Pandemie dämpft auch die Nachfrage nach regionalen Sonnenstrom

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Di, 29. Juni 2021

Kreis Lörrach

Hoher Kapitalzufluss veranlasst Genossenschaft Bürgerenergie Dreiländereck zum Aufnahme- und Zuzahlungsstop / Fokus bei neuen Anlagen liegt auf lokalem Verbrauch.

. Die Genossenschaft Bürgerenergie Dreiländereck beugt vor. Infolge wirtschaftlicher Unsicherheiten, die auch auf die Pandemie zurückgehen, schüttet die Genossenschaft dieses Jahr nur eine Dividende von 1,5 Prozent aus. Das hat die Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen. Die Pandemie habe das Geschäftsmodell zwar vergleichsweise gering getroffen, negative Auswirkungen gab es aber dennoch, berichtete Vorstand Martin Völkle. Es gab Umsatzeinbußen, weil an Schulen und Kindergärten weniger Solarstrom verkauft werden konnte. Und für große Anlagen wie den Solarpark Herten wird keine EEG-Umlage bezahlt, wenn der Strompreis ins Negative rutscht. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gab es ein Überangebot an Strom, deshalb gab es negative Preise. Seit 2020 fallen auch 50 000 Euro Personalkosten an, da die Genossenschaft zu groß wurde, um auf ehrenamtlicher Basis geführt zu werden. Insgesamt ist die Genossenschaft jedoch gut aufgestellt.

77 neue Mitglieder wurden 2020 gewonnen, so dass es zum Jahresende 462 waren. Das Mitgliederkapital stieg auf 3,12 Millionen Euro. Wegen des Zuflusses neuer Gelder gilt zurzeit ein Aufnahme- und Zuzahlungsstopp. Neun neue Photovoltaik-Anlagen wurden 2020 realisiert und mit allen Anlagen 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Damit können rund 1050 Haushalte versorgt und 2600 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden. 2020 war aber auch das Jahr mit den meisten Reparaturen und den größten Ertragsausfällen, berichtete Völkle. Zudem wurden die Finanzen durch ein Projekt in Spaichingen belastet. Über einen Projektentwickler wurde dort eine große Anlage auf einem Industriegebäude erstellt. Doch das Netzwerk des Betriebs war für die Leistung der Anlage nicht ausgelegt. Deshalb wurde sie nach einer Woche wieder abgeschaltet. Weil der Projektentwickler seine Zusagen nicht eingehalten hat, hat die Bürgerenergie einen Teil der Anlage abgebaut, um sie in der Region wieder aufzubauen und geht rechtlich gegen den Initiator vor.

Da die EEG-Vergütung weiter sinkt, sei es sinnvoll, Anlagen zu realisieren, bei denen der Großteil des Stroms lokal verbraucht wird, sagte Völkle. Der Überschuss 2020 sank gegenüber 2019 auf 54 788 Euro. Rund 46 300 Euro werden als Dividende ausbezahlt. Da ein Aufsichtsrat ausschied, wurde Diana Stöcker, Bürgermeisterin in Rheinfelden und CDU-Kreisrätin, neu in das Gremium gewählt. Christoph Huber wies darauf hin, dass sie dafür angefragt worden sei, bevor ihre Kandidatur für den Bundestag feststand. Die Aufsichtsräte Dieter Burger, Wolfgang Hasselmann, Christoph Huber, Andreas Schneucker und Andreas Seiter wurden wiedergewählt. Einstimmig beschlossen wurde auch eine Vergütung von maximal 8000 Euro für das Gremium, da Professionalisierung und Verantwortung zugenommen haben. Über die Verteilung entscheidet der Aufsichtsrat intern.