Dritte Welle

Erste Kliniken im Südwesten verschieben planbare Operationen

dpa,bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Mi, 07. April 2021 um 17:00 Uhr

Südwest

Weil die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen steigt, bereiten sich Kliniken im Südwesten auf die dritte Welle vor. Erste Krankenhäuser verschieben geplante Operationen.

Weil die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen steigt, bereiten sich Kliniken im Südwesten auf die dritte Welle der Corona-Pandemie vor. Erste Krankenhäuser verschieben geplante Operationen, sagte der Koordinator der intensivmedizinischen Versorgung von Corona-Patienten in Baden-Württemberg, Götz Geldner.



Das Ortenau Klinikum erweitert seine Intensivkapazitäten und schränkt am Standort Lahr die OP-Kapazitäten um rund 40 Prozent ein. In Offenburg werden zwei Intensivstationen zusammengelegt und so Personal gebündelt. Weitere OP’s sollen so möglich bleiben, teilte das Klinikum mit.

Das Klinikum Mittelbaden habe an seinen Standorten Rastatt, Baden-Baden und Bühl alle verschiebbaren Operationen abgesagt, um die Kapazitäten zu bündeln, sagte eine Sprecherin. Ausgenommen seien Notfälle und dringliche Fälle wie Tumor-OPs. "Die dritte Welle übertrifft an Heftigkeit leider alle bisherigen Corona-Wellen", sagte der medizinische Geschäftsführer, Thomas Iber.

Auch am Uniklinikum Ulm würden gut planbare Operationen verschoben, da die Belastung durch Corona-Patienten stark zugenommen habe, hieß es dort. Auf Nachfrage hieß es von der Uniklinik in Freiburg: "Momentan müssen noch keine planbaren Operationen verschoben werden."



Beim Blick aufs ganze Bundesland zeigt sich laut Geldner, dass die Zahl der Corona-Patienten im Vergleich zur Vorwoche um 20 Prozent gestiegen ist. Landesweit sei bereits ein Drittel der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt, so der Ärztliche Direktor der Ludwigsburger RKH-Kliniken. "Wenn die Zahl der Intensivpatienten weiter steigt, haben wir in ein bis zwei Wochen ein Problem", sagte er.


Diese und weitere Datengrafiken zur Corona-Pandemie zeigen wir täglich aktuell im BZ-Dashboard.

Seit Mitte März steigt die Zahl der Corona-Patienten in Intensivbehandlung im Südwesten. Lag sie am 10. März bei 236, waren es am Mittwoch 469, wie aus Daten des Divi-Intensivregisters hervorgeht. Bisheriger Höchststand waren 642 am 29. Dezember 2020. Von den 2400 betreibbaren Intensivbetten im Land sind demnach 88 Prozent belegt.

Lockdown-Debatte dauert an

Derweil plädiert die Bundesregierung dafür, das öffentliche Leben weiter herunterzufahren. Sie unterstützt damit indirekt die Idee eines "Brücken-Lockdowns" von CDU-Chef Armin Laschet. Auf die Frage, wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Laschets Vorschlag bewerte, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer, die Zahl der belegten Intensivbetten spreche eine sehr deutliche Sprache. "Deswegen ist auch jede Forderung nach einem kurzen einheitlichen Lockdown richtig. Auch ein gemeinsames bundeseinheitliches Vorgehen wäre hier wichtig." Für das von Laschet vorgeschlagene Vorziehen der Bund-Länder-Runde am kommenden Montag gebe es derzeit aber "erkennbar keine Mehrheit".

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte: "Wieder soll auch nach der Bundeskanzlerin nur ein pauschaler Lockdown die Antwort auf die Pandemie sein." Die sozialen Folgen seien immens. "Die Grundrechtseingriffe sind immer weniger verhältnismäßig", sagte Lindner. Beim Testen, dem Impfen und den Hygienekonzepten seien längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

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