Entdeckung in der Schweiz

Forscher entschlüsseln Faktor, der wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Krebs spielt

sda, bz

Von sda & BZ-Redaktion

Fr, 23. August 2019 um 16:48 Uhr

Basel

Forscher des Paul Scherrer Instituts haben in Kooperation mit dem Basler Pharmakonzern Roche einen Metastasen-Blocker identifiziert. Ihnen gelang es, die Struktur des Faktors zu entschlüsseln.

Solche Metastasen sind für 90 Prozent der Todesfälle bei Krebspatienten verantwortlich. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift "Cell" veröffentlicht, teilt das PSI mit.

Forschende des an der Aare im aargauischen Bezirk Brugg gelegenen PSI und des Basler Pharmariesen haben die Struktur eines Faktors entschlüsselt, der eine zentrale Rolle für die Wanderung von Krebszellen, also der Bildung von Metastasen spielt. Auf dieser Grundlage konnten sie zudem einen Hemmstoff identifizieren, der diesen Faktor blockiert. Bei dem besagten Faktor handelt es sich um den Chemokin-Rezeptor 7 (CCR7), eine Andockstelle für spezifische Signalstoffe (Chemokine), die Immunzellen den Weg durch die Lymphgefäße zu den Lymphknoten weisen. Dieser Rezeptor wirkt wie eine Spürnase und erlaubt es den Zellen, sich auf die höchste Konzentration des Signalstoffs zu zu bewegen. Indes wird CCR7 auch von Krebszellen verwendet, um aus einem Tumor heraus und zu den Lymphknoten zu wandern.
Das Institut

Das Paul Scherrer Institut (PSI) ist das größte Forschungsinstitut der Schweiz und gehört zum Bereich der Eidgenössischen Technischen Hochschulen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Materie und Material, Energie und Umwelt sowie Mensch und Gesundheit. Insgesamt beschäftigt das PSI 2100 Mitarbeitende, davon sind etwa ein Viertel Postdoktoranden, Doktoranden und Lernende. Das Jahresbudget beträgt rund 407 Millionen Franken.

Im Fachjournal "Cell" stellen die Forscher nun die Struktur des Rezeptors vor, die sie mithilfe von Röntgenkristallografie an der Synchroton Lichtquelle Schweiz (SLS) entschlüsselt haben. Die größte Schwierigkeit sei gewesen, das Protein überhaupt so herzustellen, dass es sich untersuchen ließ, heißt es in einer Mitteilung des PSI. Die Struktur diente weiterhin als Grundlage, um Wirkstoffe zu identifizieren, die den Rezeptor lahmlegen.

Vier weitere Wirkstoffkandidaten

Tatsächlich wurden die Forschenden fündig: Sie konnten ein passendes Molekül ausfindig machen, das den Rezeptor blockiert. Die "Spürnase" nimmt den "Duft" der Signalstoffe zwar noch war. Die dadurch normalerweise ausgelöste Kettenreaktion in der Zelle, die zur Zellwanderung Richtung Lymphknoten führt, werde jedoch durch das künstliche Molekül unterbunden, erklärt Steffen Brünle vom PSI laut der Mitteilung.

In der Molekül-Datenbank des Pharmaunternehmens konnte das Forschungsteam zudem vier weitere Wirkstoffkandidaten aufspüren. Einer davon befindet sich bereits in klinischen Studien im Einsatz gegen Metastasierung, schrieb das PSI. Allerdings gingen die Entwickler bisher davon aus, dass der Wirkstoff auf zwei andere, ebenfalls an der Metastasenbildung beteiligte Chemokin-Rezeptoren wirke. Die Wirkung dieses Moleküls sei demnach breiter gefächert als man bisher dachte, erklärte Brünle im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-sda.