Erinnerung

Im Oktober werden in Schopfheim die ersten acht Stolpersteine verlegt

Paul Eischet

Von Paul Eischet

Fr, 11. Juni 2021 um 06:02 Uhr

Schopfheim

Die ersten acht Namen, an die in Schopfheim mit Stolpersteinen erinnert werden soll, stehen fest. Für die Pflege der Steine, die im Oktober verlegt werden, werden noch Paten gesucht.

Im Oktober werden in Schopfheim acht Stolpersteine verlegt. Bei einem Treffen im Saal des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses informierten Marianne Merschhemke, Ingeborg Teipel und Andrea Menne von der Initiative "Stolpersteine Wiesental" über das anstehende Projekt. Sie gaben die Namen der von den Nationalsozialisten getöteten oder vertriebenen Opfer bekannt, in deren Gedenken die Steine verlegt werden.

Die Bezeichnung mag irritieren: Stolpersteine sind keineswegs dazu gedacht, Passanten ins Straucheln zu bringen. Sie sind ein Projekt des in Berlin geborenen Künstlers Gunter Demnig. Die ebenerdig in Gehwege eingelassenen und an ihrer Oberseite mit einem beschrifteten Messingschild versehenen quadratischen Steine sollen an Menschen erinnern, die in der NS-Zeit verfolgt, vertrieben, deportiert oder ermordet wurden.

Der erste Stolperstein wurde im Dezember 1992 vor dem Kölner Rathaus in den Boden gebracht. Mittlerweile sind die mit knapp zehn Zentimeter Kantenlänge eher kleinen Gedenktafeln fast überall in Europa zu finden. In ihrer Gesamtheit gelten die Stolpersteine als weltweit größtes nichtzentrales Mahnmal. Und ständig kommen neue hinzu – erstmalig nun auch in Schopfheim.

Marianne Merschhemke ruft die Initiative ins Leben

Als die Ärztin und Schopfheimer Stadträtin Marianne Merschhemke vor sechs Jahren in die Wallstraße 5 zog, erfuhr sie vom erschütternden Schicksal von drei jüdischen Familien, die einst in diesem Haus lebten. Für sie war klar: Das Schicksal dieser und anderer Menschen soll nicht in Vergessenheit geraten. Das Kunstprojekt Stolpersteine erschien ihr als geeignetes Mittel. Im Januar 2021 rief sie die Initiative "Stolpersteine Wiesental" ins Leben.

Die Verlegung der ersten Stolpersteine in Schopfheim ist für die Initiative eine Premiere. Ingeborg Teipel und Andrea Menne berichteten über ihre intensiv betriebenen Recherchen. Dafür waren sie nach Ihringen und Breisach gereist. In der Bibliothek und der Dauerausstellung im Breisacher Blauen-Haus erforschten sie jüdische Familiengeschichten, darunter jene der auf den Schopfheimer Stolpersteinen benannten NS-Opfer. Sie fanden heraus, dass sechs der acht betroffenen Personen im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion, bei der mehr als 6500 Juden aus Baden in das französische Internierungslager Gurs verbracht wurden, am 22. Oktober 1940 in einer Nacht- und Nebelaktion die Breisacher Brücke passierten.

Verlegung erster Stolpersteine im Oktober in der Wallstraße

Die Verlegung der Stolpersteine findet am 20. Oktober 2021 um 9 Uhr vor dem Eingang Wallstraße 5 statt. "Es ist ein Mittwoch und Markttag", sagte Merschhemke. "Wir hoffen, dass die Stadt dann sehr belebt ist und viele Menschen bei uns vorbeischauen. Wir wollen aus der Verlegung eine kleine Zeremonie machen, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden." Eingeladen wurde Landesrabbiner Moshe Flomenmann aus Lörrach. Am Abend zuvor wird der Künstler Gunter Demnig einen Vortrag über sein Stolperstein-Projekt halten. Die Verlegung der Steine am Folgetag geschieht unter seiner Anleitung.

Die acht Stolpersteine in der Wallstraße werden folgende Namen aufweisen: Bella Auerbacher, Samuel Braunschweig, Friederike Braunschweig, Samuel Moses, Klara Weil (sie alle wurden 1942 im KZ Auschwitz ermordet), Salomon Weil (ermordet 1943 im KZ Majdanek), Wilhelm Auerbacher und Melitta Auerbacher (beide gingen 1940 ins Exil in die USA, wo sie auch verstarben).

Initiative hat eine Spendensammlung gestartet

Für die Sauberhaltung und Pflege der Stolpersteine werden noch Paten gesucht. Zudem ist die Initiative auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Jeder Stolperstein kostet 120 Euro. Laut Merschhemke werden auch das Rahmenprogramm, die Unterbringung anreisender Nachfahren der Opfer sowie eine zentrale Unterbringung des zusammengetragenen Archivmaterials erhebliche Kosten verursachen. Deshalb hat die Initiative nun eine Spendensammlung gestartet. Nach Aussage von Franz Brandl hat die Stadt Schopfheim ihre Unterstützung bei den Formalien bereits zugesagt. Brandl betonte, dass im Interesse einer zügigen Bearbeitung alle Spender gebeten werden, als Verwendungszweck "Spende Verlegung Stolpersteine" anzugeben.

Spendenkonten: Sparkasse Wiesental, IBAN: DE47 6835 1557 0003 0000 98;

VR Bank eG Schopfheim, IBAN: DE14 6839 1500 0006 0417 01