Nach den Missbrauchsskandalen

Rekordzahl an Kirchenaustritten in der katholischen Seelsorgeeinheit Laufenburg-Albbruck

Michael Krug

Von Michael Krug

Fr, 10. Januar 2020 um 10:22 Uhr

Laufenburg

"Die Missbrauchsskandale haben das Vertrauen vieler in die Institution Kirche erschüttert", sagt Pfarrer Klaus Fietz. 118 Menschen sind 2019 ausgetreten. Im Jahr davor waren es "nur" 81.

So viele Kirchenaustritte wie nie hat die Seelsorgeeinheit Laufenburg-Albbruck im vergangenen Jahr zu verkraften. Das geht aus der Statistik der Amtshandlungen der sechs Pfarreien hervor. Demnach sind 118 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Im Jahr davor waren es "nur" 81. Geheiratet wurde im vergangenen Jahr nur 13 mal in der rund 8600 Gläubiger umfassenden Seelsorgeeinheit. 83 Taufen hingegen sprechen für Pfarrer Klaus Fietz für eine Kontinuität.

"Die Missbrauchsskandale haben das Vertrauen vieler in die Institution Kirche erschüttert." Pfarrer Klaus Fietz
"Sie können mir glauben", sagt Pfarrer Fietz, "dass mir jeder Austritt wehtut". Die hohe Zahl von 118 in den sechs zur Seelsorgeeinheit gehörenden Pfarreien kann und will der Geistliche nicht leugnen. Zum Teil kann er die Beweggründe derjenigen, die der katholischen Kirche den Rücken kehren, auch nachvollziehen. "Die Missbrauchsskandale haben das Vertrauen vieler in die Institution Kirche erschüttert", weiß der Geistliche. Er schickt jedem Austrittswilligen ein Schreiben, in dem er sein Bedauern über die Entscheidung zum Ausdruck bringt.

Ein Schwacher Trost

Nur ein schwacher Trost sei es da, dass viele sagen, er, Pfarrer Fietz, sei nicht der Grund. Zum Teil seien es finanzielle Gründe, zum Teil aber auch lang und wohlüberlegte Entscheidungen, die ihn in den Antwortschreiben erreichen. "Da spielen dann auch Themen wie die Frauenfrage in der katholischen Kirche eine Entscheidung", sagt Fietz. Und natürlich das Thema Missbrauch. Als einen "Widerspruch in sich" bezeichnet Pfarrer Fietz in diesem Zusammenhang auch die Aussagen des für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals verantwortlichen Bischofs Ackermann, der Ende des Jahres vorgeschlagen hatte, die Entschädigungen für Missbrauchsopfer aus der Kirchensteuer zu bezahlen.

"Diese Leiden mit Geld zu entschädigen, ist eh schon schwierig. Das ist nicht mehr gutzumachen." Pfarrer Klaus Fietz

"Diese Leiden mit Geld zu entschädigen, ist eh schon schwierig. Das ist nicht mehr gutzumachen", sagt Fietz. Aber die Allgemeinheit für die Taten Einzelner aufkommen zu lassen, will Fietz nicht. Er liegt da voll und ganz auf der Linie von Erzbischof Stefan Burger, der auch nicht hinter dem Ackermann-Vorschlag steht. Die Zahl 118 sei hoch, aber man müsse auch einbeziehen, dass es sich dabei um sechs Pfarreien handele. In Laufenburg allein seien es im vergangenen Jahr rund 50 Austritte gewesen, "seit den 60er Jahren übrigens rund 600", weiß Fietz aus den Statistiken. Auf der einen Seite stehen die Austritte, auf der anderen Seite werde die Kirche aber auch von Laufenburgs Wachstum – siehe etwa das Neubaugebiet in Rhina – oder auch in Zukunft von der Entwicklung des ehemaligen Areals der Papierfabrik in Albbruck profitieren. "Dort werden rund 800 Menschen wohnen", erfahrungsgemäß werde die Hälfte davon katholisch sein. Der Zuzug von Menschen werde, so hofft der Geistliche, einen Teil der Austritte kompensieren.

Konkurrenz durch andere Kirchen

Aber auch von anderer Seite erwächst der katholischen Kirche in Laufenburg Konkurrenz. Klaus Fietz registriert etwa sehr wohl, dass das Netzwerk 43 mit seinem Standort in Görwihl-Segeten auch Menschen aus Laufenburg anspricht. Auch wenn er in seiner Kirche alle Anstrengungen unternimmt, für die Gläubigen eine attraktive Kirche anzubieten, weiß er darum, dass sich auch Familien von der "anderen Art" Kirche auf dem Hotzenwald angesprochen fühlen. Irgendwo, so Fietz, "sei das auch legitim". Immerhin folgen die Menschen ja auch dort der Botschaft Christi.

Dass 2019 nur 13 Ehen geschlossen wurden (2018: 24), sei dem Zufall geschuldet, so Fietz. Zu Grabe getragen werden mussten 94 Menschen (2018: 108). Zur Erstkommunion gingen 74 Kinder (2018: 83). 112 Jugendliche wurden gefirmt (2018: 134). Und ja, auch das gibt es, drei Gläubige traten wieder in die Kirche ein. Diese Zahl wurde auch im Jahr 2018 registriert.