Geschichte

Einkaufen "bei’s Knopfe"

Bernd Serger

Von Bernd Serger

So, 16. Januar 2011 um 14:54 Uhr

Südwest

Die Warenhaus-Dynastie aus Karlsruhe, Straßburg und Freiburg war bis 1918 die Nummer 1 im Südwesten.

Hertie, Kaufhof, Karstadt, Schocken, Wertheim und: Knopf. In dieser illustren Reihe deutscher, bis auf Karstadt ausschließlich jüdischer Warenhauskonzerne den Namen Knopf zu finden, mag überraschen. Doch zumindest bis Ende des Ersten Weltkriegs war die Warenhauskette Knopf, gegründet von den drei Brüdern Max Knopf (Karlsruhe), Moritz Knopf (Straßburg) und Sally Knopf (Freiburg), den Großen dieser Branche ebenbürtig. Knopf hatte neben Freiburg eben nicht nur Zweigbetriebe in Lörrach, Emmendingen, Offenburg und Schopfheim: Insgesamt mehr als 50 Filialen und Partnerbetriebe in Süddeutschland, der Schweiz, im Elsass und im Saarland, in Lothringen und Luxemburg gehörten zum Knopf-Imperium – und große, prachtvolle Warenhäuser in Großstädten wie Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt oder Straßburg.
Das saß. Ein "Schleudergeschäft" sei das, was die jüdische Kaufhauskette Knopf aus Karlsruhe seit 1893 in Ravensburg betreibe. "Im Interesse des hiesigen Kaufmannsstandes, welcher durch das Gebaren der ,Geschwister Knopf’ ohne Zweifel geschädigt ist", startete das Lokalblatt "Oberschwäbischer Anzeiger" im März 1898 eine Kampagne gegen das für die beschauliche Handelsszene so fremde Warenhaus – und verzeichnete erste Erfolge: "Eine große Anzahl hiesiger Hausbesitzer" habe sich in den letzten Tagen "unterschriftlich verpflichtet", an das Karlsruher Unternehmen keine Geschäftsräume zu vermieten. Wer das dennoch tue, so drohte das Blatt, müsse damit rechnen, "der allgemeinen Verachtung anheim zu fallen".
Max Knopf wurde dennoch fündig: In bester Lage am "Platz" in Ravensburg ließ er bis 1907 sein neues Warenhaus mit Jugendstilelementen errichten, das der Stadthistoriker Peter Eitel vor einigen Jahren als "einzigen architektonisch bemerkenswerten Kaufhausbau in Ravensburg vor 1914" würdigte.
Was die noch in alten Vorstellungen der Kramerzunft verharrenden Kaufleute vor Ort verwirrte und besorgte, zog die Menschen nicht nur in der oberschwäbischen Stadt, ...

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