Weil am Rhein

Fridays-for-Future-Aktivistin berichtet vom Kampagnencamp

Ronja Hofmann

Von Ronja Hofmann

Di, 16. Februar 2021 um 13:08 Uhr

Weil am Rhein

Was eine gute Kampagne ausmacht und wie man sie auf die Beine stellt, hat BZ-Mitarbeiterin und Fridays-for-Future-Aktivistin Ronja Hofmann bei einem einwöchigen Kampagnencamp erfahren

Organisiert wurde das Projekt von Brigde-it, einem kleinen Verein, der sich zur Aufgabe gemacht hat, inklusive, integrative und nachhaltige Entwicklungsarbeit zu fördern. Ein Erfahrungsbericht.

Betrete ich morgens um 8 Uhr den virtuellen Zoom-Raum, blicken mir 16 noch etwas verschlafene, aber fröhliche Gesichter entgegen. Bei dem Einen liegt Schnee im Hintergrund, der Nächste sitzt unter einer Lichterkette auf einem gemütlichen Sofa und ein Dritter hat sich eine Thermoskanne mit Tee bereitgestellt. Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands, aus den Tiefen des Schwarzwaldes genauso wie mitten aus Berlin. Dort hätten sich die Jugendlichen eigentlich treffen sollen, um gemeinsam in der Familienferienstätte St. Ursula an einem Kampagnencamp teilzunehmen. Um zu wissen, dass daraus vorerst nichts wird, genügt ein Blick auf die Corona-Infektionszahlen. Also sehen wir uns Mitte Januar nur per Bildschirm.

Die Bewerbung

Da ich über Fridays for Future und Schul-AGs schon einige Erfahrungen mit politischen Aktionen gesammelt habe, aber noch mehr für meine Arbeit lernen wollte, habe ich mich dazu entschlossen, mich beim Kampagnencamp zu bewerben. Hierfür musste ich zunächst ein Onlineformular ausfüllen, in dem ich neben ein paar persönlichen Angaben auch Fragen zur eigenen Einstellung, Engagement und Erwartungen an ein Kampagnencamp beantworten musste. Den folgte ein Online-Gespräch mit Saad Malik, dem Projektleiter. Angenommen wurden 13 Personen, von ursprünglich 40 Bewerbern, was im Vergleich zum Vorjahr relativ wenig war. Geld sollte kein Hindernis darstellen, weshalb die meisten Kosten, auch Fahrtkosten, vom Verein getragen werden. Für Teilnehmer fällt lediglich ein Betrag von 100 Euro an, Schüler zahlen 50 Euro, was bei Bedarf aber übernommen werden kann.

Globalen Austausch fördern

Um auch den Anliegen anderer Menschen Gehör zu verschaffen, setzten sich die Mitglieder für ein Online-Austauschprogramm ein, das deutsche Aktivisten mit Aktivisten aus dem "globalen Süden", unter anderem aus Südafrika, vernetzt. Ziel ist dabei, dass beide Seiten voneinander lernen und sich bei Vorhaben unterstützen können. Ein ebenfalls anstehendes Projekt ist ein Austausch zwischen jungen Menschen in Deutschland und Tansania. Insgesamt ist es dem Verein ein Anliegen, inklusive, integrative und nachhaltige Entwicklungsarbeit zu fördern.

Das A und O einer jeden Kampagne

Dass eine erfolgreiche Kampagne einiges an Vorbereitung benötigt, sollen wir in den nächsten Tagen lernen. In erster Linie muss das Problem konkret erfasst werden. Dazu muss ein festes, aber erreichbares Ziel festlegt werden. Im nächsten Schritt geht es um Aktionsmöglichkeiten, etwa die Frage, wie dieses Ziel erreicht werden kann – was ohne akribische Recherche nicht geht. Geklärt werden muss, ob es Geld braucht und etwa eine Spendenaktion weiterhelfen kann. Bei bestimmten politischen Forderungen bietet sich eine Petitionen an. Am Ende geht es darum, Aktionen zu initiieren, mit denen Druck auf Entscheidungsträger ausgeübt werden kann. Da das schlecht im Verborgenen geht, braucht es Social Media, Plakate und Pressemitteilungen.

Der persönliche Austausch fehlt

Die Erfahrung, dass solche Kampagnen sehr zeitintensiv sein können, habe nicht nur ich gemacht, sondern auch der 17-jährige Paul-Nikos Günther aus Bremen, der schon seit Langem bei der Grünen Jugend aktiv ist. Als Schatzmeister des Landesverbandes organisiert er wöchentliche Bildungsangebote. Ihn treibe der Wunsch nach Veränderung, Klimaschutz und Gerechtigkeit an, denn er habe in seiner Kindheit sehr viel Ungerechtigkeit erlebt. Was bei allem persönlichen Austausch im Online-Seminar fehlt, sind die Gespräche zwischendurch, beim Essen oder abends auf dem Zimmer.

Schon einiges profitiert

Wie sehr ein solches Seminar doch dafür sorgt, dass man sich selbst besser beobachtet und die eigenen Aktivitäten genauer überdenkt, habe ich bereits erlebt. So konnte ich erst in der vergangenen Woche von den Erfahrungen zehren, als ich als Fridays-for-Future-Aktivistin mit Lörrachs OB Lutz über unsere Forderungen zum Klimaschutz sprach (siehe auch Seite 19).

Genaues Recherchieren und die Fähigkeit, sich über die eigenen Ziele und Ideen viel stärker bewusst zu werden, erlaubt es, besser nachzufragen. Und auf dieser Grundlage kann es auch gelingen Politiker dazu zu bringen, auf Fragen Antworten zu geben.