Interview

Michael Paul schreibt ein Buch über den früheren Roth-Händle-Direktor Ernst Feist – und sucht Zeitzeugen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mi, 15. September 2021 um 09:00 Uhr

Lahr

Der Lahrer Autor sucht Zeitzeugen für sein geplantes Buch über Ernst Feist, der 1937 in die USA auswandern musste und nach dem Krieg zeitweise wieder in Lahr lebte.

BZ: Herr Paul, wie sind Sie auf Ernst Feist aufmerksam geworden?
Michael Paul: Als Autor ist man immer auch ein wenig Trüffelschwein. Als ich bei der Stolpersteinverlegung für die Familie Feist im Zeit-Areal dabei war, fand ich die Informationen über sein Leben so spannend, dass ich sofort bei Norbert Klein vom Historischen Verein Mittelbaden nachgefragt habe. Die Geschichte der Flucht vor den Nazis ist unglaublich, und die Verbindungen von Feist zu Philipp Reemtsma machten mich noch neugieriger. Ich muss aufpassen, dass ich bei der Recherche nicht zu tief einsteige, so sehr faszinieren mich diese Lebensgeschichten. Ich habe mit Feists älterer Tochter Laure in den USA bereits zwei Zoom-Telefonate geführt und im Hamburger Institut für Sozialforschung unter anderem Einblicke in den Briefwechsel von Feist mit Reemtsma bekommen.
BZ: Haben sich denn schon Zeitzeugen gemeldet auf ihren Aufruf hin?

Paul: Ja, zwei Lahrer, die in den 1960er-Jahren bei der Roth-Händle gearbeitet haben, können sich an Ernst Feist erinnern. Mit ihnen möchte ich mich demnächst treffen. Es geht mir darum, Lahrer Lokalkolorit einzufangen, ein paar Begebenheiten oder Anekdoten erzählt zu bekommen, die ich dann verwenden kann. Da ich meine Ferien in den 1960er- und den 1970er-Jahren immer bei den Großeltern in Lahr in der Moltkestraße verbracht habe, erinnere ich mich gut daran, wie es damals in Lahr aussah und wie es nach Tabak roch. Die Atmosphäre kann ich also nachvollziehen.

Der große Unterschied ist, dass bislang die Protagonisten immer erfunden waren. Nun gibt es die historischen Personen, denen ich gerecht werden möchte. Michael Paul
BZ: Ist die Recherche in der eigenen Heimatstadt anders als bei ihren bisherigen historischen Romanen?
Paul: Ich recherchiere ja immer viel. Die historischen Fakten müssen stimmen, in den beiden Büchern, die in Königsberg spielen, wie auch in meinem Thriller "Tabun". Noch vor dem Roman über Feist erscheint mein Buch "Alma" über das Schicksal eines Mädchens im Lebensborn-Heim in Nordrach. Der große Unterschied ist, dass bislang die Protagonisten immer erfunden waren. Nun gibt es die historischen Personen, denen ich gerecht werden möchte.
BZ: Was kommt denn an Fiktion hinzu?
Paul: Den Plot hat das Leben geschrieben. So abenteuerlich hätte ich es mir nicht ausdenken können. Ich werde romanhaft schreiben, Szenen und Dialoge gestalten. Es ist eine neue Herausforderung für mich, der realen Geschichte einen Spannungsbogen zu verleihen.
BZ: Bislang haben Sie im Selbstverlag veröffentlicht. Interessiert sich für das neue Buch – angesichts des berühmten Namens Reemtsma – ein Verlag?
Paul: Meine Literaturagentin sondiert das gerade, aber für mich ist das eigentlich nicht so wichtig. Wenn sich ein Verlag findet, ist es gut, wenn nicht, veröffentliche ich es eben wieder selbst.

Michael Paul wurde 1963 in Offenburg geboren, ist im Rheinland aufgewachsen und lebt seit seinem 18. Lebensjahr in Lahr. Er hat Bankkaufmann gelernt und arbeitet bis heute als Unternehmensberater und Dozent; seit er unter die Autoren gegangen ist, allerdings nur noch halbtags. Bislang hat Paul drei Bücher im Eigenverlag veröffentlicht.

Mehr über Ernst Feist und seine Familie unter http://mehr.bz/feist