Lahr

In städtischen Kantinen soll es künftig auch veganes Essen geben

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Sa, 07. Dezember 2019 um 10:45 Uhr

Lahr

Die Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen: In Zukunft soll stärker darauf geachtet werden, dass Lebensmittel und Verpflegung in städtischen Einrichtungen von regionalen Herstellern stammen.

Einstimmig sprach sich der Umweltausschuss am Donnerstag dafür aus, die Beschaffungsregeln der Stadt, die bisher schon eine ganze Reihe nachhaltiger und sozialer Vorgaben beinhalten, zu ergänzen. Die von der Verwaltung vorgelegten Punkte – eine Negativliste von Produkten, die künftig zu vermeiden sind − wird als Empfehlung an den Gemeinderat zur Entscheidung gegeben. Zu diesen Punkten neu aufgenommen wurde, ebenfalls einstimmig, dass bei der Beschaffung von Lebensmitteln und für die Verpflegung bevorzugt regionale Produkte einzukaufen sind. Für die Mahlzeiten soll zudem eine vegane Option ausgeschrieben werden. Letzteres war der Vorschlag von Jürgen Durke (Linke Liste & Tierschutzpartei), dessen Antrag bei acht Zustimmungen, einer Ablehnung und drei Enthaltungen eine große Mehrheit fand.

"Wir können mit bestimmten Produkten Umweltbelastungen vermeiden, Ressourcen einsparen und gesundheitliche Gefährdungen verringern." Manfred Kaiser
Manfred Kaiser, der Umweltbeauftragte der Stadt, erläuterte zunächst, dass der öffentlichen Hand mit ihrem Beschaffungswesen eine Leitfunktion bei der Vermeidung und Verringerung von Umwelt- und Klimabelastungen zukomme. "Wir können mit bestimmten Produkten Umweltbelastungen vermeiden, Ressourcen einsparen und gesundheitliche Gefährdungen verringern." Die Stadt habe in den vergangenen Jahren ihren Kriterienkatalog in Richtung nachhaltiger und sozialer Produkte erweitert und wolle jetzt einen nächsten Schritt tun.

In der Vorlage für den Ausschuss hatte Kaiser die schon bestehenden Beschlüsse zur Beschaffung von Produkten durch die Stadt aufgelistet. Darunter fällt zum Beispiel die Vermeidung von Tropenholz (aus dem Jahr 1993), die Vermeidung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, die Verwendung von Recycling-Papier, der Bezug von 100 Prozent qualifiziertem Ökostrom oder die Vorgabe, dass bei der Verpflegung in städtischen Einrichtungen mindestens eine Komponente in Bioqualität und eine mit Fairtrade-Siegel angeboten werden soll. Kaiser: "Bei der Durchsicht der alten Vorgaben haben wir entdeckt, dass es Lücken gibt und neue Produkte aufgetaucht sind."

Mitarbeiter könnten geschult werden

Rebecca Bohnert (Grüne) wollte wissen, wie die Umsetzung geprüft werde. Laut Bürgermeister Tilman Petters werden die Vorgaben mit den Amtsleitern abgesprochen: "Wir gehen davon aus, dass die Mitarbeiter Dienstanweisungen befolgen." Manfred Kaiser fügte hinzu, dass auch an Mitarbeiterschulungen gedacht sei. Harald Günther (CDU) bemängelte, dass durchweg die Forderung nach Regionalität fehle. Zur geforderten E-Mobilität fehlen ihm die Alternativen. Besser sei es, die Forderung als CO2-neutrale Antriebe zu formulieren. Und schließlich: "Wer Ölheizungen verbietet, muss auch Gas verbieten."

Auf die letzten beiden Punkte antwortete Manfred Kaiser, Wasserstoff sei derzeit wirtschaftlich noch nicht konkurrenzfähig. Gas könne man in einem nächsten Schritt ausschließen, "aber derzeit können wir das noch nicht." Bürgermeister Petters sagte zum Punkt Regionalität, dass dies im vergangenen Jahr schon aufgenommen worden sei. "Wenn der Wunsch besteht, können wir es aber nochmals aufnehmen." So kam es denn auch, als mehrere weitere Räte dies forderten.
Beschaffungsregeln

Bei Beschaffungen durch die Stadt sollen künftig unter anderem folgende Produkte und Produktbestandteile vermieden werden: Kaffeemaschinen, die mit Portionsverpackungen arbeiten; Getränkeautomaten ohne Mehrwegbecher-Funktion; Getränke in Einwegverpackungen; Einweggeschirr und Einwegbesteck; Wasch- und Reinigungsmittel mit Mikroplastikanteilen; Gas-Heizpilze und Elektrostrahler für außen; Holz- und Holzprodukte, die nicht zertifiziert sind; Pestizide für öffentliche Grün- und Freiflächen; Erde mit Torf; Ölheizungen.