Progrock aus dem Harz in Lahr

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Do, 04. Juli 2019

Lahr

Mau, Schnella und Lehmann.

LAHR. Wo sind die regionalen Progrock-Fans, wenn man sie braucht? Vielleicht am Baggersee, vielleicht vor dem Fernseher mit Frauenfußball – aber nur rund 20 von ihnen fanden am Samstagabend den Weg in den Lahrer Stiftsschaffneikeller, wo auf Einladung des Kulturkreises Melanie Mau (Gesang), Martin Schnella (Gitarren) und Lars Lehmann (Bass) ein rund zweistündiges Konzert gaben.

Mau und Schnella kommen aus dem Harz, special guest Lars Lehmann aus Hannover. Im Schwarzwald waren sie noch nie. Aber ihre Fans hat die Formation, die – in größerer Besetzung – unter "Gray Matters" firmiert, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA und in Polen. Deshalb sind auch viele Eigenkompositionen in amerikanischem Englisch getextet und fügen sich in die Covers, die den Hauptteil des zweistündigen Konzertes ausmachten, nahtlos ein. Aus dem Rahmen fallen Vertonungen von Sagen aus dem Harz, wie die nicht ganz ernst gemeinte Rockballade über "Die Zwerge vom Iberg". Doch auch das passt musikalisch in den Stil der Band, der geprägt ist von melodiösem Rock, Klassikeinflüssen, irische Folkmusik und Country. Hits von Genesis (Land of Confusion), John Farnham (You’re the Voice), REO Speedwagon (Can’t Fight This Feeling) werden (fast) akustisch gecovert. Die Konstellation ist ungewöhnlich. Lars Lehmann und Martin Schnella flankieren mit begeisterndem, virtuosen Bass- und Gitarrespiel Sängerin Melanie Mau, deren tiefes Timbre und sichere Intonation überzeugen, die jedoch vor allem in der ersten Hälfte des Konzerts mit so viel Druck singt, als ob sie eine Open-Air-Veranstaltung zu bestreiten hätte. Häufig stimmt Martin Schnella mit ein, oft in der oberen Lage, schön und gefühlig.

Viele der eigenen und der gecoverten Songs eher von der romantischen Sorte, wie "Zieh mit dem Wind", das einem verstorbenen Freund gewidmet ist. Neben dem Gesang spielt das zweistimmige Gitarrenspiel eine wichtige Rolle. Lars Lehmann, viel gefragter Bassist, Basslehrer, Fachjournalist, und Martin Schnella, der in verschiedenen Progrock-Formationen (Flaming Row, Seven Steps to the green door) spielt, ergänzen sich perfekt. Die Mischung aus härteren Riffs und feinstem Fingerpicking überzeugt. Mehrfach gönnen die beiden dem Publikum Duette wie in der Komposition von Melanie Mau "My Dear Children". Das Publikum war begeistert und bekam drei Zugaben mit auf den Heimweg.