Kurvenlärm an der S-Bahn

KOMMENTAR: Jetzt müssen Lösungen her

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Mi, 07. Oktober 2020

Riegel

Niemand erwarte, dass Züge geräuschlos sind, betont Anwohner Michael Geis. Nach knapp einem Jahr neue Breisgau-S-Bahn bleibt festzuhalten: Man hat vieles erwartet in Sachen Öffentlicher Schienennahverkehr – aber nicht so. Erst der klassische Fehlstart mit dem ambitionierten Fahrplan, der letztlich auch an der Technik scheiterte, jetzt massive Klagen über Schienenlärm, dazu wiederholt Fahrzeugausfälle, die in Zeiten von Corona für Gedränge in den Zügen sorgen – eine Erfolgsgeschichte liest sich anders. Die Bemühungen um mehr Verlässlichkeit im Fahrplan zeigen Wirkung. Die Pünktlichkeit hat sich erheblich verbessert, doch die Nagelprobe steht mit der Rückkehr zum ursprünglich geplanten Fahrbetrieb ohne Umsteigen noch aus. All das hat viel Vertrauen und Fahrgäste gekostet. Umso wichtiger ist, dass alle, die am Bahnbetrieb beteiligt und dafür verantwortlich sind, beim Thema Schienenlärm wirklich ernst machen und Lösungen finden. Dass die Verursacher dieses Problems letztlich in Stuttgart sitzen, ändert daran nichts. Welche Probleme beim Einsatz bestimmter Eisenbahntechnik entstehen, war seit Jahren bekannt. Dennoch zog man beim Land nur halbherzig Lehren aus den Erkenntnissen bei der Münstertalbahn, anstatt mit Blick auf das bekannte Kurvenlärm-Problem konsequentere fahrzeugtechnische Vorgaben zu machen. Nun sind die Fahrzeuge da, oder im Anrollen wie die Talent 3-Züge der SWEG. Bleibt also wohl nur die zweit- oder drittbeste Lösung, wie schon der Gutachter der TU Berlin vor Jahren resümierte. Aber die dann bitte schnell und konsequent. Und vielleicht lohnt sich ja bei der Frage Wasser oder Schmiermittel auch ein Blick in die Eisenbahn-Nation Schweiz.