Lockdown

Warum Gewerbetreibende den Lockdown auch in zwei Jahren noch spüren werden

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Di, 23. Februar 2021 um 09:00 Uhr

Emmendingen

Gewerbetreibende im Landkreis beklagen neben den unsicheren Öffnungsperspektiven auch die langfristigen Folgen der Krise. Zwei Jahre werde es teilweise dauern, Verluste zu kompensieren.

Während zahlreiche Gewerbetreibende im Landkreis noch auf vom Bund zugesagte Corona-Hilfszahlungen warten, blicken sie bei unsicheren Öffnungsperspektiven einer ebenso unsicheren unternehmerischen Zukunft entgegen. Langfristige Auswirkungen des Lockdowns würden nicht mitbedacht, kritisiert etwa die Betreiberin eines Fitnesszentrums. Nach vier Monaten Lockdown könne der normalen Abgang von Mitgliedern nicht mehr auffangen werden: "Wir starten bei Wiedereröffnung mit minus 25 Prozent Umsatz, um das wieder aufzuholen, wird es bis zu zwei Jahren dauern". 90 Prozent Umsatzeinbrüche beklagt ein Hotelier, ohne diese ausgleichen zu können. Gleichzeitig aber zögen "Gema und GEZ ihre Jahresbeiträge ein wie immer."

Bleiben die Mitarbeiter bei der Stange?

Ein Kollege aus der Branche macht zudem auf die finanziellen Engpässe der Mitarbeiter aufmerksam, die in Kurzarbeit sind und entsprechende Einbußen haben. Dabei, so eine Gastronomin aus Emmendingen, helfe das Instrument der Kurzarbeit nur kurzfristig. Wegen der Situation hätten ihr bereits zwei Mitarbeiter gekündigt, ob sie mit allen ihrer verblieben Festangestellten bei einer Wiedereröffnung planen könne, sei ebenfalls fraglich. Gehaltseinbußen und fehlendes Trinkgeld führen dazu, dass sich ihre Mitarbeiter "in der Zwischenzeit andere Einnahmequellen suchen mussten".
Zur Vorgehensweise: Angeschrieben wurden per E-Mail die örtlichen Handels- und Gewerbeverbände, die die Anfrage an ihre Mitgliedsunternehmen weiterleiteten. Die Rückmeldungen, die von der Redaktion anonymisiert wurden, stellen ein Stimmungsbild, sicher aber kein repräsentatives Ergebnis dar. Angefragt wurden neben Ausblick auf die Zukunft auch der Aspekt der Hilfszahlungen auch die wirtschaftliche Situation.

Das Überleben der Betriebe dient nicht nur den Inhabern, sondern eben auch den Mitarbeitern, deren Arbeitsplätze gesichert werden müssen. Und das sind, so ein Modehändler aus Emmendingen, bundesweit mehr als 560 000 allein im Innenstadthandel. "Wir sprechen von 192 000 Handelsunternehmen mit 260 000 Standorten, 1,6 Millionen Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 200 Milliarden Euro", schreibt er. Und zudem sorge der innerstädtische Handel ja auch dafür, dass Innenstädte lebendig bleiben und nicht veröden.

Veranstaltungsbranche im Dauerlockdown

Fehlende Perspektiven machen einem Busunternehmer zu schaffen: "Das Schlimmste ist, dass man nicht länger als ein bis zwei Wochen planen kann und nicht abschätzen kann, was die weitere Zukunft an Vorschriften bringen wird." Im Linienverkehr sei die Situation durch Fahrgastschwund angespannt, das Busreiseverbot verunsichere nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Kunden, die in diesen Tagen eigentlich ihre Reisen buchen würden.

Einen Veranstalter dagegen würde es sicher freuen, wenn er wenigstens kurzfristig planen könnte. Allerdings befinde sich sein Unternehmen seit dem 10. März im Lockdown, und bei jeden weiteren Einschränkungsbeschlüssen sei seine Branche immer die erste, die betroffen ist. "Und wir werden sicherlich noch lange in diesem Jahr außen vor sein", vermutet er. Denn nur eine weitgehende Öffnung sei für die Branche sinnvoll. "Konzerte mit Abstand oder 100 Menschen in einer Location mit Platz für 1000 sind weder wirtschaftlich noch organisatorisch sinnvoll." Und doch bleibt er kämpferisch: "Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern, Künstlern und Partnern werden wir die Krise überstehen und gestärkt daraus hervorgehen."