Fleißige Bienchen

Imkerei: Wie Honig in Freiburg entsteht

Sven Meyer

Von Sven Meyer

So, 27. September 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Bis zum Honig ist es ein weiter Weg: Besuch bei den Freiburger Hobbyimkern am Rande des Stadtteils Lehen.

Es summt und brummt auf dem Vereinsgelände des 1866 gegründeten Imkervereins Freiburg am Rande des Stadtteils Lehen. Imkern hat sich seit einigen Jahren zum regelrechten Volkssport entwickelt – Tendenz steigend.
Die Freiburger Hobbyimker bilden den größten Ortsverein im badischen Landesverband. Sein Einzugsgebiet reicht vom Kaiserstuhl über das Markgräflerland und Freiburg bis ins Dreisamtal. Die derzeit 400 Mitglieder halten zusammen über 3100 Bienenvölker. Eine relativ neue Entwicklung ist das sogenannte "Urban Bekeeping", die Bienenhaltung in der Stadt. Viel Platz braucht es dafür nicht. Die Anschaffungskosten für die Grundausrüstung belaufen sich auf rund 1200 Euro.

Imker aus Tradition

"Das Leben der Bienen ist unglaublich faszinierend. Ein Bienenvolk ist ein eigenständiger Organismus. Es ist unglaublich, was diese kleinen Insekten leisten", erzählt Martin Homburger, der Vorsitzende. Der 58-Jährige aus der Gemeinde Feldberg hat das Imkern gewissermaßen im Blut. Schon sein Opa war Imker. Aktuell hält er sich auf seinem Hof 22 Bienenvölker, die pro Volk einen Ertrag von bis 30 Kilo Honig im Jahr produzieren.

Ein Bienenvolk besteht im Sommer aus bis zu 50 000 Bienen, im Winter noch ein Zehntel davon. Im Zentrum steht die Königin. Sie wird permanent von einem Heer von Arbeiterinnen umsorgt, dem in der Imkersprache bezeichneten Hofstaat. Dafür sorgt sie kontinuierlich für Nachwuchs. Pro Tag legt sie bis zu 2000 Eier. Dies erfordert eine energiereiche und vor allem eiweißreiche Nahrung. Um diese Schwerstarbeit leisten zu können, wird sie von anderen Bienen unter anderem mit einem speziellen Futtersaft, dem Gelée Royal, gefüttert. Die Königin kann als einzige ihres Volkes einige Jahre alt werden.

2020 ist ein gutes Bienenjahr

Das Jahr 2020 sei ein sehr gutes Bienenjahr sagt Homburger. Die warmen Temperaturen, bei denen sich Bienen wohl fühlen, hätten früh eingesetzt und Futterlage sei überdurchschnittlich gut, da im Südwesten, die Hitzewellen diesmal vergleichsweise kurz ausfielen. Los geht die Nektarsuche meistens im April oder sobald die Temperaturen stabil über 12 Grad liegen. Das Futterrevier der Bienen umfasst einen Umkreis bis zu fünf Kilometern rund um den Bienenstock. Mit ihren winzigen Rüsseln saugen die Sammelbienen den Blütennektar auf und transportieren ihn zum Stock, wo die Stockbienen ihn weiterverarbeiten.

"Die Honigbienen sind sehr blütentreu und fliegen in der Regel nur eine Blütensorte in ihrem Fluggebiet an, bis diese abgeerntet ist. Dafür legen sie täglich bis zu zehn Kilometer zurück", erklärt der Hobbyimker. Bis die Nektarblase genannte Vorratskammer voll ist, fliegt das fleißige Insekt etwa bis zu 200 Blüten an. Die winzigen Hochleistungsnutztiere fristen nur ein sehr kurzes Dasein und leben im Sommer nicht länger als sechs Wochen, in denen sie sich voll und ganz in den Dienst ihres Volkes stellen.

Einsatz in Obstplantagen

Als praktischen und für die Natur elementaren Nebeneffekt bestäuben die Honigbienen gleichzeitig die Pflanzen, die sie besuchen, da die winzigen Pollenpartikel an der Körperbehaarung der Insekten haften bleiben. "Gezielt werden Bienen zum Beispiel in Obstplantagen eingesetzt", erklärt der Vorsitzende des Imkervereins.

Sind die Honigwaben im Bienenstock gefüllt, holt der Imker sie raus. Wichtig: Die Waben müssen mit einer dünnen Wachsschicht überzogen sein. Die Erntezeit für den Imker beginnt in der Regel im Mai. Die Gewinnung des Honigs aus den Waben, die gefüllt etwa zwei Kilogramm wiegen, erfolgt dann in einem geschlossenen, trockenen und geruchsfreien Raum. Denn die zähflüssige Masse nimmt leicht Gerüche an und zieht das Wasser aus der Luft. Honig darf maximal 21 Prozent Wassergehalt aufweisen. Diesen Wert erreicht der Honig in der Wabe. Die Bienen unterstützen den Verdunstungsvorgang mit bewusstem schnellen Flügelschlagen und geben zudem spezielle Enzyme durch ihren Speichel ab, so dass er seine typische Konsistenz erreicht.

Mit einer einfachen Maschine erfolgt dann durch den Imker das Honigschleudern, das den entscheidenden Schritt in der Honiggewinnung darstellt. Danach wird er in Gläser abgefüllt. "Viel mehr passiert bei der Honiggewinnung nicht. Es ist ein echtes Naturprodukt, das regionaler kaum sein könnte", schwärmt Homburger. Da der Honig eigentlich das Winterfutter der Bienen ist, sorgt der Imker in Form von Zuckerwasser für Ersatz in kalten Monaten.

Honigverordnung

Die deutsche Honigverordnung gibt vor, wie der Honig sein muss. Ob der Imker ihn nun Tannenhonig oder beispielsweise Lindenhonig nennen darf, bestimmt die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Um reiner Sortenhonig zu sein, müssen mindestens 60 Prozent einer bestimmten Blütensorte zugeordnet werden können.

So erfüllend das Imkerhobby ist, ein kleines Manko gibt es doch: "Jedes Jahr werde ich trotz Schutzkleidung sicher 50 bis 60 Mal von Bienen gestochen, aber daran gewöhnt man sich", sagt Homburger, "und den Sommerurlaub verbringt man meistens am Bienenstand."
Infos zu Kursen und dem Verein gibt es unter:
http://www.imkerverein-freiburg.de