Tierquälerei

Lahrer Tierheim findet einen misshandelten Wildvogel, der später stirbt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 18. Februar 2020 um 14:13 Uhr

Lahr

Das Lahrer Tierheim berichtet in einer Pressemitteilung von der Misshandlung eines Greifvogels und sucht Zeugen für den Vorfall. Das Tier ist trotz der sofortigen Behandlung gestorben.

Das Tierheim in Lahr erhielt am Dienstag, 11. Februar, einen Anruf einer Frau, die in ihrem Innenhof in der Kaiserstraße einen verletzten Greifvogel entdeckt hatte. Eine Mitarbeiterin des Tierschutzvereines fand vor Ort einen Sperber, der derart erschöpft gewesen sei, dass er sich mühelos und ohne Gegenwehr einfangen ließ. Bei der ersten Begutachtung sei ihr gleich das spitz hervorstehende Brustbein aufgefallen, das bei Vögeln ein Zeichen von starkem Untergewicht sei.

Die Gründe für sie starke Abmagerung seien auch ohne umfassende tierärztliche Diagnostik auf der Hand gelegen, heißt es weiter. Auf den Handschwingen hätten auffallend viele Federn gefehlt, so dass es dem Vogel unmöglich gewesen sei, seine Flügel zu benutzen. Die Krallen seien nur wenige Millimeter kurz und somit völlig nutzlos gewesen. Dafür war der Schnabel laut dem Bericht viel zu lang, so dass sich der Oberschnabel mit dem Unterschnabel verkeilte und kaum einen Spalt zu öffnen war. Sofort wurde das notleidende Tier in eine Tierklinik gebracht.

Federn wurden von Menschenhand ausgerissen

Die Tierärztin stellte laut Tierheim fest, dass die Federn von Menschenhand ausgerissen worden waren. Auch die Krallen seien offensichtlich mit einem Werkzeug gekappt worden. Einen geschützten Wildvogel flugunfähig zu machen und seine Krallen zu kappen, ist gemäß dem Veterinäramt eine Straftat. Zudem ist das Herausreißen von Federn für alle Vögel mit Schmerzen verbunden, schreibt das Tierheim, und lasse sich mit dem büschelweise Herausreißen von Haaren vergleichen.

Der krumme und zu lange Schnabel musste von der Tierärztin gekürzt werden. Diese Fehlbildung ist ein Hinweis auf langanhaltende fehlerhafte Fütterung, heißt es weiter. Nachdem auch ein übelriechender Belag in der Schnabelhöhle und im Rachen, der dem Vogel das Atmen erschwerte, entfernt wurde, konnten die Tierschützer den Sperber zum Fressen animieren. Der Sperber sollte am nächsten Tag in die Obhut eines Greifvogelexperten übergeben werden, um die optimale Versorgung und Unterbringung bis zur Auswilderung zu gewährleisten. Doch die Schäden, die das Tier erlitten hatte, seien zu schwerwiegend gewesen. Der Sperber ist gestorben.

Verstöße gegen das Tierschutzgesetz

Wie der Greifvogel in seinem Zustand an den Fundort gelangen konnte und wer ihm dieses Leid angetan hat, ist laut Tierheim bislang noch nicht geklärt. Die Haltung von Greifvögeln sei mit vielen Auflagen verbunden, gegen die in diesem Fall dramatisch verstoßen worden sei. Außerdem untersage das Tierschutzgesetz die Verstümmelung von geschützten Wildvögeln.

Das Tierheim sucht deshalb Zeugen, die Hinweise zur Herkunft dieses Sperbers geben können. Das zuständige Veterinäramt in Offenburg wurde eingeschaltet, sowie Polizei, Jagd- und Naturschutzbehörden ebenfalls informiert.