Als "1968" nach Freiburg kam

Revolte ante portas: Als Rudi Dutschke und Ralf Dahrendorf 1968 in Freiburg debattierten

Thomas Hauser

Von Thomas Hauser

Fr, 26. Januar 2018 um 22:01 Uhr

Freiburg

BZ Plus Vor 50 Jahren lieferten sich Rudi Dutschke und Ralf Dahrendorf eine leidenschaftliche Debatte – auf einem Lautsprecherwagen. Darüber, wer die Diskussion gewann, sind sich die meisten einig.

Kennen Sie Hermann Oxfort? Nein? Das war der Mann, der neben Rudi Dutschke und Ralf Dahrendorf am 30. Januar 1968 auf jenem berühmt gewordenen Lautsprecherwagen vor der Freiburger Stadthalle saß, als drinnen der FDP-Parteitag nicht nur einen Generations-, auch einen Richtungswechsel beschloss. Oxfort war zeitlebens in der FDP engagiert, als Landesvorsitzender, Abgeordneter und Justizsenator in Berlin, aber auch als Mitglied im Bundesvorstand seiner Partei. Er war an diesem Tag der Mann im Schatten des Senkrechtstarters der Liberalen. Und er war der, dem man diesen Auftritt in der Partei übelnahm.

Freiburg 1968, das war Ralf Dahrendorfs Bühne, nicht nur wegen des Bildes, das in die Geschichtsbücher einging. Dabei war der Soziologe, damals Professor an der neu gegründeten Universität Konstanz, erst wenige Wochen Mitglied der FDP. In einer fulminanten Rede vor dem Landesparteitag am 5. Januar desselben Jahres hatte er die Delegierten derart begeistert, dass sie ihn mit 92 Prozent Zustimmung in den Landesvorstand applaudierten. Sein Leitsatz: "Es ist Zeit, dass in Deutschland wieder Politik gemacht wird", klingt dabei erstaunlich aktuell. In Freiburg stürmte er die bundespolitische Bühne und die Gunst der veröffentlichten Meinung. Seine Wahl in den Bundesvorstand der FDP spiegelte seinen "Katapultstart in die Politik" (Hamburger Abendblatt) nur unzureichend wider. Dahrendorf "predigt der FDP den Wandel", schrieb Ansgar Fürst, der damals für die Badische Zeitung den Parteitag beobachtete. "Dem mitreißenden Schwung seiner Rhetorik erlagen nicht nur die Reformer, sondern auch die in ganz anderen Regionen angesiedelten Konservativen der Partei."

20 Prozent für die Partei und das Kanzleramt
Dass da ein zum Bersten Selbstbewusster nicht nur für seine Partei, sondern auch für sich einen Führungsanspruch anmeldete, wurde im Nachklapp des Parteitags konkret, als Dahrendorf von einem Interview zum nächsten eilte. 20 Prozent visierte er da für seine Partei bei der Bundestagswahl 1969 an. Und der Tageszeitung Welt verriet er gar, er wolle Bundeskanzler werden. Dass er das ironisch ...

BZ Plus-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 15 Artikel kostenlos lesen - inklusive BZ Plus!

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 15 Artikel pro Monat kostenlos
  • Exklusive BZ Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archivartikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ