Wissenschaft

Warum der Boden ebenso in Gefahr ist wie Klima, Wasser und Luft

Andreas Frey

Von Andreas Frey

Mo, 05. April 2021 um 10:34 Uhr

Bildung & Wissen

BZ-Plus Es wird viel über die Umwelt geschrieben, debattiert und gestritten – Forscher kritisieren allerdings, dass wir dabei den Boden völlig außer Acht lassen. BZ-Autor Andreas Frey erklärt, warum er so bedeutend ist.

Alle Probleme beginnen schon damit, dass man dem Boden nicht ansieht, wie schlecht es ihm geht. Von oben betrachtet ist da nur eine scheinbar leblose sandige oder lehmige Masse, die uns egal geworden ist. Sprach man früher noch voller Wertschätzung von "Muttererde", sehen die meisten Menschen heute im Boden kaum mehr als Dreck, den man am besten überbaut. Mach dich nicht schmutzig, mahnt man seine Kinder, suhl dich nicht im Matsch. Die Krume ist uns fremd geworden.
Der Boden ist eben kein Panda, dabei sorgen wir uns neuerdings um Insekten und sind auch abstrakteren Naturgütern zugetan. Der Schutz von Wasser, Luft und Klima ist uns wichtig. Der Boden aber wurde vergessen. Naturfreunde zählen begeistert Wintervögel, räuchern aber Maulwürfe aus. Es ist ja wirklich schwierig: Der Boden gilt nicht nur als zu langweilig, um populär zu sein, sondern zugleich als zu komplex, als zu speziell, selbst für Nerds.
Der Boden ist ein lebendes Universum
François Buscot ist alles andere als ein Nerd, dabei leitet er das Institut für Bodenökologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle an der Saale. Wenn er über Pilznetzwerke oder Fadenwürmer spricht, kann er seine Hingabe kaum verbergen. Gerade hat er gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern einen Beitrag in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht, der sich liest sich wie ein Appell: Die Politik solle den Bodenschutz endlich ernst nehmen. "Die Umweltschutzbemühungen ignorieren die Mehrheit der terrestrischen Artenvielfalt nahezu komplett", schreiben die Autoren. Sie meinen jene Lebewesen, die unsichtbar im Boden leben.
Ohne Forscher wie François Buscot würde die Menschheit gar nicht merken, welch wertvolles Ökosystem da unter unseren Füßen gerade verloren geht. Es ist ein vor Leben wimmelndes Universum, entstanden in Jahrtausenden, dessen Organismen zu über 90 Prozent noch unbekannt sind. Die Biologie des Bodens sei bislang kaum berücksichtigt worden, sagt Buscot. Böden wurden einzig nach chemischen und physikalischen Prozessen bewertet. Dabei stellt gerade deren Biodiversität eine Reihe lebenswichtiger Funktionen kostenlos zur Verfügung. Das Erdreich dient als Filter für Schmutz, Keime und Schadstoffe, als Puffer für pH-Wert-Veränderungen, und als Recyclingraum, in dem Nährstoffe ...

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