Zweiter Weltkrieg

Vier Zeitzeugen erinnern sich an die Freiburger Bombennacht vor 75 Jahren

Carola Schark

Von Carola Schark

Mi, 27. November 2019 um 17:51 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Noch leben Zeitzeugen, die vom Grauen der Nacht erzählen können, in der große Teile Freiburgs in Schutt und Asche gelegt wurden. Sie erzählen, wie sie überlebten, wen sie verloren und was sie bewegte.

Gerda Hormes (87 Jahre) aus Freiburg-Littenweiler: "Meine Kindheit war vorbei"
"Der Abend des 27. November 1944 begann. Meine Eltern betrieben in der Nussmannstraße 6 das Blumengeschäft Hundt-Gutsche. Vater war seit dem 1. September 1939 eingezogen; er war nur für zwei Tage zuhause. Flieger warfen Bomben über die Stadt. Mutter war schon voller Angst in den unteren, tiefen Keller gerannt. Wir – mein 15-jähriger Bruder Karl und ich, 12 Jahre alt – hinterher. Mutter rief laut nach meinem Vater. Mein Bruder stand wie versteinert da. Mutter kauerte am Boden, hob die Hände gefaltet zum Gebet und schrie das Vaterunser zum Himmel. Die Seitenwand stürzte ein und begrub meine Mutter. Sie ist unter den Steinen erstickt. Ihre Schreie beim Sterben waren furchtbar. Mein Leben lang haben sie mich begleitet.

Noch immer habe ich das Entsetzen im Gesicht meines Vaters vor Augen, als er mich von den Trümmern befreien wollte, die mir bis über die Schultern reichten. Er sprach kein Wort. Ein letzter Händedruck. Mit seinem Gesicht fiel er an meine Brust. Noch immer habe ich seine Hände gehalten, mit denen er meine festgehalten hatte, um mich aus den Trümmern zu ziehen. Ich konnte nicht begreifen, dass er tot war. Wie nach außen hin still hat sich sein Tod vollzogen. Ich schrie und schrie. Mein Bruder irrte im Keller herum. Er muss wohl irre geworden sein. Er ist später verbrannt. Ich war in den Trümmern eingeschlossen, konnte mich selbst nicht befreien. Ich war völlig nass durch die zertrümmerten Rohre. Auf meine Schreie hin kam ein Mann in den Keller. Es gelang ihm nicht, mich heraus zu ziehen. Wieder war ich alleine bei den Toten. Meinem Vater schüttelte ich in Verzweiflung den Kopf, betastete seine Haare, seinen Mund und die Augen. Alles war leblos, ...

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