Pop- und Folksongs im jazzigen Gewand

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 02. März 2020

Lörrach

Das Bodel Janke Quartet interpretierte im Jazztone Bekanntes neu.

LÖRRACH. Popsongs im Jazztone? Auch das ist möglich, wenn sie anspruchsvoll verjazzt daherkommen. Das Bodek Janke Quartet verwandelte am Freitagabend bekannte Pophits aus den 1980er Jahren in begeisternde Jazzstücke. Dazu kamen Folksongs, die Sängerin Shishani Vranckx komponiert hat und die ebenfalls ein jazziges Gewand verpasst bekamen.

Bodek Janke und sein Quartett spielten Lieder aus dem gut zwei Jahre alten Album "Song" und dem neuen "Song2". Er verarbeite da seine Kindheitsmelodien, die ihn verfolgen, und das nicht nur im Guten, verriet der 1979 geborene Janke. Die Songs hat er intensiv ver- und bearbeitet. Wiederzuerkennen sind sie schon, wie etwa "Eye Of The Tiger" aus dem Boxerfilm "Rocky", mit dem das Konzert begann. Zugleich schuf er ganz neue Stücke.

Janke setzte sie mit Jazzteilen neu zusammen, er bearbeitete auch Melodie und Refrain, so dass die Stücke wie veritable Jazznummern klangen. Das gelang ihm auch bei Songs, die man sich ganz und gar nicht im Jazzsound vorstellen konnte, wie etwa dem Mitgröhl-Hit "Live ist Life" der österreichischen Band Opus. Aus diesem "Kindheitstrauma", wie er sagte, schufen er und seine Band eine packende Jazznummer. Nicht minder überzeugend gelang die Transformation des Popsongs "Take On Me" von a-ha, von Springsteens "Dancing In The Dark" oder des Disco-Stücks "Rhythm Is A Dancer" von Snap!, aus dem die Band ein ganz sanftes Stück zauberte. Man hielt beinahe die Luft an, als Shishani Vranckx den Refrain a-cappella sang.

Überhaupt erwies sich Shishani Vranckx aus Amsterdam als großartige Sängerin. In den leisen Tönen ebenso sicher wie bei den kraftvollen, klang ihre Stimme mal engelhaft sanft, dann wieder kämpferisch und selbstbewusst. Janke verriet, er habe sie bei einer Jam-Session im polnischen Riesengebirge kennengelernt und in seine Band geholt. Vranckx ist Singer-Songwriterin und kommt aus der Folk-Ecke. Sie steuerte eine Reihe Songs bei, hatte aber Janke erlaubt, sie jazzig zu bearbeiten. "Minority" war ein packendes Stück, "Lost" sanft und zerbrechlich mit einer schönen Melodie, deren Ecken und Kanten sie spannend machten. "Lay In The Sun" war ein entspannter Folk-Song, der die Stimme der Sängerin glänzend zur Geltung brachte.

Eine weitere Facette des Konzerts waren Stücke von Bodek Janke, etwa "Leidenschaft" oder "What Is It Like Being A Bird". Von eher verhaltener Leidenschaft das Eine, stark rhythmusbetont das Andere, aber beides Songs, die die Sängerin ins Zentrum stellten. Auch die Instrumentalisten bekamen Raum, sich zu entfalten, besonderes der großartige Pianist Kristjan Randalu, der lyrische Soli ebenso wie rasante Parts spielte. Überaus rührig und kreativ agierte Janke an den Rhythmusinstrumenten, wenn er auch manchmal ein bisschen zu kräftig auf die Trommeln schlug. Am Bass sorgte Phil Donkin für den Groove. Das sei seine Lieblingsband, bekannte Janke – und das Publikum im gut besuchten Jazztone belohnte das mit viel Applaus.