gemüse in dem kleinen Lebensmittelladen, aber auch Balsamico, Öl und Pasta gibt es an der nächsten Station. Dann geht es zurück durch die Lorettostraße, entlang der ehemaligen Bahntrasse durch die Wiehre und – mit ein paar Schlenkern nach links und rechts – über die Günterstalstraße bis zum Alten Wiehre-Bahnhof.

Käse-Häppchen auf dem Wiehremarkt

Dort ist gerade Markt, und bei einer Auswahl an Käse-Häppchen erfahren die wissbegierigen Freiburgbesucher ganz nebenbei, dass hier einst der gesamte Tross an Tieren des Zirkus Krone aus dem Zug ausstieg, um in einem spektakulären Fußmarsch hinüber an den Alten Messplatz zu spazieren. Schon die bloße Vorstellung daran beflügelt die Fantasie.

Natürlich gibt es neben Festem auch Flüssiges zu probieren. Und so wechseln sich die Restaurants und Bistros auf der Tour geschickt ab mit dem dazu passenden Café und einer Weinhandlung, bevor die kleine innerstädtische Reise urgemütlich in einer argentinischen Musik-, Grill- und Tapas-Bar endet.

Langweilig wird es zu keinem Zeitpunkt. Und als der Abend gemütlich ausklingt, hat kaum jemand bemerkt, wie rasch die Zeit vergangen ist. Wer will, darf gerne noch länger verweilen, bevor jeder individuell für sich den restlichen Weg zurück zum Startpunkt und letztlich nach Hause einschlägt.
Kulinarisch-kulturelle Stadtführungen in Freiburg, ab 33 Euro, Eat the World GmbH, Berlin, Tel.: 030/206-2299924, http://www.eat-the-world.com