Philosophie und Musik

Stadtmusik Lörrach widmet ihr Adventskonzert dem Fluss der Zeit

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 09. Dezember 2019 um 11:00 Uhr

Lörrach

Das Strömen der Flüsse und das Fließen der Zeit griff die Stadtmusik in ihrem Adventskonzert auf. Der Gedanke von Heraklit, dass alles fließt und nichts bleibt, fand sich auch in Lesungen wieder.

"Alles fließt und nichts bleibt" – Dieser philosophische Gedanke von Heraklit zog sich durch das Adventskonzert der Stadtmusik Lörrach am Samstag in der Stadtkirche. Stimmig verwoben mit den Stücken, in denen das Strömen der Flüsse, das Fließen der Zeit und der Tränen thematisiert wurde, waren die von Pfarrerin Gudrun Mauvais und Monika Kotterer vorgetragenen Texte.

Trotz Weihnachtsmarkt und Einkaufstrubel strömten die Besucher in großer Zahl zu diesem Kirchenkonzert des städtischen Blasorchesters unter Leitung von Ulrich Winzer, das sich vom programmatischen Titel "Panta rhei" leiten ließ. Alles ist im steten Wandel, das Leben, die Gedanken, die Musik, die im Menschen etwas

bewegt.

Fluss-Bilder stimmungsvoll umgesetzt

Dies vermittelte die Stadtmusik, die sich in den ausgewählten Kompositionen von ihrer besten Seite zeigte: rhythmisch präzise, klanglich ausgefeilt. In "Gently flows the amber grain" von Brian Scott ließ Dirigent Winzer die Musik ruhig dahin fließen im weichen Klang der Bläser, sanft wiegend wie ein Windhauch, dann immer bewegter in einem mächtigen Strom. In "Where the river falls" von Fritz Neuböck wird ein Wasserfall am Fluss Traun in Oberösterreich beschrieben. Das Orchester setzte diese Fluss-Bilder stimmungsvoll um, mit sprudelnden, schnellen Passagen, aber auch ruhigen Intermezzi im kontrastreichen Wechsel von Klangidylle und Energie.

In einem feinsinnigen Arrangement von Ulrich Winzer für Klarinetten erklang die meditative Melodie "Rivers flow in you" des koreanischen Komponisten Yiruma, schön und subtil gespielt in zarten Holzbläserfarben. Die Bewegung des Wassers und des Winds hält das Blasorchester in dem Satz "Der Fluss" aus der Suite "Der Wind in den Weiden" von Johan de Meij fest – ein Stück von sehr hohem Schwierigkeitsgrad. Mit großer tonmalerischer Erzählkraft spielten die Musiker diese Geschichte, instrumental geschmeidig wurden das Dahinfließen und die Wendungen des Flusses dargestellt.

Bittersüßes Stück über fließende Tränen

Mit sensiblem Klanggespür gelang es Ulrich Winzer, das elegische Lautenlied "Flow, my Tears" des englischen Komponisten John Dowland aus elisabethanischer Zeit für Blasorchester zu arrangieren. In der behutsamen Bearbeitung und dem einfühlsamen Spiel kam die bittersüße Melancholie dieses Stücks berührend zur Wirkung. Das Orchester hatte auch Adventliches und Weihnachtliches im Programm, etwa ein "Celtic Carol" mit mystischen Klängen, Flötenzauber, reizvollen perkussiven Elementen und tänzerischen Passagen. In "C’est Noël", einem Medley weihnachtlicher Melodien, entfalteten Bläser festlichen Klangzauber.

Nicht nur die Stücke, auch die Lesungen von Pfarrerin Gudrun Mauvais und Monika Kotterer regten zum Nachdenken an. Sei es Goethes "Eins und Alles" über den ewigen Wandel, Gedanken über das Hören von Musik, das den Geräuschteppich des Alltags beiseite fegt, oder ein Internet-Blog über ein ungewöhnliches Erlebnis bei Aldi an der Kasse. Bewegend war eine Legende aus dem schottischen Hochland über einen Fluss, der niemals zufriert, weil Jesus Christus Mitleid mit den Tieren hatte. Auch Lebensweisheiten aus dem alten China wurden vorgetragen, so die eines Weisen, der am Fluss steht und aufs Wasser schaut: "Das Wasser lehrt uns, wie wir leben sollen." Mit einem russischen Kirchenlied als Zugabe klang die Matinee aus.