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Käse und Kosmetik: Eine dufte Idee

Anita Fertl

Von Anita Fertl

So, 07. Juni 2020 um 07:00 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag Martin Braun vom Hinterzartener Ospelehof zeigte sich findig im besten Sinn mit einer duften Idee – und gründete eine Hofkäserei samt Naturkosmetiklabor.

Schwarzwälder sind Schaffer und Macher, haben sich schon seit jeher mit viel Einfallsreichtum das nötige Zubrot zur Landwirtschaft verdient. Ein gutes Beispiel ist der Betrieb von Familie Braun auf dem Ospelehof. Dieser steht im Ortsteil Windeck, etwa einen Kilometer vom Hinterzartener Zentrum entfernt, leicht erhöht in bester Aussichtslage. Mit Hühnern, Hund und seinen 15 wuscheligen, trotz großer Hörner gutmütigen Hochlandrindern, die friedlich ums Haus und den offenen, von Braun selbstgebauten Stall grasen, wäre der stattliche Schwarzwaldhof die perfekte Vorlage für jedes Bauernhofbilderbuch. Seit 1901 befindet sich der Hof schon in Familienbesitz.

Die Idee kam beim Joggen

Damit das so bleibt, suchten Martin und Jutta Braun nach der Hofübernahme 1989 ein tragfähiges Geschäftsmodell. Gefunden haben sie eines, das sofort in die Nase steigt, wenn man ins Haus tritt und den Flur entlang zu einem speziellen Raum geht. Dort, in der Käseküche, steht Martin Braun und rührt wie ein Magier in einem großen Kupferkessel, in den jährlich 25 000 Liter Milch wandern, erwärmt und zu Käse verarbeitet werden. "Mir ist die Idee beim Joggen gekommen. Wir sind ein sehr kleiner Betrieb, da musst du dir was einfallen lassen", sagt Braun. Käsereien habe es damals noch keine gegeben, und auch die Lage des Hofs sei perfekt.

So wurde aus dem gelernten Elektriker, Maschinenbaustudenten, Jungbauern und Gelegenheitszimmerer schließlich nach Feierabend ein Käser – anfangs mit überschaubarem Erfolg. "Die ersten zwei Jahre waren ziemlich hart, bis mal das Käsen an sich geklappt hat." Damals gab es noch keine Käsekurse, also hat er sich das Wissen angelesen, alles ausprobiert. "Wenn du neu im Thema bist, weißt du gar nicht, wo der Fehler hängt, da gibt es so viele Faktoren, die reinspielen: Ist beim Melken irgendwas schief gelaufen, am Kessel, Salzbad, im Reifekeller?", zählt Braun auf. Ob er je daran gedacht hat, aufzugeben? Braun schüttelt den Kopf. "Ne, es war klar, dass wir das machen, dann muss man das halt durchziehen." Mit Erfolg: Heute sitzt die Käseproduktion, läuft wie am Schnürchen, und im Reifekeller lagern Brauns Schätze bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 90 und 95 Prozent, Laib an Laib:

Aromatischer Schnittkäse im Hofladen

Da ist der Schnittkäse, der so würzig und aromatisch ist, dass er auch prima als Raclette-Käse taugt.

Etwa drei Monate lagert er im Reifekeller und wird gepflegt. Den Schnittkäse gibt es auch noch in Varianten mit Knoblauch, Pfeffer, Chili und Bärlauch – Letzteren sammelt Brauns Vater Hermann in Frühjahr, dann wird der Bärlauch getrocknet und das Jahr durch verwendet. Außerdem stellt Braun noch Bergkäse her, der mindestens sechs Monate lagert.

Als weiteres Standbein baute Martin Braun eigenhändig den ehemaligen Stall zum Highlander-Stüble für Raclette-Abende um. Dort bewirtet Ehefrau Jutta außerdem Gäste nach einer Hofbesichtigung mit Bauernbüfetts. Zusätzlich setzen die Brauns auf Direktvermarktung und verkaufen ihren Käse – auch Weich- und Frischkäse – sowie Eier, Schinken und einiges mehr im Hofladen.

Vom Käse zur Kosmetik

Schließlich war es eine Kundin, die den Brauns ein weiteres Standbein bescherte. Sie erzählte im Laden, dass sie ihre Kosmetik selbst herstelle – aus Molke. Zwar hatten die Brauns ihre Molke, die als – wenn auch äußerst protein- und vitaminreiches – Abfallprodukt bei der Käseherstellung zurückbleibt, schon lange als Badezusatz für weiche und sanfte Haut benutzt.

Dank des Denkanstoßes verfiel Braun wieder in den abendlichen Experimentiermodus und machte Kosmetik im Eigenversuch. "Das hat viel besser geklappt als das Käsemachen am Anfang", sagt Braun und schmunzelt. Anschließend suchte er Fachleute, die das Vorhaben begleiteten, und optimierte so die Prozesse und Rezepturen. So gibt es im Hofladen und im Onlineshop nun auch noch Naturkosmetik zu kaufen in Form von Körperlotionen, Tages-, Nacht- und Handcreme oder auch Naturshampoo.
Ospelehof, Windeck 2, Hinterzarten, Tel.: 07652/5482, Hofladen geöffnet Di bis Sa 10 bis 13 Uhr sowie Di bis Fr 15 bis 17 Uhr. Außerdem haben die Brauns einen Stand auf dem Bauernmarkt in Hinterzarten, freitags von 8 bis 12 Uhr.

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