SC Freiburg

Streich zu Fremdenhass: "Leute lernen nichts aus Geschichte"

dpa

Von dpa

So, 12. Januar 2020 um 15:34 Uhr

SC Freiburg

Christian Streich findet es extrem gefährlich, dass Hass und Hetze wieder gesellschaftsfähig wird. In einem Spiegel-Interview meinte er zudem, nicht alles über seine Spieler wissen zu müssen.

Trainer Christian Streich vom Fußball-Bundesligisten SC Freiburg ist für seine politischen Äußerungen gegen Fremdenhass und Rassismus offenbar schon heftig kritisiert worden. "Wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder etwas sagen kann, ohne dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen. Es ist extrem gefährlich, was gerade wieder gesellschaftsfähig wird", sagte er im Interview. "Die Leute lernen nichts aus der Geschichte."

An ihn gerichtete Hass-Mails lese er aber gar nicht. "Es ist ja die Absicht dieser Menschen, eine derartige Angst zu verbreiten, dass man sich gelähmt fühlt", erklärte der 54-Jährige. "Wir wissen ja aus vergangenen Zeiten, wie das geht. Dem setze ich mich nicht aus."

Streich ist einer von nur wenigen Profifußball-Trainern, die sich auch politisch äußern. Dabei kritisierte er bereits mehrfach rechtsextreme und fremdenfeindliche Tendenzen in Deutschland.

Mit dem Sport-Club steht er nach einer der besten Vorrunden der Vereinsgeschichte mit 26 Punkten auf Rang acht. Das Saisonziel Klassenverbleib will er vor dem Rückrundenstart am 18. Januar beim FSV Mainz 05 dennoch nicht ändern. "Wenn wir am Ende 40 Punkte holen, spielen wir nächste Saison im neuen Stadion in der Bundesliga. Das wäre doch super", sagte Streich. Einen erneuten Abstiegskampf, den er mit Freiburg schon mehrfach erlebt hat, will er möglichst vermeiden. "Das ist ekelhafter Druck. Ich hasse es."

Streich pflegt zu seinen Spielern ein enges Verhältnis. Es gebe aber Dinge, die er nicht wissen wolle. "Ich weiß nicht, was unsere Spieler verdienen. Ich lese ihre Verträge nicht", sagte der Südbadener. Auf die Frage "Warum nicht?" sagte Streich: "Weil es sonst möglicherweise kompliziert wird. Ich will nicht, dass bei mir der Gedanke aufkommt: Jetzt verdient der so viel und spielt zwei solche Fehlpässe!"

Über die Vorliebe einiger Profis für teure Autos sagte Streich: "Die leasen des Zeugs. Wenn sich jemand an solchen Autos derart erfreut und genug Geld hat, gibt er eben ein- oder zweitausend Euro im Monat dafür aus. Es steht mir nicht zu, die Spieler dafür zu kritisieren." Diese seien "damit groß geworden, dass es in unserer Wohlstandsgesellschaft als cool gilt, wenn man ein großes Auto hat. Warum ist es nicht cooler, wenn Autos kleiner sind? Weil man es nicht will. Weil die Konzerne lieber große, teure Autos verkaufen."

In einem Interview der Bild-Zeitung sagte SC-Angreifer Nils Petersen: "Eine richtig teure Karre hat bei uns keiner." Die Spieler wüssten, "wie der Trainer reagieren würde, wenn jetzt ein dicker Lambo vorfahren würde", sagte Petersen lachend und betonte: "Gerne sehen würde er das nicht, wie ich ihn kenne."