Die Bauern im Elsass sind wütend

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mi, 09. Oktober 2019

Südwest

Bei Protestaktionen werden etliche Straßen blockiert / Furcht vor ausländischer Konkurrenz.

STRASSBURG/MULHOUSE. Eine landesweite Protestaktion der französischen Bauern hat auch im Elsass am Dienstag erhebliche Verkehrsbehinderungen verursacht. Etwa 900 Traktoren und 1000 Demonstranten waren unterwegs und blockierten vor allem im nördlichen Elsass – bei Sélestat, Straßburg, Roppenheim und Brumath – mehrere Autobahnzubringer. Im Südelsass hatten die Bauern das Autobahnkreuz A 35/A 36 bei Mulhouse zum Zentrum ihres Protests gemacht. Dort ließen die Demonstranten jedoch immer wieder Fahrzeuge durchfahren.

Um ein größeres Chaos zu verhindern, hatten die Behörden ein Lkw-Fahrverbot für die Dauer der Aktion angeordnet. Dadurch durften Hunderte Lkw über mehrere Stunden hinweg nicht nach Frankreich einfahren. An einigen Grenzübergängen, etwa der Pflimlin-Brücke im Straßburger Süden, an der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg und bei Gambsheim, kam es deshalb zu langen Rückstaus.

An den Grenzübergängen zum südlichen Elsass habe es keine entsprechenden Komplikationen gegeben, sagte ein Sprecher der Präfektur Colmar der Badischen Zeitung. Westlich von Burnhaupt hatten die Behörden 600 bis 700 Lkw für die Dauer der Proteste an der Weiterfahrt Richtung Mulhouse gehindert. Dennoch staute sich der Verkehr auf der A 35 bei Mulhouse um die Mittagszeit laut Präfektur auf einer Länge von sechs Kilometern.

Mit ihrer Aktion wollten die elsässischen Bauern, wie sie sagen, auf ein feindseliges Klima gegenüber der konventionellen Landwirtschaft in der Gesellschaft aufmerksam machen. "Frankreich, willst Du Deine Bauern überhaupt noch?" – mit diesem Motto zogen die Landwirte auf die Straßen. "Politiker wie internationale Organisationen machen uns für viele Umweltprobleme verantwortlich", verteidigte Thomas Obrecht, Präsident der Getreideerzeuger im Südelsass, die Position der Bauern. Dabei kämen nur Produkte zur Anwendung, die zertifiziert und erlaubt seien.

"Wir wehren uns aber auch dagegen, dass durch Freihandelsabkommen wie zwischen der EU und Kanada mehr und mehr Produkte importiert werden", sagte einer der Demonstranten, Pierre Meyer, Landwirt aus Dessenheim. Die Konkurrenz für die einheimische Landwirtschaft würde dadurch zusehends verschärft. Französische Verbraucher würden schlussendlich Produkte kaufen, die nicht nach hiesigen Normen hergestellt würden. Durch die Einrichtung von Zonen, in denen zum Schutz der Bevölkerung keine Pestizide mehr oder nur nach Vorankündigung eingesetzt werden dürften, stigmatisiere die französische Agrarpolitik die Landwirtschaft.

Gegen 15 Uhr normalisierte sich überall die Lage auf den Straßen wieder, nachdem sich die Traktor-Blockaden wie angekündigt aufgelöst hatten.