Wegen Auflagen

Stadt Freiburg stellt neues Veranstaltungskonzept für Hocks und Feste vor

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mi, 04. Dezember 2019 um 18:22 Uhr

Freiburg

Mehr Vorschriften, mehr Auflagen für die Sicherheit, höhere Kosten – darunter leiden viele der Freiburger Traditionsfeste. Deshalb hat die Stadt nun ein Paket für ehrenamtliche Veranstalter geschnürt.

Die Stadtverwaltung greift nun den ehrenamtlichen Veranstaltern unter die Arme und will ihnen die Arbeit erleichtern. Gemeinsam mit der Polizei hat das Amt für öffentliche Ordnung Sicherheitsstandards erarbeitet und ein Unterstützungspaket geschnürt – etwa in dem der kommunale Vollzugsdienst Ordneraufgaben übernimmt. "Wir wollen diese Feste erhalten", sagt Bürgermeister Stefan Breiter.

Die Stadtverwaltung und die Freiburger Festveranstalter – diese beiden Partner pflegen schon längere Zeit eine komplizierte Beziehung. In diesem Jahr fühlten sich zum Beispiel die Veranstalter der St. Georgener Weintage vor den Kopf gestoßen: "Noch am Morgen des ersten Festtags haben wir die Auflage bekommen, dass wir Funkgeräte besorgen müssen", berichtet Martin Maier, Vorsitzender des Bürgervereins und oberster Festverantwortlicher. Maier hatte dann am Abend bei der Festeröffnung seinen Unmut kundgetan – und kein Blatt vor den Mund genommen: Wenn es so weitergehe mit immer neuen Auflagen der Polizeibehörde, werde es die St. Georgener Weintage bald nicht mehr geben.

"Wir wollen diese Feste erhalten", Bürgermeister Stefan Breiter
"Die Diskussion hat uns betroffen gemacht", meinte Bürgermeister Breiter nun am Mittwoch im Pressegespräch, als er neue Lösungen präsentierte. Denn: Nach dem Ärger in St. Georgen haben sich Rathaus und Polizei zusammengesetzt – um eine Art Matrix für immer wiederkehrende Festveranstaltungen zu entwickeln und den Organisatoren Planungssicherheit zu verschaffen. Von den geltenden Sicherheitsstandards könne man nicht abrücken, aber man wolle den Veranstaltern verschiedene Basisdienstleistungen kostenlos bieten, so Breiter.

So verleiht die Stadt nun auch Funkgeräte – die sind wichtig, weil im Fall einer Massenpanik in der Regel schnell das Handynetz zusammenbricht. Deswegen braucht es zusätzlich noch Megafone und Notbeleuchtung, die der städtische Festhilfe-Service ebenfalls bietet, plus Ordner-Unterstützung durch den Vollzugsdienst. Neben den St. Georgener Weintagen soll auch weiteren Freiburg-Klassikern wie dem Herdermer Hock, dem Oberlindenhock, dem Rathaushock und der Straßenfasnacht geholfen werden.

Veranstalter begrüßen die Arbeitserleichterung

"Wir haben großen Respekt davor, was die ehrenamtlichen Organisatoren leisten", sagte René Funk, der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung. Umgesetzt werden sollten zeitgemäße Sicherheitsstandards, die nachhaltig planbar und auch finanzierbar seien.

Dass der Vollzugsdienst auch Ordneraufgaben übernehme, dürfte "deutschlandweit einmalig sein", so Funk. Das neue Konzept stehe für eine gute Balance, so der Leitende Polizeidirektor Berthold Fingerlin – allen Seiten werde Rechnung getragen: den Veranstaltern, den Besuchern und auch den Sicherheitsaspekten.

Die Veranstalter begrüßen die Unterstützung aus dem Rathaus. Sie sehen darin eine Entlastung und eine Arbeitserleichterung, meinte der St. Georgener Festorganisator Martin Maier im Pressegespräch: So könnten denn auch im kommenden Mai die St. Georgener Weintage zum 43. Mal gefeiert werden.

Bei den Nachfragen ging es auch um das Schlossbergfest – das weiter ohne verbindlichen Eintritt stattfindet, aber dafür mit FWTM-Zuschuss und Verzicht auf Platzmiete. Zum Streitthema "Kommerzialisierung des öffentlichen Raums" und Eintritt erheben, meinte Breiter: Der Oberbürgermeister gebe die Linie vor und er vertrete diese Linie auch. Er hätte aber auch, so räumte er ein, mit anderen Lösungen leben können: Das Wichtigste sei aber, dass es das beliebte Fest 2020 wieder gebe.

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