Erzeuger sehen sich mit Rücken an die Wand gestellt

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Do, 08. August 2019

Kreis Lörrach

Direktvermarkter im Kreis kritisieren die Initiative "Rettet die Bienen" scharf / Politiker ermuntern zu offensivem "Dagegenhalten".

FISCHINGEN. Das von Naturschützern angestrengte Volksbegehren "Rettet die Bienen" zum Erhalt der Artenvielfalt stellt Erzeuger mit dem Rücken zur Wand. Darin waren sich die zehn Betriebsinhaber einig, die sich auf Einladung des Verbandes der Direktvermarkter in der Gärtnerei Hoch-Reinhard trafen, um den Abgeordneten Patrick Rapp (CDU), Josha Frey (Grüne) und Reiner Stickelberger (SPD) ihre Bedenken gegen den Gesetzesentwurf vorzutragen.

Die Initiative fordert unter anderem, den Anteil rein biologisch produzierender Landwirtschaft in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2035 auf mindestens 50 Prozent anzuheben und Pflanzenschutz durch Pestizide in jeder Form von Schutzzone zu verbieten. Viele Bürger hätten die Petition unterstützt (mehr als 35 000 Unterschriften wurden gesammelt), ohne von der komplexen Materie wirklich etwas zu verstehen, lautete der Tenor. Und: "Der Entwurf stammt von Leuten, die alle nicht selbst betroffen sind", kritisierte Heinz Kaufmann vom Seebodenhof.

Steinobst wie etwa Tafelkirschen seien rein biologisch schlicht nicht maden- und pilzfrei produzierbar, erläuterten Kevin Brändlin und Ursula Bahlinger. Auch viele andere Kulturen wären auf Grundlage des Gesetzesentwurfes nicht mehr erzeugbar, bestätigte Andreas Schopferer aus Egringen, der 45 Gemüse- und Obstsorten kultiviert und direkt vermarktet. Alle Betriebsinhaber schilderten, dass sie geplante Investitionen erst einmal auf Eis gelegt hätten. Auch Jürgen Reinhard, der seit vielen Jahren nach Biolandrichtlinien arbeitet, sah sich in einem Boot mit den konventionell anbauenden Kollegen.

Die Politiker wiesen darauf hin, dass es sich bei dem Begehren nicht um ein parlamentarisches Verfahren handelt, sondern eben um eine Initiative, die aus der Bevölkerung komme. Das Begehren werde wohl zugelassen. Dann beginne eine sechsmonatige Phase, in der 770 000 Unterschriften gesammelt werden müssen, damit es zum Volksentscheid komme, informierte Rapp. In dieser Phase müsse die Landwirtschaft an Marktständen und in Bauernläden den Verbrauchern offensiv klarmachen, was eine Umsetzung des Begehrens aus ihrer Sicht bedeuten würde, forderten alle drei Politiker. Frank Krumm aus Binzen brachte ein eigenes Volksbegehren unter dem Motto "Rettet die Landwirtschaft" ins Spiel. Zwei gegensätzliche Volksbegehren zur gleichen Zeit lasse das Gesetz aber nicht zu, meinte Patrick Rapp.

Rainer Stickelberger positionierte sich wie Rapp klar gegen die vorgelegte Initiative, die "zu oberflächlich formuliert" sei. Er glaubt, dass die Landesregierung einen eigenen, alternativen Gesetzesentwurf einbringen werde. Grünen-Abgeordneter Josha Frey setzt auf eine intensive inhaltliche Debatte und das Aktivwerden der Landwirte, "unter denen es auch schwarze Schafe gibt". Scharf kritisiert wurde von Bauern- wie von Politikerseite die nach ihrer Meinung von Seiten des Naturschutzes seit Jahren betriebene Zweiteilung der Landwirte in "gute" Biobauern einer- und "böse" konventionell Anbauende andererseits. Susanne Denzer, Michael Lang sowie Gerda und Jürgen Müller machten dagegen deutlich, dass auch die konventionellen Erzeuger im Markgräflerland denkbar weit weg von fabrikähnlicher Agrarindustrie seien.