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Was viele gar nicht wissen: Paketboten nehmen kostenlos Päckchen mit

Mirjam Stöckel

Von Mirjam Stöckel

Mo, 31. August 2020 um 20:34 Uhr

Wirtschaft

Drei der fünf großen Paketdienste in Deutschland bieten einen Service an, der aber einigermaßen unbekannt ist: die kostenlose Paketmitnahme. Wie funktioniert das?

Da liegt das Retouren-Paket mit der zu engen Bluse oder der zu kurzen Hose vom Online-Händler tagelang auf dem Schränkchen im Flur. Und es bringt sich einfach nicht selbst zur Paketannahmestelle. Man kennt das. In genau dieser Situation ist ein Service praktisch, den drei der fünf großen Paketdienste in Deutschland anbieten, der aber einigermaßen unbekannt ist: die kostenlose Paketmitnahme.

DHL, Hermes und UPS bieten den Service an

Das Prinzip ist denkbar einfach: Man passt den Paketboten an der eigenen Haustür, auf der Straße oder beim Nachbarn ab, wenn der Bote sowieso etwas ausliefert – und drückt ihm sein eigenes Paket in die Hand, damit er es auf die Reise schickt. So spart man sich den Weg zur Annahmestelle. Möglich ist das bei DHL (da geht das auch oft mit Briefen – nachfragen lohnt!), Hermes und UPS – bei GLS hingegen nicht. DPD prüft gerade, ob ein solcher Service eingeführt wird. "Die Paketmitnahme ist ein gutes Angebot", sagt Iwona Husemann, Juristin und Expertin für Postdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Der Service ist der breiten Masse der Verbraucher so nicht bekannt, weil er wenig beworben wird. Von daher würde ich ihn eher als Geheimtipp einstufen."

Wichtig zu wissen: Das Mitnahme-Angebot ist immer freiwillig. Sprich: Ist der Lieferwagen zu voll oder der Zusteller zu sehr im Stress, hat der Kunde oder die Kundin keinen Anspruch darauf, dass ein Paket mitgenommen wird. Bei Hermes darf das Paket maximal 25 Kilogramm wiegen, bei DHL 31,5 Kilo und bei UPS 70 Kilo.

"Wenn es sich um etwas Eiliges handelt, was heute noch weg soll, macht es mehr Sinn, zur nächsten Paketannahmestelle zu gehen und es dort abzugeben." Iwona Husemann
Besonders gut geeignet ist die Paketmitnahme, wenn man sowieso tagsüber viel zuhause ist und so die Möglichkeit hat, den Boten auf seiner Tour abzufangen. Was bei corona-bedingtem Homeoffice ja durchaus der Fall sein kann. Besonders einfach an der Haustür mitgeben lässt sich die Gratis-Retoure, für die ein Rücksendeschein schon vorliegt. Für alle anderen Päckchen müssen Verbraucher auf den Internetseiten der Paketdienste eine Versandmarke einschließlich Adressangabe anfertigen und das Porto online bezahlen. Bei Hermes kann man das Päckchen auch nur adressieren und die Versandkosten dann beim Zusteller in passendem Kleingeld begleichen.

Verbraucher sollten darauf achten, dass der Zusteller das Paket einscannt. Im besten Fall bekommt man einen Einlieferungsbeleg, um die Sendung zu verfolgen. Muss ein Päckchen dringend los, rät Husemann allerdings vom Mitnahme-Service ab, weil es vom Zufall abhängt, wann man den Paketboten erwischt. "Wenn es sich um etwas Eiliges handelt, was heute noch weg soll, macht es mehr Sinn, zur nächsten Paketannahmestelle zu gehen und es dort abzugeben", empfiehlt die Verbraucherschützerin.
Nicht alles ist kostenlos: Der Gratis-Mitnahme-Service ist nicht zu verwechseln mit den verschiedenen Abhol-Angeboten der Paketdienstleister. Eine Abholung muss man im Vorfeld beauftragen – und die kostet dann auch extra. Allerdings hat man dafür die Sicherheit, dass der Zusteller am vereinbarten Tag tatsächlich an der Haustür klingelt und das Paket mitnimmt.

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