Interview

Sigrid Sandmann sammelt Worte für eine Lichtprojektion in Freibugr-Stühlinger

Peter Disch

Von Peter Disch

Do, 14. Oktober 2021 um 14:00 Uhr

Freiburg

Die Künstlerin Sigrid Sandmann hat sich mit der Kombination aus Licht und Worten einen Namen gemacht. Nun hat sie ein neues Projekt.

Beim Lichtkunstfestival "Freilicht" (4. bis 6. November auf dem Stühlinger Kirchplatz) präsentiert Sigrid Sandmann eine Projektion auf der Fassade der Herz-Jesu-Kirche. Wer Worte dazu beisteuern will, kann sie vom 14. bis 16. Oktober (Donnerstag bis Samstag) vor Ort im "Wortfindungsamt" treffen, das in einem weißen Bauwagen logiert.

BZ: Das Wortfindungsamt hatte bereits an einigen Orten geöffnet. Wie kamen Sie auf die Idee?
Sandmann: Da ich meist im öffentlichen Raum arbeite, habe ich für ein Quartier in Hamburg 2010 ein für den Ort entsprechendes Format gesucht. Als ich das Umfeld erkundet habe, sind mir im Vorübergehen sehr viele Gesprächsfetzen ins Ohr geflattert, teilweise nur Wörter – ohne dass sich für mich ein direkter Sinnzusammenhang herstellen ließ. Ob dies der direkte Auslöser für die Idee und deren Umsetzung hin zum Wortfindungsamt war, lässt sich nicht wirklich sagen. Auf jeden Fall war und ist es mein Anliegen, einen temporären Ort zu schaffen, der im Getümmel der Stadt auffällt und deren Bewohnerinnen und Bewohner neugierig macht, mal reinzuschauen und sich damit spontan oder gezielt auf eine partizipative Kunstaktion und die gleichzeitige Auseinandersetzung mit dem eigenen Umfeld einzulassen.

BZ: Wie reagieren die Leute auf Sie und das Angebot des Wortfindungsamts?
Sandmann: Das Wortfindungsamt für Freiburg wurde von mir umkonzipiert. Eigentlich wird, nachdem ein Wort beantragt wurde, ein Schild hergestellt, das die Wortfinderinnen und Wortfinder dann selbst im öffentlichen Raum platzieren sollen. Beim – ich nenne es jetzt mal so – Original hat das Wortfindungsamt großen Zulauf, vor allem an den Orten, an denen es schon mal durchgeführt wurde. Die Leute reagieren sehr positiv und freuen sich über den Austausch, den es im Wortfindungsamt gibt. Aber es gibt natürlich auch Befremden und manchmal schleichen die Menschen erst einmal um den Wagen herum. Wenn sich nicht gerade eine Warteschlange gebildet hat, spreche ich diese Personen dann auch an und erkläre das Projekt.
BZ: Welche Rolle spielen Sie dabei?
Sandmann: Meine Rolle in diesem Projekt ist die der Zuhörenden und auch Fragenden. Wenn ich zu den Öffnungszeiten im Wortfindungsamt sitze, schlüpfe ich in die Rolle der "Kunstbeamtin". Ein einzelnes Wort ist in diesem Projekt nicht nur ein einzelnes Wort, oft entstehen ganze Geschichten um dieses eine persönliche Wort. Da die Menschen immer alleine oder zu zweit kommen, entsteht im Wagen eine gewisse Intimität und Vertrautheit, die einen Resonanzraum für beide Seiten schafft. Eine andere für den Kontakt sehr wichtige Rolle ist die der "nicht bewertenden" Person. Jedes Wort wird mit großer Wertschätzung entgegengenommen. Diskriminierende Worte jeglicher Art werden selbstverständlich abgelehnt.

Wortfindungsamt: Stühlinger Kirchplatz (Grünstreifen bei der Engelbergstraße), 14. bis 16. Oktober, 10 bis 12 Uhr, 15 bis 18 Uhr. Gesucht werden Begriffe zur Situation auf dem Stühlinger Kirchplatz, aber auch Begriff mit regionaler Relevanz, die über das Thema hinausgehen oder Fantasieworte.

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