1000-Meter-Regel

Freiburger Windkraft-Befürworter laufen Sturm gegen Gesetzentwurf

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 16. November 2019 um 14:22 Uhr

Freiburg

Das Bundeskabinett plant einen Abstand von 1000 Metern zwischen Windrad und Häusern. In Freiburg stößt das auf Kritik: Ein Windkraft-Manager wähnt die Politiker gar im Alkohol- und Drogenrausch.

Windkraft-Befürworter laufen Sturm gegen den geplanten Mindestabstand von 1000 Meter zwischen Windrädern und Siedlungen. Auch aus Freiburg gibt es Gegenwind für den Gesetzentwurf des Bundes. "Wenn ein Kabinett sich in einer Nachtsitzung ausdenkt, das Flächenpotenzial der Windkraft zu beschränken und dies Klimaschutzmaßnahme nennt, dann spricht das nicht nur für Übermüdung, da stellt sich auch die Frage nach Alkohol und Drogen", sagte Andreas Markowsky am Freitag auf BZ-Anfrage.

Auch Wirtschaftsverband hält Regelung für absurd

Der Geschäftsführer der Ökostromgruppe hält das Argument für vorgeschoben, der Abstand erhöhe die Akzeptanz für die Windräder. Das sei falsch: "Wo schon Anlagen stehen, ist die Akzeptanz besser", so Markowsky.

Auch der Wirtschaftsverband Erneuerbare Energien "100%" – dem außer Ökostrom etliche Unternehmen wie der Versorger Badenova, die Freiburger Stadtbau, die Holzwerke Dold und Wasserkraft Volk angehören – fordert vom Bund, die 1000-Meter-Regel zurückzunehmen. "Die Absurdität zeigt sich besonders beim Repowering", schreibt Verbandschef Ulrich Hummel an Freiburger Bundestagsabgeordnete.

Neue Windräder produzieren vier mal so viel Strom

Der Tausch von alten gegen leistungsfähigere Windräder würde verhindert, wie ihn Markowsky zum Beispiel an Freiburgs Holzschlägermatte plant. Dort sollen zwei Windmühlen durch eine größere ersetzt werden, die doppelt so viel Strom liefert – für bis zu 3500 Haushalte. Auch die Rosskopfanlagen will er ersetzen.

Wenn der Entwurf Gesetz würde, hätte es auf die bekannten Freiburger Standorte keine Auswirkungen, meinte Markowsky. Er will am Taubenkopf bei Freiburg-Kappel zwei Anlagen errichten, die 250 Meter hoch sein und Strom für 7000 Haushalte liefern sollen. Anwohner und Naturschützer sind dagegen. Ein Haus ist nur knapp 500 Meter entfernt. "Aber 70 Meter mehr als wir brauchen, um die Grenzwerte einzuhalten", sagte Markowsky zum Schall.

Der Gesetzentwurf sieht den Mindestabstand nicht für einzelne Häuser, sondern für Siedlungen ab fünf Häusern vor. Die gebe es weder beim Taubenkopf, noch bei Holzschlägermatte und Rosskopf, sagte der Ökostrom-Chef. Auch alle in Frage kommenden Standorte seien mehr als einen Kilometer von Siedlungen entfernt, und nur um die gehe es: "Sonst wär’s eine Katastrophe, weil wir in der Regel überall ein Einzelhaus hätten."

"Wir arbeiten daran, dass die 1000 Meter nicht ins Gesetz kommen." Ralf Heineken, Umweltministerium BadenWürttemberg
Andreas Markowsky glaubt allerdings, dass die Regelung nicht kommt, sondern entweder der Bundestag oder das Land gegensteuern. Nach dem Entwurf können sich die Länder gegen die Anwendung der Regel entscheiden. Im baden-württembergischen Umweltministerium sagte Ralf Heineken dazu: "Wir arbeiten daran, dass die 1000 Meter nicht ins Gesetz kommen." Der Sprecher verwies auf einen entsprechenden Brief der Grünen in Bund und Landesregierungen an Wirtschaftsminister Peter Altmaier, den auch Landesminister Franz Untersteller unterzeichnete.

In Freiburg gibt es beim neuen Standort Taubenkopf noch Abstimmungsbedarf mit den Behörden, den Markowsky dieses Jahr noch erledigen will. Er hofft auf einen Baubeginn Ende 2020. Für die Modernisierung der Holzschlägermatte-Anlage liegt das Gutachten noch nicht vor. Ziel für das Repowering auch am Rosskopf sei Anfang des nächsten Jahrzehnts.



Mehr zum Thema: