Web-Talk zur Corona-Situation

Ortenauer Kulturschaffende wollen wieder den Kontakt zu ihrem Publikum

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 22. November 2020 um 11:03 Uhr

Lahr

Die Landtagsabgeordnete Sandra Boser und Staatssekretärin Petra Olschowski tauschen sich mit regionalen Kulturschaffenden über die "Kulturpolitik für die Zukunft" aus.

Wie sieht die "Kulturpolitik für die Zukunft" und "Kultur während Corona" aus? Das waren die Themen eines Web-Talks, zu dem die Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser und die Staatssekretärin Petra Olschowski Kulturschaffende aus der Region eingeladen hatten.

Der Web-Talk fand zum Abschluss eines über zwei Jahre dauernden Dialogs zur "Kulturpolitik für die Zukunft" statt. 1250 Kulturschaffende und externe Expertinnen und Experten hatten im Land über zentrale kulturpolitische Fragestellungen diskutiert. Dass dabei die Auswirkungen der Corona-Pandemie Kunst und Kultur nach wie vor massiv beeinträchtigen, betonte Sandra Boser laut dem Pressebericht: "Kunst und Kultur sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens, Kunst und Kultur sind auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Corona trifft die Branche hart. Es braucht daher weiterhin Unterstützung und Förderungen. Es braucht zudem Konzepte dafür, wie Kunst und Kultur in Zukunft wieder angeboten werden kann."

"Kunst trotz Abstand" unterstützte die Kultur

Mit dem Masterplan "Kunst trotz Abstand" habe das Kunstministerium seit Beginn der Pandemie zusätzliche Unterstützungsprogramme für Kunst- und Kultureinrichtungen aufgelegt, sagte Staatssekretärin Petra Olschowski aus dem Wissenschaftsministerium. Mit diesem Programm seien auch in der Ortenau innovative Projekte gefördert und viele Einrichtungen und Vereine unterstützt worden: "Wichtig wird in Zukunft auch sein, das Publikum nicht aus dem Blick zu verlieren."

Felix Neumann von der Kehler World HipHop-Band Zweierpasch kritisierte allerdings, dass sie sich als Band alleine gelassen fühlten, weil bei ihnen von den Hilfen bisher nichts angekommen sei: "Wer die Musik nicht im Haupterwerb bestreitet, fällt derzeit durch das Raster. Hier muss dringend nachgearbeitet werden."

Der Szene fehlt die Interessenvertretung

Auch der Friesenheimer Veranstalter Walter Holtfoth (Cleopha 87) betonte, dass es der Szene an einer Interessenvertretung fehle, sie jetzt aber über die Initiative "Alarmstufe rot" besser zusammenwachse. Edzard Schoppmann vom Theater Baal novo gab zu bedenken, dass nach wie vor der ländliche Raum mehr in den Blick genommen werden muss: "Hier Strukturen im Bereich Kunst und Kultur aufzubauen, ist viel aufwändiger als in der Stadt."

Heike Dorow, Grünen-Kandidatin für die Bundestagswahl im Wahlkreis Emmendingen-Lahr und Mitglied der Lahrer Rockwerkstatt, bestätigte, dass die Kultur im ländlichen Raum immer noch weniger Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung finde.

Kultur ist mehr als nette Unterhaltung

Aus der Sicht des Hausacher Schriftstellers José Oliver ist Kultur mehr als eine nette Unterhaltung. Außerdem wünschte er sich, dass das Land die Kommunen mit ihrer Verantwortung für die Kultur stärker mit ins Boot holen sollten. "Die alternativen Kulturangebote der vergangenen Monate, beispielsweise Streaming-Konzerte, können Konzerte, Theater oder Lesungen nicht ersetzen. Der Kontakt zum Publikum gehört dazu, um Kunst und Kultur erlebbar zu machen", sagte William Sánchez-Herrera von der inklusiven Tanzcompagnie Szene 2 aus Lahr, der sich die anderen Kulturschaffenden anschlossen.

Petra Olschowski will bei den Kommunen dafür werben, ihre Kulturförderung auch nach der Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten: "Die Gesellschaft braucht die Kultur und den Kultursektor. Darum müssen wir jetzt alles dafür tun, dass dieser auch nach der Pandemie noch gut dasteht und das Publikum wieder den Weg zu den Kulturangeboten findet."