Größte Gefahr für Kröten sind die Radler

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 19. September 2021

Freiburg

Der Möslepark in Freiburg wird für eine Million Euro umgestaltet, um ihn ökologisch aufzuwerten und Amphibien zu schützen.

Viele Jahre lang wurden Pläne entwickelt und in Absprache mit Experten immer wieder modifiziert, seit Anfang Juli nun wird im Möslepark im Freiburger Osten endlich gebaut. Die beiden Hauptziele der rund eine Million Euro teuren Arbeiten: Die dort lebenden Amphibien auf ihren Wanderungen besser zu schützen und den Park als ökologisches System aufzuwerten. Ob es klappt liegt vor allem am Verhalten der Radfahrer.

"Das Gute ist, dass alle jetzigen Veränderungen modular sind, so bleiben wir für zukünftige Themen und vielleicht notwendige Änderungen flexibel", sagt Matthias Heigold vom städtischen Garten- und Tiefbauamt, der gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Pliefke das Projekt Möslepark betreut.

Das Geld für die bis November dauernde Umgestaltung kommt aus mehreren Töpfen: Stadt und Freiburger Verkehrs-AG (VAG) steuern einen Teil bei, weil das Projekt als ökologischer Ausgleich für den Rotteckring-Umbau und das neue Rathaus Stühlinger gilt, zudem geben ein Stadtbahn-Förderprogramm des Bundes sowie das "Sonderprogramm des Landes zur Stärkung der biologischen Vielfalt" Zuschüsse.

Eines der Module sind sogenannte Amphibienschutzleitsysteme aus eigens für diesen Zweck geprüftem und zugelassenem Stahlbeton. 165 Meter solcher Amphibien- und Kleintierschutzleitsteine werden im Möslepark fest verbaut, damit Kröten und Frösche den Weg zu ihren Laichplätzen und zurück unbeschadet überstehen. Die Tiere können die Barrieren nicht überwinden und so nicht auf die für sie lebensgefährliche Straße gelangen. Stattdessen werden sie zu drei Querungsrinnen (mit Metall-Schutzgitter darüber) und den beiden knapp 17 Meter langen Stelztunneln im Park geleitet, die bereits 2018 angelegt worden sind und bisher nicht so gut angenommen werden.

Noch braucht man die temporären Zäune

"Bis jetzt haben sehr viele sehr engagierte Menschen zu den Wanderzeiten der Tiere temporäre Schutzzäune aufgestellt. Das ist ungeheuer personal- und wartungsintensiv", sagt Pliefke. Die neuen Bauten sollen auch diejenigen entlasten, die viele Wochen im Jahr stundenlang ehrenamtlich Kröten und Frösche aufsammeln und über die Straße tragen. Ganz obsolet werden die mobilen Zäune nicht: Entlang der neuen Waldseestraße, die am nördlichen Rand des Mösleparks parallel zur Höllentalbahn und am Möslestadion vorbeiführt, gibt es nach wie vor Abschnitte ohne das neue Leitsystem. Pliefke: "Wir mussten uns an vielen Stellen entscheiden, ob wir Bäume am Straßenrand stehenlassen oder sie entfernen und den Amphibienschutz einbauen."

Ein zweites Modul der derzeitigen Arbeiten ist die Verbesserung der Gewässersituation im Park. Der kleine und der große Wiedenbach schwellen bei Niederschlägen schnell stark an, trocknen in trockenen Sommern auch schnell aus. Wenn es gelingt, mehr Wasser im Park zu halten, profitierten davon Insekten, Amphibien und der "unglaublich hochwertige Baumbestand", so Pliefke. Deshalb wird der bestehende Teich vergrößert und vertieft. Zudem werden zwei Flutmulden angelegt, die wie kleine Teiche aussehen, in die bei starkem Regen das Wasser des großen Wiedenbachs geleitet wird, damit es nicht ungenutzt in die Dreisam fließt. Auch der Waldsee-Ablauf ist nun so gestaltet, dass abfließendes Wasser dem Ökosystem Park zugutekommt. Neben Kröten und Fröschen leben hier Salamander, Berg- und Fadenmolche, die seltene Wasserspitzmaus und viele Käferarten.

Das dritte Modul betrifft den Baumbestand. Vereinzelt wurden Bäume entfernt, um besonders großen und alten Exemplaren genug Raum zu geben. "Es handelt sich hier nicht um einen Wald, in dem wir wild wachsen lassen können, sondern um eine Parkanlage, in der wir auch für die Sicherheit der Nutzer zuständig sind", sagt Heigold.

32 Bäume werden neu gepflanzt

Es werden aber auch 32 Bäume neu gepflanzt: Rot- und Hainbuchen, Stieleichen, Feldahorn, Winterlinden, Trauben- und Vogelkirschen sowie Weißdorn – der Großteil am Rand der alten Waldseestraße, die am südlichen Parkrand für den gesamten Verkehr gesperrt worden ist. Lediglich Fußgänger und Forstfahrzeuge dürfen den Abschnitt noch nutzen. Um das auch optisch klarzumachen, ist die einst 5,30 Meter breite Straße zum 3,50-Meter-Weg zurückgebaut worden, das Ufer des zwischen Weg und Waldsee plätschernden Bächleins soll verbreitert und zur bunten Blumenwiese werden.

Die Umwidmung dieses Stücks alter Waldseestraße ist für Gisela Friederich der Knackpunkt, der über das Gelingen des Amphibienschutzes im Möslepark entscheiden wird. "Wenn wir es nicht schaffen, die Radfahrer davon abzuhalten, illegal hier durchzufahren, war alles umsonst", sagt die Naturschützerin, die sich mit einer Gruppe des Naturschutzbundes Nabu seit mehr als 30 Jahren um die Amphibien am Waldsee kümmert. Viele der nun umgesetzten Veränderungen gehen auch auf Impulse Friederichs zurück. Dass endlich etwas passiere, sei dringend notwendig, weil der Bestand der Kröten und Frösche aktuell stark gefährdet sei: "In guten Zeiten haben wir rund 2200 Krötenpaare gezählt, dieses Jahr waren es 350, bei den Fröschen sieht es noch schlimmer aus."

Dass Radfahrer den oft nur wenige Millimeter großen Nachwuchs versehentlich überführen, dürfe man nicht länger hinnehmen. Abhilfe könnten regelmäßige Verkehrskontrollen schaffen, da die Hinweisschilder allein nicht ausreichten. "Es würde ja schon genügen, wenn man sein Rad schiebt und die Augen offenhält, aber dort steigt doch niemand ab", sagt Gisela Friederichs.