Gesundheit

Unispital Basel investiert mehr als eine Milliarde Euro in zwei neue Kliniken

Michael Baas

Von Michael Baas

Mo, 07. Dezember 2020 um 14:49 Uhr

Basel

Das Unispital Basel stellt die Weichen für die Zukunft: Bis 2038 soll das Klinikum modernisiert und erweitert werden. Zwei neue Kliniken werden gebaut. Insgesamt werden 1,3 Milliarden Euro investiert.

In den nächsten 18 Jahren soll die Infrastruktur auf dem Areal am Rand der Innenstadt für umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro saniert und um 17 000 Quadratmeter Nutzfläche erweitert werden. Im Kern geht es um den seit längerem angestrebten Neubau des Klinikums 2, aber auch um ein 2019 konzipiertes neues Klinikum am Westrand des Areals. Die Regierung hat in einer gemeinsamen Videomedienkonferenz am Montag bereits die Unterstützung der Pläne und der Strategie signalisiert.

Das Universitätsspital Basel (USB), das 2019 rund 38.500 Patienten stationär behandelt hat, will seine Stellung als Zentrum von der Grund- bis zur Maximalversorgung, aber auch als Forschungspartner der Life Science Industrie langfristig sichern, und zwar möglichst inner- wie außerhalb der Schweiz.

Die Ablehnung der Fusion mit dem Kantonsspital Baselland in Basel-Stadt im Februar 2019 hat das USB bei diesen Ambitionen indes unter Zugzwang gesetzt – zumal es wie alle Kliniken ohnehin mit dem Wandel der Versorgung, dem Ersatz stationärer durch ambulante Leistungen, veränderten Gesetzen und Ansprüchen konfrontiert ist. "Es besteht Handlungsbedarf", sagt USB-Chef Werner Kübler denn auch.

Von 2022 an soll gebaut werden

Während das Klinikum derzeit eine Hauptnutzfläche von rund 106 000 Quadratmeter verfügt, wird von einem langfristigen Bedarf von 123 0000 Quadratmeter ausgegangen. Angesichts dieser veränderten Rahmenbedingungen wurde der unter dem Stichwort "Campus Gesundheit" schon vor Jahren vorgelegte Masterplan für das Klinikareal daher angepasst. Das wesentliche neue Infrastrukturelement ist ein drittes Klinikum am Westrand des Areals (Grafik) gegenüber der Universitätskinderklinik beider Basel. Das im Frühjahr 2019 auf Basis eines Studienauftrags vorgestellte und vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron und Rapp Regioplan entwickelte Vorhaben soll nun realisiert werden. Die Offenlage des Bebauungsplans wird für nächsten Sommer anvisiert, die Behandlung im Großen Rat soll 2022 folgen, der Baubeginn ist für 2024 ins Auge gefasst.

"Es besteht Handlungsbedarf." USB-Chef Kübler

In einer ersten Etappe (Info) soll von 2022 an allerdings zunächst der erste Abschnitt des vom Zürcher Architektenteam giuliani.hönger geplanten Neubaus des Klinikums 2 realisiert werden, der das aus den 1970er-Jahren stammende Gebäude am selben Standort ersetzen wird. Der Bauantrag für das Vorhaben werde demnächst eingereicht, teilt das USB mit. Konkret geht es um den neuen rund 60 Meter hohen Turm, der vor allem Bettstationen aufnehmen wird, sowie einen Anbau.
Zeitplan und Kosten

In der ersten Etappe wird von 2022 an der erste Teil des neuen Klinikums 2 gebaut. Hier geht es um den rund 60 Meter hohen Turm und einen Anbau. Dafür sind Investitionen von umgerechnet rund 385 Millionen Euro angesetzt. In der zweiten Etappe entsteht von 2024 bis 2028 das rund 362 Millionen Euro teure dritte Klinikum. In der letzten Phase wird für weitere rund 400 Millionen Euro von 2031 an der Sockel des Klinikums 2 mit Notfallzentrum und Funktionseinheiten gebaut.

Dies sei ein wichtiger, erster Schritt zur langfristigen Arealentwicklung des Campus Gesundheit, heißt es in der Mitteilung. In einer zweiten Etappe soll das dritte Klinikum gebaut und im Rahmen vorübergehender Rochaden zunächst ein Teil der Nutzungen vom Klinikum zwei aufnehmen. In einer dritten Etappe wird dann der neue Sockel des Klinikums 2 mit neuem Notfallzentrum und Funktionseinheiten gebaut.

Städtebaulich sollen diese Vorhaben an die Umgebung anschließen. So soll das Klinikum 2 optisch sowohl auf die angrenzende Altstadtsilhouette wie auch die geplanten großvolumigen Bauten auf dem im Westen anschließenden Schällemätteli-Areal Bezug nehmen, der Campus zum Scharnier werden. Auch das Klinikum drei, das langfristig unter anderem das Tumorzentrum, das Labor, aber auch die Forschung aufnehmen soll, wird mit einer Höhe von bis zu 70 Meter die großvolumige Bauweise des für das Stadtviertel anvisierten Life Science Clusters aufgreifen. Ebenso aber soll auf denkmalgeschützten Bauten wie Predigerkirche und die Gebäude entlang der Hebelstraße, also den Holsteiner- und den Markgräflerhof Rücksicht genommen werden und diese in das Ensemble integriert werden.

Das Projekt ist den Verantwortlichen zufolge finanziell darstellbar

Finanziell sei dieses Großprojekt auf Basis des kalkulierten jährlichen Investitionsvolumens zwischen 45 und 55 Millionen Euro darstellbar, betonen die USB-Verantwortlichen. Der Finanzplan des Klinikums zumindest zeige, dass die Mittel mit den strategischen Zielen und Maßnahmen erwirtschaftet werden könnten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Jahresergebnis 2020 seien in dieser Rechnung zwar nicht berücksichtigt und aktuell gehe die Klinikleitung "von einem wesentlichen Gewinneinbruch" dieses Jahr und "einem schwierigen Winter 2021" aus. Aber von 2022 werde mit einer Entwicklung im Rahmen des vorliegenden Finanzplans gerechnet.

Eine kurzfristige Gewinnminderung durch Covid-19 verunmögliche die langfristigen Investitionen in den Campus nicht, heißt es weiter. Dieser sei ein visionäres "Generationenprojekt. Wir legen jetzt das Fundament, damit auch der kommenden Generation eine Medizin auf universitärem Niveau zur Verfügung steht", kommentiert Verwaltungsratspräsident Robert-Jan Bumbacher. "Mit unseren Bauvorhaben senden wir ein starkes Signal für den Standort Basel", befindet auch Klinikdirektor Werner Kübler.

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