Gelungene Ehrenrettung im Jubiläumsjahr

Juliana-Eiland-Jung

Von Juliana-Eiland-Jung

Sa, 23. März 2019

Lahr

Das Clara-Schumann-Gymnasium ehrt seine Namensgeberin durch ein Konzert mit Werken wenig bekannter Komponistinnen.

LAHR. Mit einer Veranstaltungsreihe feiert das Clara-Schumann-Gymnasium in Lahr den 200. Geburtstag ihrer Namensgeberin. Den Auftakt machte am Donnerstagnachmittag ein Konzert von Kyra Steckeweh mit Werken von Komponistinnen, die – wie Clara Schumann – viel zu selten gespielt werden.

Die 1984 geborene Pianistin Kyra Steckeweh hatte bei der Vorbereitung von Konzertprogrammen bemerkt, dass fast nie Werke von Komponistinnen gespielt werden. Sie fing an zu recherchieren, stieß auf universitäre Forschungsprojekte zum Thema, wie das Portal "Musik und Gender im Internet" der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sie forschte in Musikbibliotheken und besuchte die – zumeist ebenfalls weiblichen – Nachlassverwalterinnen von Komponistinnen wie Lilli und Nadia Boulanger, Morfydd Owen, Mel Bonis und Emilie Mayer. Dabei half sicher, dass Steckeweh nicht nur Klavier, Instrumentalpädagogik und Schulmusik studiert hat, sondern auch Geschichte.

Klassische Musik abseits ausgetretener Pfade

Zusammen mit dem Berliner Filmemacher Tim van Beveren entstand aus den Recherchen ein Dokumentarfilm über Leben und Werk dieser Autorinnen, der im Anschluss an das Konzert gezeigt wurde – vor überschaubarer Publikumskulisse. Konzert und Film hätten mehr Besucher verdient gehabt. Klassische Musik abseits ausgetretener Pfaden, unprätentiös zugänglich gemacht mit kurzen Einführungen und hervorragend interpretiert – das wird nicht oft geboten. Der Film läuft derzeit immer wieder in Programmkinos.

In ihrem rund einstündigen Konzert machte Steckeweh neugierig auf ihr Forschungsgebiet. In Frankreich sind die beiden Schwestern Lili (1893-1918) und Nadia (1887-1979) Boulanger weitaus bekannter als in Deutschland. Sechs kurze Stücke, alle komponiert kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zeigen die große Bandbreite der kompositorischen Mittel der Beiden. Die chronisch kranke Lili Boulanger hatte als erste Frau 1913 den Grand Prix de Rome gewonnen, verbunden mit einem Jahresstipendium in der Villa Medici in Rom. Die betriebsame Großstadt Rom scheint auf, kontrastiert von atmosphärischen Klanggebilden, die einen dunklen, verwunschenen alten und einen hellen, frühlingshaften, heiteren Garten vor dem inneren Auge der Zuhörer entstehen lassen. Zum Schluss wird es gar jazzig und swingend. In großem Kontrast dazu ein "Prélude" der walisischen Komponistin Morfydd Owen (1891-1918), geschrieben am 1. Oktober 1914. Die linke Hand gibt düstere Glockenschläge vor, das Ende klingt unendlich traurig aus. Die musikalisch porträtierten Komponistinnen standen in regem Austausch mit ihren männlichen Zeitgenossen, wurden beeinflusst und beeinflussten diese. Sie gehörten Künstlerkreisen an, von denen oft nur die Kompositionen der männlichen Mitglieder ins klassische Repertoire Eingang fanden. Das sollte sich unbedingt ändern.