Corona-Krise

Straßburg sagt Weihnachtsmarkt weitgehend ab

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Do, 22. Oktober 2020 um 12:09 Uhr

Straßburg

Straßburg befürchtet eine "alarmierende" Verschlechterung der Corona-Lage – und sagt den Weihnachtsmarkt fast komplett ab. Nur Baum, Beleuchtung und Musikprogramm bleiben vom Christkindelsmärik übrig.

Angesichts der sich weiter verschlechternden Corona-Lage im Elsass sagt Straßburg seinen Weihnachtsmarkt in der gewohnten Form ab. An einem geschmückten Baum in der Innenstadt, der festlichen Beleuchtung und einem Musik- und Kulturprogramm in der Altstadt wolle man jedoch festhalten, sagte Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Unterstützung für Betroffene zugesagt

"Im Vergleich zu anderen französischen Großstädten liegen wir in der Entwicklung zwei Wochen zurück", begründete Barseghian ihre Entscheidung. Deshalb habe sie es vorgezogen, diese jetzt zu treffen, statt auf die drohende Absage durch die Präfektur zu warten. Damit hätte sie alle Akteure bei ihren Vorbereitungen noch länger im Ungewissen gelassen.

Barseghian hat für sie eine finanzielle Unterstützung angekündigt. In einem Brief hat sich die grüne Oberbürgermeisterin auch direkt an die Marktbeschicker gewandt. Darin heißt es, dass die Stadt eine "alarmierende" Verschlechterung der Lage befürchte.

Noch Anfang Oktober hatte Barseghians Planungsteam ein Konzept fast wie in normalen Zeiten vorgestellt, mit 300 Holzbuden, allerdings mit erheblich mehr Abstand verteilt, um den Markt am 28. November eröffnen zu können. Vor drei Wochen hatte die 7-Tage-Inzidenz für das Département Bas-Rhin noch bei etwas mehr als 50 gelegen. Inzwischen hat sich dieser Wert vervierfacht. Offiziell hat die Eurometropole Straßburg seit Mittwochabend den kritischen Wert von 250 überschritten. Während der Pressekonferenz wurde er mit 300 angegeben.

Bei den Behandlungsmöglichkeiten für schwere Covid-19-Fälle verfügen Straßburg wie die anderen Krankenhäuser im Elsass augenblicklich noch über mehr Kapazitäten als andere französische Regionen. Nichtsdestotrotz wird befürchtet, Premierminister Jean Castex könnte bei seiner am heutigen Nachmittag angekündigten Pressekonferenz auch für das Elsass eine nächtliche Ausgangssperre anordnen.

Sie würde Restaurants und Bars, aber auch den Kulturbereich hart treffen. Für die Marktbeschicker und den Handel in der Innenstadt ist die faktische Absage des Weihnachtsmarktes ein herber Schlag. Im Advent kommen alljährlich zwei Millionen Besucher in die Stadt. Der erzielte Umsatz wird mit 250 Millionen beziffert. Infolge der Pandemie war ohnehin mit weniger Besuchern zu rechnen.

In 450 Jahren hat der Straßburger Weihnachtsmarkt, einer der ältesten überhaupt, nur während des Zweiten Weltkriegs nicht stattgefunden. Mehrere kleinere elsässische Städte wie Neuf-Brisach oder Soufflenheim haben ihre Weihnachtsmärkte bereits abgesagt. In Colmar und Mulhouse steht eine Entscheidung noch aus.

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