Dieses Mal acht statt 17 Bühnen

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Fr, 11. September 2020

Freiburg

Zum zehnten Geburtstag will sich das stadtweite Festival "Freiburg stimmt ein" nicht von Corona kleinkriegen lassen.

Mit rund 60 Bands, aber weniger Spielstätten als zuletzt, wagt sich am 20. September "Freiburg stimmt ein" an die 10. Auflage des Festivals – unter den seit Pandemie-Ausbruch nicht gerade einfachen Bedingungen. Neu im Programm sind Straßenkonzerte im Musikerviertel, gespielt wird jeweils der Komponist, der der Straße seinen Namen gab.

Trotz Corona ist das Konzept von "Freiburg stimmt ein" im Kern geblieben – über die Stadt verteilte Bühnen, vorrangig unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt. Rund 60 Bands und Musiker sollen am Sonntag, 20. September, alle möglichen Stilrichtungen bieten, und Stefan Sinn vom ausrichtenden Verein "Kultur leben" will eine Botschaft verbreiten: "Wir wollen den Gedanken rüberbringen, dass es richtig Spaß macht, etwas selber zu machen". Also auch Musik.

Aus Sicherheitsgründen hat das sechsköpfige Veranstalterteam die Zahl der Spielorte aber kräftig reduziert. An sieben festen Plätzen und in den Straßen in Herdern wird dieses Jahr gespielt, vergangenes Jahr waren es noch 17 Bühnen. Ganz einfach ist die Sache nicht: Ausgerechnet die Eigenschaften, die das Festival bislang reizvoll machten – der niederschwellige Zugang und auch die Möglichkeit, zwischen den Spielorten hin und herzuwechseln – die gelten aus der infektiologisch geprägten Sicht des Jahres 2020 als bedenklich.

Also muss nun auch "Freiburg stimmt ein" Regeln einführen. Am Eingang gibt es desinfizierte Chips, mit denen gewährleistet sein soll, dass nur eine begrenzte Besucherzahl in die mit Absperrband begrenzten Konzertareale gelangt. Mit 500 Leuten darf der Eschholzpark die größte Menge Zuschauer aufnehmen. An den Eingängen müssen die Gäste ihre Personalien angeben wie im Restaurant. Und der Abstand innerhalb der Konzertbereiche? Da baue man auf die Eigenverantwortung des Publikums, und man werde Durchsagen machen. "Sollten die Bedingungen nicht eingehalten werden, sind wir angehalten, sofort abzubrechen." Möglicherweise würden die Ordnungsbehörden auch Masken vorschreiben, das zeige sich erst nächste Woche, erklärt Stefan Sinn. Die behördliche Genehmigung hat er noch nicht, allerdings die Zusage aus dem Amt, dass das Konzept so wohl genehmigungsfähig sei. Das sei in diesem Stadium nicht ungewöhnlich, sagt er.

Vier Klaviere rollen durchs Musikerviertel

Neu bei "Freiburg stimmt ein" ist der Programmpunkt "Klingendes Musikerviertel": An zwölf Standorten im Viertel um die Richard-Wagner-Straße, von der rund ein Dutzend weitere Komponisten-Straßen abzweigen, wollen Solisten oder auch ganze Ensembles die Musik der jeweiligen Straßennamensgeber aufführen. Zusätzlicher Spielort ist die Kirche St. Urban an der Hauptstraße, in der Orgel gespielt wird – und einer findet sich in der Wiehre, weil dort die Beethovenstraße liegt, die man im Musikerviertel ja vergeblich sucht.

Für die Klassik stehen in Herdern vier rollbare Klaviere bereit, weil die mal hier und mal dort gebraucht werden, sowie rund 30 Musiker. "Vom zehnjährigen Jugendmusikpreisträger bis zum Hochschulprofessor wird dort eine große Bandbreite an Künstlern auftreten", verspricht Walter-Michael Vollhardt. Der hat den Herdern-Programmpunkt zu einem großen Teil organisiert und kennt sich im Thema aus – viele Jahre war er stellvertretender Solocellist des Philharmonischen Orchesters in Freiburg.