Ausstellung in Basel

Gladiatorenkämpfe waren mehr als ein reines Gemetzel zum Vergnügen des Pöbels

Dominique Spirgi

Von Dominique Spirgi (sda)

Sa, 21. September 2019 um 19:05 Uhr

Basel

Eine Sonderausstellung im Basler Antikenmuseum zeigt die römischen Gladiatoren aus einer neuen Perspektive. Helme, Schilder und Schienen zeigen, dass die Kämpfe mehr waren als ein blutiges Spektakel.

Das Antikenmuseum Basel vermittelt Einblicke in die "wahre Geschichte" der römischen Gladiatorenkämpfe. Dank der Kooperation mit dem Museo Archeologico Nazionale in Neapel kann die Ausstellung mit beeindruckenden Objekten aufwarten. Die prachtvoll verzierten Helme, Schilder, Bein- und Armschienen aus Bronze zeigen, dass Gladiatorenkämpfe im antiken Rom weit mehr waren als reines Gemetzel zum Vergnügen des Pöbels.

Das waren sie zwar auch, dienten aber darüber hinaus als Sinnbild für römische Tugenden wie Mut, Tapferkeit und Todesverachtung. Die Sonderausstellung präsentiert das Phänomen der Gladiatorenkämpfe aus einer neuen und umfassenden Perspektive und beleuchtet dessen rituelle, ethische, soziale und politische Aspekte. Die Ausstellung beginnt in Griechenland. Dort gehörten Einzelkämpfe zu Ehren von aristokratischen Verstorbenen zum Bestattungsritual.

Ursprung liegt bei den Totenfeiern

Auch in der römischen Welt waren die Gladiatorenkämpfe zunächst Bestandteil der Totenfeiern, entwickelten sich jedoch später mit der Errichtung der Amphitheater zu regelrechten Spektakeln, durch die der Veranstalter die Gunst des Volkes für sich gewinnen wollte. Schätzungsweise starb jedoch nur jeder zehnte Gladiator in der Arena. Viel häufiger endete der Kampf mit der Aufgabe des Unterliegenden. Dann kam es zum Akt, der die Besonderheit römischer Gladiatorenkämpfe ist: Die Entscheidung über Leben und Tod.

Gladiatoren waren Kriegsgefangene, Sklaven, verurteilte Verbrecher, aber auch freie Männer aus den unteren sozialen Schichten. Sie waren gut umsorgte und hoch spezialisierte Kämpfer, die in der Arena wichtige römische Tugenden verkörperten und so vor dem versammelten Volk die römische "virtus", auf der die Römer ihre Macht aufgebaut hatten, veranschaulichten. Die Kämpfe hatten demnach eine Vorbildfunktion: Sie waren in erster Linie politische und moralische Botschaften und symbolische Abgrenzung von den Kräften des Bösen und den barbarischen Völkern.

Gladiator versus Tiger

In der Basler Ausstellung sind eine ganze Reihe Rüstungsteile zu sehen. Sie stammen vornehmlich aus dem Museo Archeologico Nazionale in Neapel, das Museum mit der wohl wichtigsten römischen Sammlung weltweit. Das Museum in Neapel hat für die gemeinsam konzipierte Ausstellung quasi das Tafelsilber aus der Gladiatoren-Sammlung als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Neben den Rüstungen und Waffen sind dies unter anderem ein imposantes Grabrelief und Wandmalereien aus Pompeji, auf denen Kampfszenen präsentiert werden. Auf diesen Kunstwerken ist zu sehen, dass in den Arenen nicht nur Zweikämpfe unter Männern stattfanden, sondern dass die Gladiatoren auch gegen Stiere oder Raubtiere antreten mussten. Davon zeugt unter anderem die Marmorstatue eines Tigers aus Rom.

Restauriertes Mosaik aus Augst zählt zu den Höhepunkten

Zu den Höhepunkten gehört ein Gladiatorenmosaik aus Augusta Raurica mit seinen detailgetreuen Darstellungen von Zweikämpfen. Der knapp sieben mal zehn Meter große Mosaikboden wurde 1961 bei Ausgrabungen in der Römerstadt, rund zehn Kilometer von Basel entfernt, entdeckt. Das kürzlich erst von Spezialisten aus Avenches umfassend restaurierte Mosaik wird nun das erste Mal seit seiner Freilegung als Ganzes der Öffentlichkeit präsentiert. Dani Suter, Leiter der Ausgrabungsstätte, sprach an der Presseführung am Freitag davon, dass mit der Zusammenarbeit mit dem Antikenmuseum ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen sei. Paolo Giulerini, Direktor des kooperierenden Museums in Neapel, bezeichnete die Ausstellungseröffnung gar als "Festtag".

Die Ausstellung richtet sich mit einem ambitioniert didaktischen Anspruch ans Publikum, wirklich die "wahre Geschichte" der Gladiatorenkämpfe und -rituale zu vermitteln. Sie tut dies aber in einem ästhetisch sehr ansprechenden Rahmen, ohne aufdringlich zu wirken. Für Hintergrundinformationen sorgt der Katalog zur Ausstellung, der im Eintrittspreis inbegriffen ist. Die nach Angaben des Basler Museumsdirektors Andrea Bignasca rund zwei Millionen Franken teure Schau ist vom 8. April in Neapel zu sehen.
Info

Gladiator. Die wahre Geschichte. Ausstellung im Antikenmuseum Basel, St. Alban-Graben 5. Bis 22. März 2020, Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag, jeweils 11 bis 17 Uhr, Donnerstag und Freitag, 11 bis 22 Uhr. www.antikenmuseumbasel.ch