Fernwärme in Offenburg

So funktioniert das Blockheizkraftwerk des Paul-Gerhardt-Werks

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Mi, 12. Juni 2019 um 11:29 Uhr

Offenburg

Das Blockheizkraftwerk des Paul-Gerhardt-Werkes war Ziel einer Exkursion von Studierenden der Hochschule. Das Kraftwerk ist Teil des Fernwärmenetzes in Offenburg, das derzeit erweitert wird.

Christian Linz, der beim E-Werk Mittelbaden zuständig ist für Projektentwicklung und Bauleitung für Kraftwärmekopplungsanlagen und Fernwärmenetze, hat zusammen mit Hans Jürgen Schneble, bei der Stadt Offenburg Leiter der Stabsstelle Strategisches Energiemanagement, die Funktionsweise und Bedeutung des frisch modernisierten Komplexes für das im Aufbau befindlichen Fernwärmenetz der Stadt Offenburg erklärt.

Stadt und Energieversorger arbeiten dabei unter dem Dach der Wärmeversorgung Offenburg zusammen. Ziel ist es, die gesamte Stadt in ein modernes, umweltfreundliches, auch an zukünftige Energiegewinnungs-, Speicherungs- und Rückgewinnungsstechnologien anpassbares Fernwärmenetz einzubinden. Die Arbeiten dazu sind vielerorts bereits seit Jahren im Gange, unter anderem im Mühlenbachareal, aber eben auch im und rund um das Paul-Gerhardt-Werk.

Besichtigung am 13. Juli, dem Tag der Fernwärme

Die Planung zur Erweiterung des Offenburger Fernwärmenetzes reicht bereits bis in das Jahr 2035. Finanzielle Förderung vom Bund erhält die Wärmeversorgung Offenburg insbesondere für die Modernisierung und weitere Vernetzung der Anlage im Paul-Gerhardt-Werk bis 2022, war von Schneble zu erfahren.

Das in den 1990er-Jahren erstellte Blockheizkraftwerk im Paul-Gerhardt-Werk umfasste ursprünglich drei Motoren, deren Abwärme nicht zurückgeführt und weiterverwendet werden konnte. Es versorge Klinikum und Paul-Gerhardt-Werk sowie später auch Wohnraum durch eine kleinere Leitung in die Lonsstraße.

Nach einer Planungsphase ab 2015 begann man 2017 mit der Modernisierung. Nach der Führung kann man zumindest als Laie sagen: Jetzt ist alles komplett anders. 95 Prozent der Wärme können rückgewonnen und wieder ins Fernwärmenetz eingespeichert werden, erklärte Linz. Dafür wurden dicke Betonwände zersägt, mehr als 22 Kilometer neue Kabel verlegt, ganz andere moderne und besser isolierte Motoren eingebaut, eine Kühlanlage für die Klimatisierung von Wohnräumen und eine Trafostation errichtet.
Besichtigung: Interessierte Bürgerinnen und Bürger können die Anlage am 13. Juli, Tag der Fernwärme, besichtigen.

Eine Energie-Backup-Station gebaut sichert bei einem Betriebsausfall die Fernwärmeversorgung zeitweise ab. Mithilfe einer Steuerungssoftware kann das E-Werk-Mittelbaden die Anlage extern kontrollieren, austarieren und künftigen Energie- beziehungsweise Wärmebedarf wöchentlich vorausberechnen. Bauarbeiten zur Erweiterung der Nahwärmetrasse waren ebenfalls bereits zu besichtigen.

Die Anlage soll in 5 Jahren amortisiert sein

Rund 100 Anschlüsse sollen hier gelegt werden. Soziale oder medizinische Einrichtungen wie das Krankenhaus und das Paul-Gerhardt-Werk sind bereits angeschlossen, auch gewerblich genutzte Gebäude oder Produktionshallen sowie Wohngebäude der Offenburger Wohnbaugesellschaften im Nordosten sollen sukzessive in das Netz eingebunden werden. Die Anlage im Paul-Gerhardt-Werk ist so gut wie fertiggestellt. "In fünf Jahren wollen wir sie finanziell amortisiert haben", prognostizierte Linz zuversichtlich.

Wo Laien nur staunen können, erhielten die Studierenden einen erhellenden Einblick in die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten dessen, was sie an der Hochschule lernen. "Ich denke, es ist wirklich wichtig, dass die Studierenden hier einmal sehen können, was in der Praxis aus den in grauer Theorie erstellten Berechnungsmodellen werden kann", sagte Susanne Mall-Gleißle, die als Professorin an der Fakultät Maschinenbau und Verfahrenstechnik Thermische Verfahrenstechnik lehrt.