Nach TV-Show

Präsident der Bundesärztekammer nimmt Maskenkritik zurück

kna

Von kna

Fr, 23. Oktober 2020 um 17:30 Uhr

Deutschland

In der Talkshow von Markus Lanz hatte er den Nutzen von Masken gezogen: Jetzt rudert Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, nach viel Gegenwind zurück.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich von seinen kritischen Äußerungen über den Nutzen von Schutzmasken distanziert. "In der Sendung "Markus Lanz" hatte ich den wissenschaftlichen Evidenznachweis der Schutzwirkung von Mund-Nasen-Masken in Zweifel gezogen", erklärte er am Freitag in Berlin. "Dies hat zu erheblichen Irritationen geführt, die ich sehr bedauere. Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spricht für einen Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes."

Die Studien wiesen darauf hin, dass sowohl die Übertragung auf andere als auch die Selbstansteckung durch Alltagsmasken verringert werde, fügte Reinhardt hinzu. "Aus diesen Daten resultiert die klare Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes."

Der Ärzte-Chef betonte: "Meine Absicht war zu keinem Zeitpunkt, die Gefahren der Pandemie zu bagatellisieren." Es sei sein "großer Wunsch, dass wir die Corona-Pandemie in Deutschland weiterhin gut bewältigen und dass alle sinnvollen Maßnahmen ergriffen werden, die die Virusverbreitung verlangsamen und vermeidbare Infektionen verhindern. Alle Regeln, die dazu dienen, eine Überlastung unseres Gesundheitswesens abzuwenden, unterstütze ich vorbehaltlos."

Druck auf Reinhardt von vielen Experten- und Ärzteverbänden

Ausdrücklich unterstützte Reinhardt eine am Freitag veröffentlichte entsprechende Erklärung, die von den Präsidenten aller Landesärztekammern und allen Vorstandsmitgliedern der Bundesärztekammer sowie den Chefs verschiedener medizinischer Fachgesellschaften und Institutionen unterzeichnet wurde.

Reinhardt hatte zuvor am Mittwoch in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" erklärt, er sei von den Alltagsmasken nicht überzeugt, "weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind - schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken". An einer Stelle sprach der Ärztekammer-Chef von einem "Vermummungsgebot".

"Das lähmt das die Bereitschaft der Bevölkerung, sich an die einfachsten Hygiene-Regeln zu halten." Eugen Brysch, Deutsche Stiftung Patientenschutz
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bezeichnete die Wortwahl des Kammerpräsidenten daraufhin auf Twitter als "unentschuldbar" für den "ranghöchsten deutschen Ärztefunktionär" und forderte seinen Rücktritt, falls er seine Aussagen nicht zurücknehme. Reinhardt beschädige die Arbeit seiner Kollegen.



Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warf den Ärztefunktionären eine beinahe unerträgliche Vielstimmigkeit vor. "Das lähmt das die Bereitschaft der Bevölkerung, sich an die einfachsten Hygiene-Regeln zu halten", erklärte Vorstand Eugen Brysch. "Leidtragende sind Schwerkranke und Pflegebedürftige."