Oberkirch

Erdbeerbauern setzen auf Umweltschutz

viro

Von viro

Mi, 12. Juni 2019 um 12:05 Uhr

Offenburg

Erdbeerbauern in Oberkirch haben Bürgerinnen und Bürger eingeladen, um über Probleme und Herausforderungen des Erdbeeranbaus zu diskutieren.

"Wo sind denn die Kinder, die jeden Freitag demonstrieren?", war die erste Frage eines Bürgers beim Bürgerdialog neulich auf einem Erdbeerfeld bei Oberkirch. Erdbeerbauern hatten Bürger eingeladen, um über die Probleme und Herausforderungen des heimischen Erdbeeranbaus zu sprechen. Dabei kamen ganz aktuelle Themen zur Sprache.

Warum wachsen immer mehr Erdbeeren im Folientunnel? Gibt es eine Alternative zu den Tunneln? Wie werden Folien und Netze entsorgt? Wie sieht es mit den Rückzugsgebieten für Wildtiere aus? Warum werden Erdbeeren oder auch anderes Obst im Handel in Plastikverpackungen verkauft? Auf letztere Frage kam dann auch gleich die Gegenfrage: "Warum kaufen Sie das Obst in Plastik?"

Lebendiger Dialog zwischen Verbrauchern und Landwirten

Es war ein sehr lebendiger Dialog zwischen Verbrauchern und Landwirten. Allerdings waren nur wenig Bürger erschienen. In einem Folientunnel hatte Landwirt Thomas Streif zusammen mit dem Anbauberater des Obstgroßmarktes Mittelbaden, Markus Litterst, verschiedene Arten von Steigen mit Erdbeeren aufgebaut. Vier verschiedene Erdbeersorten – Allegro, Aprica, Clery und Sibilla – lagen in Plastikschalen, Holzschiffschalen in Holzsteigen, grünen Klappsteigen im Poolsystem und schwarzen Pappsteigen, mit Kunststoff bespritzt aber nicht recycelbar.

Am umweltfreundlichsten seien die Holzschiffschalen mit Holzsteigen, sagte Litterst. Aber leider kaufe der Verbraucher Plastikschalen. Schon hörte man Protest aus den Reihen der Bürger: "Ich kaufe nie Plastikschalen!" Trotz Negativ-Image von Plastik würden immer noch diese Verpackungen gekauft, hieß es weiter. Als Einwand kam, dass im Handel Obst und Gemüse in Plastik angeboten würden. "Dann müssen Sie dort nach anderen Verpackungen fragen", so Streif.

Nur durch den Druck von unten nach oben könne sich was ändern, ist er sich sicher. Doch was ist mit den Folientunneln, die man immer mehr in der Region sieht? Dies sei den Umwelteinflüssen geschultert, so Streif. Kälte, Frühjahrsstürme, Frost, Hagel, Starkregen: Das habe es auch früher schon gegeben, aber nicht in der Häufigkeit. Es gehe halt um das Einkommen der Landwirte, so Litterst: Im Tunnel seien 2019 die Erträge gut, im Freiland durch das Wetter eine Katastrophe.

Die Tunnel werden nur von Januar bis Juni gebraucht

Um 40 Prozent seien die Erträge zurückgegangen, die Preise niedrig. Litterst plädierte für den geschützten Anbau. "Aber warum nicht unter Glas?", fragte jemand. Die Tunnel würden nur von Januar bis Juni gebraucht, so Litterst. Danach verschwänden sie, wanderten von einem Feld zum anderen. So werde keine Fläche versiegelt. Außerdem brauche der Landwirt viel weniger Pflanzenschutzmittel. Vor allem arbeite er im Tunnel mit Nützlingen. Die Folie der Tunnel halte fünf bis sechs Jahre und die Mulchfolie rund 30 Jahre. Danach würden sie recycelt, erklärte Streif. Warum werde nicht eine natürliche Folie wie Maisfolie verwendet? Dies sei eine Option, sei aber noch nicht ausgereift. Für Wildtiere biete man Rückzugsgebiete am Rand der Felder.

Und mit dem Projekt "Oberkirch und das Renchtal blühen auf" wollen acht Landwirte aus dem Renchtal mindestens vier Hektar brachliegende Erdbeerfelder ab Juli in Blühwiesen verwandeln und damit einen Beitrag für den Artenschutz leisten. Doch eine Blühwiese bedeute noch nicht, dass alles gut sei. Ein anwesender Landwirt betonte zuletzt leicht zerknirscht: "Wir sind ein Prozent der Bevölkerung – und sollen für alle die Umwelt retten."