Flucht als bewegtes und bewegendes Klangbild

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Di, 28. September 2021

Lahr

Beim Benefizkonzert für die Flüchtlingsarbeit wurde in der Stiftskirche ein sehr breites musikalisches Spektrum geboten.

Zu einem Benefizkonzert für die Flüchtlings- und Integrationsarbeit der Diakonie und die Aktion United4Rescue hat das Evangelische Bezirkskantorat am Samstagabend in die Stiftskirche eingeladen gehabt. Mitgewirkt haben das Friesenheimer Bläser-Ensemble, die syrischen Musiker Mesud und Nirov Mohammad und Kamal Ismael sowie Martin Groß an der Orgel.

"Es war eine runde Sache" befindet Martin Groß im Gespräch nach dem Konzert. Auch mit der Besucherzahl zeigt er sich zufrieden, wenn auch die Stuhlreihen etwas überschaubarer als erwartet besetzt sind. Ausgewogen aufgeteilt ist die Konzertzeit zwischen den unterschiedlichen Mitwirkenden.

Den Anfang macht das Bläserensemble aus Friesenheim mit drei Posaunen und zwei Trompeten unter der Leitung von Michael Fünfgeld mit dem feierlich-getragenen "Festive Trumpet Tune", hat im weiteren Verlauf dann aber auch richtig Fetziges parat. Als Beispiel sei "Halleluja Drive" von Chris Hazell genannt – ein mit Spielwitz komponiertes Stück moderner Bläser-Literatur. Abgerundet im Hinblick auf das Konzert-Motto "Frieden und Flucht", hat das Bläserensemble seinen Beitrag mit dem jazzig swingend arrangierten Choralsatz "Gib uns Frieden jeden Tag".

Dynamisch und fast rockig kommt dagegen die eigens für dieses Konzert komponierte Orgelsymphonie "Exodus" von Martin Groß daher. Beginnend mit wuchtigem, an- und abschwellendem Donnern aus den tiefsten Basspfeifen, gefolgt von einem erst angstvoll klingenden Hasten auf den kleinen, hohen Pfeifen, schält sich immer mehr eine beruhigende, stabile Melodie heraus – eindrucksvoll in Töne umgesetztes Bild für einen sich abzeichnenden gangbaren Weg aus der Gefahr. Im Spannungsbogen zwischen pianissimo und fortissimo drückt Groß das Thema Flucht und Frieden als bewegtes und bewegendes Klangbild aus.

Auch die "Toccata & Fuge" von Nicolaus Bruhns, einem Vertreter des Hamburger "stylus phantasticus" stellt den Bezug zum Thema Flucht über das Meer hörbar her. Einen ganz anderen Stil von Musik repräsentieren die drei Musizierenden aus Syrien, deren eigene Lebensgeschichte von Flucht geprägt ist. Mit den Stücken, die sie den Zuhörern vorstellen, werden die Unterschiede der Kulturen deutlich: die starke Stimme der Sängerin Nirov Mohammad hat nur im dritten Lied eine gewisse Melancholie, die ersten beiden Stücke sind heiter, fröhlich, laden eigentlich zum Tanzen oder sonstigem Mitmachen ein. Kamal Ismael lässt seine Finger mit routinierter Leichtigkeit über die syrische Laute (Oud) fliegen und Mesud Mohammad bedient das (leider etwas zu laut eingestellte) Keyboard, das den elektronisch erzeugten Rhythmus zu dominant in den Vordergrund rückt.

Mit informativen und liturgischen Wortbeiträgen abgerundet wurde das Konzert von den beiden Pfarrerinnen Friederike Bornkamm-Maaßen und Claudia Roloff. Hier haben die Besucher Wissenswertes über die Aktionen von United4Rescue erfahren und zugleich den Bezug zur biblischen Geschichte aus dem Alten Testament aufgezeigt bekommen.

Das Konzert wurde aufgezeichnet und kann in Kürze auf der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Lahr nachgehört werden. Spenden für Flüchtlingshilfe und Seenotrettung sind weiterhin möglich über folgende Konten: Diakonisches Werk im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau, IBAN DE12 6649 0000 0014 0372 09, Volksbank Ortenau eG; United4Rescue Gemeinsam Retten, IBAN DE93 1006 1111 1111 93, KDS Bank Duisburg.