Masken für die Helfer beim Umzug der Tochter selbst geschneidert

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Do, 26. März 2020

Offenburg

Überall mangelt es an Schutzbekleidung / Privatinitiativen haben Nähaktionen gegründet / Klinikum erklärt: Für medizinische Zwecke nicht geeignet.

OFFENBURG. Sie gehören derzeit zu den begehrtesten Artikeln auf dem Markt: Atemschutzmasken. Im Optimalfall sind es FFP-Masken, die Mund und Nase verdecken und per Band oder Gummi an den Ohren fixiert werden. FFP steht für Filtering Face Piece, was man auch mit Atemschutzfilter übersetzen mag. Sie bieten Schutz vor Flüssigteilchen – Tröpfchen, die beim Niesen oder Husten entstehen, oder Speichel. Im Gesundheitswesen finden nur zertifizierte Schutzmasken Verwendung, nur sie, sagt etwa das Ortenau-Klinikum, seien für medizinische Zwecke geeignet. Doch auch privat hergestellte finden inzwischen Verwendung.

Am Wochenende ist die ganze Familie von Hans Kartmann im Einsatz: Anlass ist der Umzug von Tochter Corinna von Frankfurt nach Freiburg. Alle wollen zupacken – und dabei andere Menschen nicht gefährden. "Ich wollte für alle Schutzmasken kaufen, doch es gibt ja kaum noch welche", sagt Kartmann, "da ich gelernter Damen- und Herrenschneider bin, kam ich auf die Idee, solche Masken selbst herzustellen." Flugs modelte er den Partyraum im Haus zu einem Nähraum um, baute die gute alte Singer-Nähmaschine auf, schnappte sich eine große Tischdecke aus Baumwolle, drei mal vier Meter, und begann, gleich große Teilchen herauszuschneiden. "Ich habe den Stoff übereinander gelegt, auf dass er größtmögliche Sicherheit bietet", sagt der 64-Jährige, "darin vernäht werden die beiden Gummibänder für die Ohren." Er wolle wirklich nicht behaupten, so Kartmann, dass diese Masken höchsten Ansprüchen genügen, doch "die gute Baumwolle wird beim Umzug, und nur dafür sind die Teilchen angefertigt, gewiss für eine ordentliche Sicherheit sorgen. Selbst Rotwein habe die Decke schon ausgehalten: "Ich habe jedenfalls das Gefühl, der Stoff lässt Tropfen aus der Nase oder dem Mund nicht durch." Die Maske sei "waschbar und somit wiederverwendbar". Er habe den Schnitt von einem offiziellen Modell abgeguckt und einen "Prototypen" erstellt. Seine Frau, gelernte Krankenschwester und somit vom Fach, sei mit dem fertigen Produkt zufrieden: "Sie hat gesagt, dass es für diesen Zweck gut ist." Damit sich bei all den gesundheitlichen Sorgen ringsum wenigstens "ein bisschen Fröhlichkeit aufbaut", habe er eine rosafarbene Decke gewählt.

18 Masken hat Hans Kartmann bereits hergestellt, zehn weitere, ebenfalls für den Umzug vorgesehen, seien in der Mache, in Reserve habe er außerdem "sechs gekaufte Masken". Die Familie werde die Möbel verpacken, alles beschriften und die Wohnung verlassen, ehe die Speditionsleute anrücken. "Mit ihnen werden wir nicht in Berührung kommen." Die Masken seien vor allem für den Fall produziert, dass man, etwa im Treppenhaus, anderen Menschen begegnet.

Hans Kartmann ist in Siebenbürgen (Rumänien) aufgewachsen. In der Berufsschule erlernte er das Schneiderhandwerk. 1979 kam der heute 64-Jährige nach Offenburg. Einige Monate war er noch in seinem erlernten Beruf tätig, bei der Firma Hobo in Bohlsbach, dann anderthalb Jahrzehnte in einem Saunabetrieb, ehe er 1996 zur Stadtverwaltung Offenburg wechselte. Lange Jahre war er als OB-Fahrer tätig, seit einem Jahr ist er bei der Baurechtsbehörde. "Wir müssen alles dafür tun, dass die Menschen gesund bleiben, egal was sie tun." Schon die "kleinste Sache kann nützlich sein".